OeNB plädiert für behutsames Angehen der Euro-Einführung in den EU-Beitrittsländern  

erstellt am
02. 03. 04

Wien (oenb) - Mit dem EU-Beitritt am 1. Mai 2004 beginnt der monetäre Integrationsprozess der neuen Beitrittsländer. Grundsätzlich sind diese Länder verpflichtet, den Euro einzuführen. Davor müssen sie aber einen mehrstufigen Prozess durchlaufen, der mit dem EU-Beitritt beginnt und nach einer Teilnahme am Wechselkursmechanismus WKM II mit der Erfüllung aller Maastricht-Konvergenzkriterien endet. In diesem Zusammenhang kommt die OeNB zu dem Schluss, dass vor einer WKM II-Teilnahme die meisten Beitrittsländer noch erhebliche wirtschaftspolitische Anstrengungen vollbringen müssen. Dazu gehört die Reduzierung von makroökonomischen Ungleichgewichten wie ein zu starkes Kredit- und Lohnwachstum, hohe Budgetdefizite, aber auch Leistungsbilanzdefizite, die langfristig die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder in Frage stellen. Gerade bei der bevorstehenden Eingliederung in den EU-Binnenmarkt seien notwendige Wechselkursanpassungen zuzulassen. Realwirtschaftlich unbegründete, starke Schwankungen des Wechselkurses sind jedoch zu vermeiden.

Der Eintrittszeitpunkt in den WKM II kann von den neuen Mitgliedsländern frei gewählt werden, das heißt der Eintritt kann unmittelbar nach dem EU-Beitritt erfolgen, muss aber nicht. Der WKM II ist eine klar geregelte Form der Wechselkursanbindung zwischen Währungen von EU-Mitgliedsländern außerhalb des Euroraums und dem Euro. Gegenwärtig nimmt nur Dänemark am WKM II teil. Der Eintritt in den WKM II setzt eine Einigung auf der Ebene der Finanzminister unter Beteiligung der Europäischen Kommission und des Eurosystems voraus. Diese Einigung betrifft den Leitkurs und die um diesen Leitkurs einzuhaltende Bandbreite, wobei derzeit standardmäßig +/- 15% vorgesehen sind.

Vor diesem Hintergrund beschäftigen sich die Studien in der aktuellen Ausgabe der OeNB-Publikation "Focus on Transition" schwerpunktmäßig mit dem Thema "Wechselkurs in den EU-Beitrittsländern". Ein Literaturüberblick stellt die zahlreichen Modelle zur Berechnung von Gleichgewichtswechselkursen vor, ein zweiter Beitrag berechnet die Gleichgewichtswechselkurse für verschiedene beitretende Länder. Resultat ist eine große Bandbreite von Schätzergebnissen, die als Richtschnur für die Findung des optimalen Leitkurses dienen kann. Ein dritter Beitrag widmet sich der Modellierung von Wechselkursen in aufholenden Volkswirtschaften. Abschließend werden die wechselkurspolitischen Herausforderungen und der institutionelle Rahmen für die monetäre Integration analysiert. Dieser Rahmen wird den Anforderungen weitgehend gerecht. Details dazu finden sich auf der Homepage der OeNB unter http://ceec.oenb.at.
     
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