Optimierte Epilepsie-Therapie durch genetische Analyse  

erstellt am
16. 03. 04

Wien (pr&d) - Genetische Variationen zwischen Epilepsie-Patienten entscheiden über den Erfolg oder Misserfolg einer medikamentösen Behandlung. Dies ist das Ergebnis einer groß angelegten Studie am AKH-Wien. Die neuen Erkenntnisse bieten die Grundlage für eine auf die Bedürfnisse der einzelnen Patienten maßgeschneiderte Epilepsie-Therapie. Ende Mai wird die Studie auf dem größten europäischen Epilepsie-Kongress - der dieses Jahr in Wien stattfinden wird - der Fachwelt vorgestellt. Bis zu drei Prozent der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens an Epilepsie. Dank moderner Medikamente können zwei Drittel aller Betroffenen ein fast anfallfreies Leben führen - ein Drittel spricht weniger gut auf die Medikamente an. Eine Studie der Universitätsklinik für Neurologie am Allgemeinen Krankenhaus Wien mit über 630 Teilnehmern befasste sich nun mit diesen Patienten. Ziel der Studie war es, ein lang bekanntes Phänomen innerhalb dieser Patientengruppe zu klären: warum die Effektivität der Medikamente stark zwischen individuellen Patienten variiert. Die Ergebnisse der Studie von Prof. Fritz Zimprich und seinem Team erlauben in Zukunft eine wesentlich verbesserte Prognose über die Wirksamkeit einer medikamentösen Therapie. Hintergrund der Studie war die Tatsache, dass es auch im Hirn Proteine gibt, die für eine Art "chemische Entgiftung" sorgen. Diese Transportproteine sorgen dafür, dass potenziell schädliche Substanzen aus den Zellen abgeführt werden. Ein an sich sinnvoller Schutz-mechanismus eines gesunden Organismus, der aber die medikamentöse Behandlung kranker Gewebe erschweren kann. Oftmals entsorgen diese Proteine nämlich auch heilende Medikamente aus den Zellen.

Studienleiter Prof. Zimprich führt aus: "Dass es diese so genannten Multi Drug Resistance Proteine auch im Hirn gibt, wissen wir erst kurze Zeit. Unsere daran anknüpfende Überlegung war, dass die bekannten individuellen Unterschiede der Medikamentenwirksamkeit bei Epilepsie-Patienten vielleicht auch davon abhängen, wie viele dieser Proteine im Hirn eines jeden Patienten aktiv sind. Dieser Grad der Aktivität kann wiederum von kleinen Variationen in jenem Gen beeinflusst werden, das diese Proteine codiert."

Dieses Gen existiert in jeder Zelle zweifach, denn der menschliche Chromosomensatz liegt doppelt vor. Im Rahmen der Studie wurde nun die genetische Sequenz - symbolisiert durch die Buchstaben A,C,G,T - eines ganz bestimmten Teilabschnitts dieses Gen-Paares verglichen. Ist die Sequenz auf beiden Teilabschnitten CGC, sprechen fünf von sechs dieser Epilepsie-Patienten auf Medikamente sehr schlecht an.

"Nun ist uns aber bekannt, dass dieser spezielle Abschnitt keinen direkten Einfluss auf die Funktion des Transportproteins hat. Wir vermuten, dass dieser Abschnitt eine Art interner Regulator ist, der mitbestimmt, wie viel des Proteins hergestellt wird", führt Prof. Zimprich die Bedeutung der Ergebnisse weiter aus. Zukünftig können durch Analysen der relevanten Genabschnitte bei Epilepsie-Patienten gute Vorhersagen über die Wirksamkeit einer Medikamententherapie gemacht werden. Zusätzlich bilden die Erkenntnisse die Grundlage für eine zukünftige Kombinationstherapie, bei der die Transportproteine durch ergänzende Therapeutika ausgeschaltet und so die Effektivität der traditionellen Medikamente gesteigert werden kann.

Dass diese Studie kurz vor dem 6th European Congress on Epileptology zum Abschluss kam, macht Prof. Christoph Baumgartner, Leiter der Arbeitsgruppe klinische Epileptologie sowie Chairman des nationalen Organisationskomitees und Kollege von Prof. Zimprich, besonders stolz: "In Wien wird vom 30. Mai bis 3. Juni dieses Jahres der nur alle zwei Jahre stattfindende Europäische Kongress der International League against Epilepsy stattfinden. Und wir können nun diese wichtigen Ergebnisse der internationalen Fachwelt in Wien präsentieren."
     
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