Alle Energiesysteme fair behandeln!  

erstellt am
20. 02. 04

Verbund für harmonisierte Marktregeln und echten Wettbewerb
Wien (verbund) - Harmonisierte Marktregeln und ein fairer Wettbewerb zwischen den einzelnen Energieträgern und Technologien - das sind laut Verbund, Österreichs führendem Elektrizitätsunternehmen, die dringend nötigen Eckpfeiler, um einen verzerrungsfreien Wettbewerb der Energiesysteme in Europa zu gewährleisten. Dabei gilt es, die Chancen und Potentiale der einzelnen Energieträger und Stromerzeugungstechniken unvoreingenommen zu betrachten und zu bewerten, um auch in Zukunft eine sichere und auch umweltverträgliche Stromversorgung bereitstellen zu können, die letzten Endes auch bezahlbar ist.

„Derzeit kommt es zwischen den einzelnen Energieträgern und Technologien, sowohl in Österreich wie in ganz Europa, zu einer massiven Wettbewerbsverzerrung. Man denke nur an den sprunghaften Ausbau der Windkraft im vergangenen Jahr. Die Kosten, die durch zusätzliche Leitungen für die nötige Netzeinspeisung entstehen, werden der Windkraft ebenso wenig angelastet wie die zusätzlichen Investitionen in Kraftwerke, die witterungsbedingte Schwankungen ausgleichen müssen“, erläuterte Dr. Herbert Schröfelbauer, Vorsitzender des Vorstandes der VERBUND-Austrian Hydro Power AG, Österreichs größten Stromerzeugers, der zu 100 % aus Wasserkraft produziert, am Donnerstag (20. 02.) bei einer Pressekonferenz in Wien.

Ziel muß es sein, so Schröfelbauer, solche Mehrkosten den einzelnen Energieträgern verursachergerecht zuzuordnen. Hier sei beispielhaft auf die derzeitigen Engpaßmanagement-Maßnahmen in Österreichs Stromversorgung verwiesen. Diese werden durch den räumlichen Schwerpunkt der Windkraft im Norden Österreichs verschärft und erfordern im Gegenzug gravierende Änderungen des Einsatzes der Wasserkraftwerke und der thermischen Einheiten im Süden. Damit sind hohe Kosten und Markteinschränkungen verbunden.

„Dazu kommen auch noch massive Förderungen. Diese jedoch berücksichtigen den gesamten Wirkungsgrad einer solchen Additivenergie-Anlage überhaupt nicht“, sagt Schröfelbauer und ergänzt: „Der positive Aspekt der Windkraft, nämlich die Vermeidung von CO2-Emissionen, bleibt natürlich unbestritten.“

Ein fairer Wettbewerb in einem freien Markt muß sich an der Wirtschaftlichkeit orientieren! Eine Förderung der Erneuerbaren Energieträger ist dabei durchaus zulässig, sie muß jedoch darauf fokussiert sein, daß sich die effizienteste Technologie durchsetzt und mittelfristig die Marktfähigkeit erlangt. Und die Förderung muß alle Erneuerbaren Energieträger einschließen. Als Kriterien bieten sich neben dem Wirkungsgrad die sogenannten CO2-Vermeidungskosten sowie die Anlagenverfügbarkeit an.

Der Kosten-Nutzen-Aspekt wird jedoch von den derzeitigen Fördermodellen überhaupt nicht berücksichtigt. Als Beispiel sei die Wasserkraft angeführt, die nach wie vor innerhalb der Erneuerbaren Energien die günstigste und effizienteste Produktionsform mit einem Wirkungsgrad von bis zu 90 % darstellt.

Aufgrund der derzeitigen Strompreise und der hohen Kapitalintensität ist die Wirtschaftlichkeit neuer Wasserkraftwerksprojekte ohne Förderung derzeit nur sehr schwer darstellbar. „Blickt man jedoch über die Staatsgrenze Österreichs hinaus, so stellt man fest, daß beispielsweise in Deutschland die Novelle zum Erneuerbaren-Energie-Gesetz auch die Förderung der Großwasserkraft vorsieht“, führt Schröfelbauer aus.

Parallel dazu verschärfen EU-Richtlinien, wie die sogenannte Wasserrahmenrichtlinie, ganz besonders die Situation der Wasserkraft: Für Österreichs Stromerzeugung aus Wasserkraft ist mit einem durchschnittlichen jährlichen Erzeugungsverlust von 5 bis 15 % zu rechnen! Bei Einzelanlagen kann der Verlust auch beträchtlich mehr betragen.

Bei einem prognostizierten jährlichen Verbrauchszuwachs von 2 bis 3 % wird in absehbarer Zeit eine Schere zwischen dem steigenden Verbrauch und der sinkenden Erzeugung aufgehen. Real ist der Stromverbrauch im öffentlichen Netz in Österreich im Jahr 2003 im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 % gewachsen.

Darüber hinaus steht die Wasserrahmenrichtlinie eindeutig im Widerspruch zur EU-Richtlinie zur Förderung der Erneuerbaren Energie: Bei dieser hat sich Österreich verpflichtet, seinen Anteil an Erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung von 70 % (Basis 1997) auf 78,1 % im Jahr 2010 zu steigern. „Aus heutiger Sicht wird dieses Ziel nur sehr schwer zu erreichen sein“, sagt Schröfelbauer.

