BM Pröll: EU-Erweiterung bringt neue Chancen für Kärntner Grenzregionen  

erstellt am
04. 03. 04

Initiative »Neue Partner, neue Chancen« – Erweiterungsfest in Lavamünd
Wien/Lavamünd (bmlfuw) - Kärnten ist auf die EU-Erweiterung gut vorbereitet. Das ist von enormer Bedeutung für das Land, denn 76 Prozent der Kärntner Bevölkerung leben in Regionen, die von der Erweiterung stark betroffen sind. Mit der Informationsoffensive „Neue Partner, neue Chancen“ will ich die mit der EU-Erweiterung verbundenen Chancen aufzeigen und den Menschen im Grenzland Mut machen, sie mit ihren neuen Partnern optimal zu nutzen, erklärte Bundesminister Pröll am Mittwoch (03. 03.) im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Landesrat Georg Wurmitzer und dem Landesobmann des Kärntner Bauernbundes, Walfried Wutscher, in Lavamünd.

Bund, Länder und EU stellen bis 2006 für die Kärntner Grenzregionen insgesamt 830 Millionen Euro zur Verfügung. Dadurch wurden und werden Projekte finanziert, die die Grenzregionen für die Erweiterung fit machen sollen. Die Gemeinden haben darüberhinaus eine Vielzahl von Initiativen mit Partnergemeinden in den Erweiterungsländern gesetzt. Damit sind sehr gute Voraussetzungen für die Kooperation der Menschen in Österreich und in den Beitrittsländern geschaffen worden. An vorderster Stelle stehen die Euregio-Initiativen, mit denen der gesamte Grenzverlauf zu den Beitrittsländern abgedeckt ist. Insgesamt sind rund 1.000 österreichische Gemeinden einbezogen.

Im Mittelpunkt der heutigen Präsentation stehen beispielgebende Initiativen für grenzüber- schreitende Umwelt-, Naturschutz-, Tourismus- und Landwirtschaftskooperationen. Der Bogen spannt sich vom Projekt „Schafzucht ohne Grenzen“ zur Erhöhung der Population des Kärntner Brillenschafes über das grenzüberschreitende Angebot von „Wandern über die Grenze“ oder „Urlaub am Bauernhof grenzenlos“ bis hin zum Fledermaus- und Amphibienschutzprogramm. Viele dieser Projekte fördern die regionale Wertschöpfung und sichern Arbeitsplätze. Das wird heute auch durch die Verleihung des Österreichischen Umweltzeichens für Tourismusbetriebe an zwei Kärntner Robinson Clubs unterstrichen.

Zur Vorbereitung auf die Erweiterung dient auch die Initiative „Exportoffensive 1-24“. Die EU-Erweiterung bringt der österreichischen Lebensmittelwirtschaft einen neuen Markt mit über 100 Millionen Konsumenten. Um unsere Wirtschaft und unsere Bäuerinnen und Bauern zu stärken, müssen wir auf diesen Märkten mit der herausragenden Qualität unserer Lebensmittel punkten, so Pröll. „Ich war im November 2003 im Rahmen der „Exportoffensive 1-24“ in Laibach und habe dort mit einer österreichischen Wirtschaftsdelegation Konsumenten und den Lebensmittelhandel Sloweniens von der Güte österreichischer Produkte überzeugen können. Die Hoffnung auf neue Partner und neue Chancen wird in den kommenden Monaten entweder erfüllt oder enttäuscht – entweder machen die Deutschen, die Holländer und Franzosen das Geschäft oder wir, da lohnt es sich, zu laufen, dass die Schuhsohlen glühen“, so Pröll.

Gleichzeitig ist es notwendig, den österreichischen Konsumenten deutlich zu sagen, welchen Wert es hat, auf Lebensmittel aus dem österreichischen Feinkostladen zu setzen. „Ich habe mit der Österreichischen Hagelversicherung eine Initiative für regionalen Lebensmitteleinkauf gestartet“, so Pröll. Neben dem Kauf von guten Lebensmitteln stärkt der Konsument die Region, hilft mit Kulturlandschaft zu erhalten und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. Von dieser Kampagne profitieren auch Initiativen wie die „Mostbarkeiten“. Das am Zogglhof (St. Paul im Lavanttal) eingerichtete Kompetenzzentrum dieser bäuerlichen Vermarktungsgemeinschaft produziert Essige, Schnäpse und Säfte. Die „Mostbarkeiten“ bieten darüber hinaus Schnapsbrennkurse, Sensorik- und Essigseminare an. Der Erfolg lässt sich daran ablesen, dass sogar Nebenerwerbsbauern wieder zu Vollerwerbsbauern wurden und die Firma Kotányi die Essige im Hochpreissegment anbietet.

Erweiterung bringt Chancen für Umwelt und Wirtschaft
Im Zentrum der Vorbereitungen Kärntens auf die EU-Erweiterung stehen im Umweltsektor Artenschutz und sanfter Tourismus. Der Beitritt von zehn neuen Mitgliedsstaaten zur EU ist vor allem auch aus Umweltsicht äußerst positiv zu bewerten. Die Übernahme der Umweltstandards der EU wird eine nachhaltige Verbesserung der Umweltsituation in den neuen Mitgliedsstaaten und damit in Gesamteuropa bringen, sagte Pröll.

Die notwendigen Umweltschutzinvestitionen in den neuen EU-Staaten stellen für österreichische Firmen eine große Chance dar. Der Investitionsbedarf für den Umweltsektor wird auf ca. 80 – 110 Milliarden Euro geschätzt (das entspricht ca. 750 bis 1.040 Euro pro Einwohner/in). Insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energie, Abwasserbehandlung und Abfallentsorgung haben österreichische Unternehmen international anerkanntes Know-how und sind auf diesen neuen Märkten bereits aktiv.

Insgesamt dient die EU-Erweiterung einer gesteigerten Lebensqualität von fast 500 Millionen Menschen in einer erweiterten Union und der Bewahrung des ökologischen Erbes Europas für künftige Generationen. Die neuen Mitgliedsländer bereichern die biologische Vielfalt in der EU. Sie verfügen über Tiere und Pflanzen, die im Rest der EU teilweise schon ausgestorben sind. Dazu kommt eine Reihe von Nationalparks.

Die nächste Station der Informationsoffensive „Neue Partner, neue Chancen“ von Bundesminister Josef Pröll ist Freistadt in Oberösterreich (12. März 2004). Am 17.März 2004 besucht der Ressortchef die Region Feldbach (Steiermark). Schlusspunkt der Initiative „Neue Partner, neue Chancen“ ist Niederösterreich, wo am 15. April 2004 im Raum Marchegg (March-Donauauen) grenzüberschreitende Naturschutz- und Landwirtschaftsprojekte präsentiert werden.
     
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