Leitl: Österreichs mit seiner Exportentwicklung seit 2000 an EU-Spitze  

erstellt am
17. 03. 04

Handelsbilanz leicht negativ - Ansteigende Importe sind aber Indikator für Konjunkturaufschwung und dadurch werden die Exporte auch wieder stärker anziehen
Wien (pwk) - In einer gemeinsamen Pressekonferenz präsentierten Ewald Kutzenberger, Generaldirektor der Statistik Austria, und Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), am Dienstag (16. 03.) die Ergebnisse des österreichischen Außenhandels im Jahr 2003.

Die wichtigsten Ergebnisse: Österreichs Exporte stiegen 2003 um 1,4 Prozent auf 78,5 Mrd. Euro, die Importe erhöhten sich um 3,5 Prozent auf 79,8 Mrd. Euro. Somit war die Handelsbilanz mit 1,36 Mrd Euro leicht negativ - anzumerken ist aber, dass es sich dabei um das zweitbeste Ergebnis seit 19990 handelt, nachdem im Jahr 2002 mit einem leichten Exportüberschuss bilanziert worden war.
Die Exporte in die EU-Staaten stiegen um 0,5 Prozent auf 46,7 Mrd. Euro, während die Importe um 3,7 Prozent auf 52,6 Mrd. Euro zulegten. Überproportional gestiegen sind im Vorjahr die Ausfuhren in Drittstatten (alle Staaten außer EU-15 und EU-Beitrittsländer): Sie nahmen um 2,8 Prozent auf 31,7 Mrd. Euro zu, die Einfuhren nahmen um 3,1 Prozent auf 27,3 Mrd. Euro zu.

WKÖ-Präsident Christoph Leitl wies darauf hin, dass durch das Exportplus von 1,4%, das einen BIP-Zuwachs von 0,7% bewirkte, Österreich vor einem Nullwachstum bewahrt wurde. Leitl: "Weiters wurden dadurch zusätzlich 10.000 Jobs geschaffen und in den Staatshaushalt flossen rund 350 Millionen Euro mehr an Einnahmen." Auch wenn das Rekordergebnis von 2002 - mit einer erstmals in der österreichischen Geschichte positiven Handelsbilanz - nicht wiederholt werden konnte, so liegt Österreich im EU-Vergleich nach wie vor im Spitzenfeld. Größere Exportsteigerungen gab es nur in Griechenland, Schweden und Luxemburg. "Im Dreijahresvergleich von 2000 bis 2003 liegen wir mit einer Exportsteigerung von 16,4% aber unangefochten auf Platz Eins unter den EU-Staaten", betont Leitl.

Ewald Kutzenberger wies darauf hin, dass die höhere Importsteigerung (3,5%) aber durchaus positiv zu bewerten sei, da es sich bei den Importen vorwiegend um Investitionsgüter handle und das wiederum ein Indikator für einen Konjunkturaufschwung sei. In der Folge ist heuer auch wieder mit einem stärkeren Exportzuwachs zu rechnen. Leitl: "Wir erwarten heuer eine Exportsteigerung von etwa 3%."

Positiv fällt unter anderem die Handelsbilanz mit Drittstaaten auf, die mit 4,5 Mrd Euro hervorsticht. Weiters ist auch die Entwicklung bei österreichischen Auslandsinvestitionen (FDI) erfreulich - sie legten um 71% auf 6 Mrd Euro zu. Im internationalen Vergleich gingen FDI weltweit um 25% zurück. Leitl: "Österreichische Unternehmen sind zu Investitions-Freaks geworden." Sorgen bereitet Leitl hingegen die Entwicklung in Deutschland. Die Ausfuhren in unseren wichtigsten Handelspartner legten nur um 0,9% zu. Leitl: "Bei der überragenden Bedeutung Deutschlands für die österreichische Wirtschaft ist das keine besonders erfreuliche Entwicklung. Es besteht aber die Hoffnung, dass Deutschland, als Konjunkturlokomotive Europas wieder vom Abstellgleis los und in Fahrt kommt. Das wird auch unserer Wirtschaft einen Schub versetzen, denn wir sind der erste Wagon am europäischen Konjunkturzug." Hervorzuheben ist dafür die Entwicklung der Austro-Exporte in die USA, die trotz der Euro-Dollar-Problematik um 1,9% zulegten. "Ein tolles Ergebnis für unsere Unternehmen in einem schwierigen Umfeld", so Leitl.

Chancen für österreichische Exporteure sieht der WKÖ-Präsident vor allem in drei Bereichen: Energie, Umwelt und Infrastruktur. Alleine im Bereich Umwelttechnik stehen in den künftigen EU-Mitgliedsländern Investitionen um bis zu 115 Milliarden Euro an - eine enorme Chance für österreichische Unternehmen, die auf diesem Gebiet zu den Top-Anbietern weltweit gehören. Im Infrastruktursektor werden sich in den Erweiterungsländern ebenso enorme Chancen für Austrounternehmen bieten, wo in den kommenden Jahren im Bereich Verkehrsinfrastruktur Investitionen in der Höhe von 90 Milliarden Euro geplant sind.

Generell hat die klein- und mittelbetriebliche Struktur in Österreich sicherlich einige Vorteile, wie z.B. Flexibilität und Konzentration auf Marktnischen. Im internationalen Auftritt ist diese Struktur aber in vielen Fällen ein Nachteil, man denke nur an große Bauprojekte, wo meist ein Generalunternehmer gesucht wird. Leitl: "Daher setzen wir gerade in diesen Bereichen verstärkt auf Clusteraktivitäten, wo sich zielgruppenorientiert mehrere im Produktsortiment ergänzende Firmen zusammengeschlossen haben, um so Kosten zu sparen und gemeinsam stärker zu sein." Als Beispiel nannte Leitl die gerade von der Außenwirtschaftsorganisation (AWO) der WKO initiierte Plattform Triple A. Mit Triple A wurde eine Kooperationsplattform der drei österreichischen Autocluster (OÖ, Stmk, Wien - Sektor mit insgesamt rund 900 Firmen) geschaffen. Das Ziel ist, verstärkte internationale Auftritte zu schaffen. Dieses Anliegen wird auch von der vor kurzem gestarteten Internationalisierungsoffensive "go-international", von Bundesregierung und WKO, unterstützt, durch die weitere 50 Millionen Euro von der Bundesregierung für Exportfördermaßnahmen zu Verfügung gestellt wurden.
     
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