Die Integration von Erneuerbaren und dezentralen Erzeugungsanlagen in das bestehende und künftige vereinheitlichte Elektrizitätssystem in der Europäischen Union stellt eine enorme technologische Herausforderung dar. Heute, Donnerstag, abend werden beim 22. Verbund-Forschungsforum, dem ersten im heurigen Jahr (Wien, Museumsquartier, Ovaler Saal, 17 Uhr), erstmals Ergebnisse aus entsprechenden europaweiten Forschungsprojekten von 40 Top-Experten aus 15 europäischen Ländern öffentlich präsentiert. Es handelt sich dabei um Projekte aus dem Cluster „Integration Erneuerbarer und dezentrale Erzeugung“. Weitere Veranstaltungen sind europaweit geplant.

In der Verbund-Forschung werden derzeit insgesamt 68 Forschungsprojekte bearbeitet. Das Projektvolumen der über mehrere Jahre laufenden Projekte beträgt zusammen 45,5 Mio. €., der Verbund-Anteil davon 16 Mio. €. Die Verbund-Eigenleistungen im Jahr 2003 beliefen sich auf 5,4 Mio. €.

Die EU-Strategie, bekräftigt durch den EU-Rat in Göteborg im Juni 2001, zielt auf nachhaltige Entwicklung durch Integration sozialer, wirtschaftlicher und umweltpolitischer Ziele, erklärte Dipl.-Ing. Manuel Sanchez-Jimenez von der Europäischen Kommission, im Vorfeld der Veranstaltung. Energie hat einen großen Bezug zu den drei Säulen dieser Strategie. Sie ist Vorraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung, die soziale Wohlfahrt und maßgeblich für die Verbesserung der Umwelt. Die Deckung der Energienachfrage in der Europäischen Union ist entscheidend gekoppelt mit der Versorgungssicherheit und den Verpflichtungen zur Emissionsverminderung bei den Treibhausgasen. Die Entwicklung dezentraler Erzeugung und erneuerbarer Energie-Technologien ist wesentlich zur Erreichung dieser Ziele.

Probleme in einzelnen Ländern mit einem hohen Anteil von Windenergie, wie vom Verbund angesprochen, werden laut Sanchez-Jimenez in der Europäischen Kommission ernst genommen. Es werden zusätzliche neue Leitungskapazitäten gebraucht werden, und es wird ein erhöhter Aufwand an Regelenergie erforderlich sein. Weitere Maßnahmen sind künftig beispielsweise durch Einfluß des Netzbetreibers auf die Erzeugung aus Windkraft und „intelligente Rundsteueranlagen“ denkbar.

Die europäische Vision für nachhaltige Energiesysteme sieht Elektrizität und Wasserstoff als die zwei wesentlichen Energieträger vor, mit der Brennstoffzelle als Bindeglied. Diese austauschbaren Energieträger bieten eine einzigartige Chance zur Verringerung unserer Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und zur Reduktion von Treibhausgasen.

Österreich nimmt mit seinem hohen Wasserkraftanteil an der Stromerzeugung von rund 70 % eine Sonderstellung innerhalb der EU ein. Durch die Entwicklungen im Bereich der europäischen Umweltpolitik, vor allem in Hinblick auf die Wasserpolitik, ergibt sich ein Gefährdungspotential für diese wertvolle Ressource und somit ein Zielkonflikt zu anderen EU-Zielen. Zukünftig wird man sich dieser Problematik verstärkt annehmen müssen. Wie bei den meisten Vorgaben der Europäischen Kommission können allerdings die einzelnen EU-Mitgliedsländer bei der nationalen Umsetzung der Richtlinien aufgrund der unterschiedlichen Gegebenheiten einen gewissen Spielraum nutzen.

Im Cluster „Integration Erneuerbarer und dezentraler Erzeugung“ laufen derzeit - unterstützt durch die Europäische Kommission - sieben Projekte. Sie zeigen die aktuelle strategische Ausrichtung und Szenarien für die Zukunft, wobei Forschungsinstitute, Universitäten, Energieerzeuger, Netzbetreiber, Industrieunternehmen, Regulatoren und Interessenvertretungen eingebunden sind. Insgesamt sind 100 Partner beteiligt, das Projektvolumen beträgt 34 Mio. €, wobei 19 Mio. € von der EU-Kommission kommen. Die Projekte helfen dabei, die Herausforderung zu bewältigen, Europa mit einem nachhaltigen elektrischen Energiesystem zu versorgen.

Im Netzwerk (DGnet) kooperieren erstmals alle wesentlichen Beteiligten zu den Themenstellungen. Technische Detaillösungen zum Anschluß dezentraler Erzeuger werden in DISPOWER erarbeitet. Wesentliche Vorschläge für eine harmonisierte Anfangsförderung resultieren aus dem Projekt SUSTELNET. Eine Option, energieautarke Zellen zu schaffen, untersucht das Projekt MICROGRIDS. Zur Hebung der Spannungsqualität werden die möglichen Potentiale durch spezielle Untersuchungen an den leistungselektronischen Schaltungen der Wechselrichter vorgenommen (DGFACTS). Durch dezentrale Intelligenz (CRISP) der dezentralen Energieerzeuger und Geräte soll die Versorgungssicherheit verbessert werden. Eine wesentliche Vorraussetzung zum Ausgleich von Energieangebot und -nachfrage stellen Energiespeicher dar, deren verschiedene Systeme in INVESTIRE untersucht werden. Die Projekte bringen Ergebnisse aus Untersuchungen von Fallstudien, entwickeln Lösungsmöglichkeiten für künftige Strukturen und bereiten aggregierte Informationen und Vorschläge für politische Entscheidungsträger auf.

Um die ehrgeizigen Ziele ehest und bestmöglich zu erreichen, wurde auch Kontakt zu zuständigen Ministerien und renommierten Forschungsinstituten in den USA aufgenommen, um die Kräfte zu bündeln und einheitlich vorzugehen.
     
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