Creative Industries erhöhen in Wien Beschäftigung um 6% pro Jahr  

erstellt am
16. 03. 04

Wien (wifo) - In Wien arbeiten 120.000 Frauen und Männer in den "Creative Industries", rund 14% aller Beschäftigten. Mit durchschnittlich +6% zwischen 1998 und 2002 übertrifft das Beschäftigungswachstum in diesem Sektor die Gesamtwirtschaft um 4 Prozentpunkte. Die Creative Industries sind in Wien vorwiegend kleinbetrieblich strukturiert, im Durchschnitt beschäftigen die 17.948 Unternehmen 6,7 Personen. Die "Creative Industries" umfassen Produktionsbereiche und Dienstleistungen, für die Kreativität eine besondere Rolle spielt – z. B. Werbung, Software, Design, aber auch Kunst, Literatur und Museen.

Dies sind die wirtschaftsstatistischen Hauptergebnisse der soeben erschienenen umfangreichen Studie "Untersuchung des ökonomischen Potentials der Creative Industries in Wien", die von den drei Forschungsinstituten Kulturdokumentation, Mediacult und WIFO im Auftrag der Stadt Wien, der Wirtschaftskammer Wien und des Filmfonds Wien erstellt wurde.

Die Stärken der Wiener Creative Industries liegen demnach im kreativen Herstellungsbereich (der "Content-Origination"), eine Schwäche in der internationalen Vermarktung. Zu deren Überwindung schlägt die Studie Maßnahmen zur Wachstumsentwicklung und zur Verbesserung der Exportchancen sowie eine begleitende Unterstützung durch eine intensivere Kooperation zwischen den öffentlichen Kultur- und Wirtschaftsförderungseinrichtungen vor: "Insgesamt gilt es, die positiven Strukturmerkmale weiter auszubauen und die negativen abzuschwächen. Dies heißt vor allem, ein konsistentes Förderinstrumentarium aufzubauen, das den Unternehmen den Zugang zu externen Finanzierungsquellen sichert, ihnen die Durchführung riskanter Projekte ermöglicht und damit die Voraussetzungen für Unternehmenswachstum schafft. Gleichzeitig sollte auch die Nachfrage nach CI-Produkten von Seiten der öffentlichen Hand intensiviert werden."

Im Rahmen dieser Studie, die eine Analyse des Markt-, Innovations- und Arbeitsplatzpotentials der Wiener Creative Industries umfasst, wurden 1.134 Unternehmen bzw. Einzelunternehmer über ihre wirtschaftliche Situation und Zukunftserwartungen, die Standortvor- und -nachteile Wiens, die Wirksamkeit der Förderpolitik u. a. befragt. 10 Sektoren der Wiener Creative Industries (Architektur, Audiovisueller Bereich, Bildende Kunst und Kunstmarkt, Darstellende Kunst und Unterhaltungskunst, Grafik/Mode/Design, Literatur/Verlagswesen und Printmedien, Multimedia/Software, Museen und Bibliotheken, Musikwirtschaft und Werbung) wurden ausführlich analysiert und dargestellt.

"Ein weiteres spezifisches CI-Merkmal ist die wirtschaftliche Interdependenz zwischen Teilen der Wiener Creative-Industries-Unternehmen und der öffentlichen Kunst- und Kulturfinanzierung. Die öffentlichen Kulturausgaben, die in den Betrieb von Kulturaufführungsstätten, Museen, Festivals und Kulturevents oder in das direkte Kunst- und Kulturschaffen fließen, stellen einen wesentlichen wirtschaftlichen Bestandteil im Rahmen des gesamten Marktvolumens (sei es im Zulieferungs- oder im nachgelagerten Verwertungsbereich) sowie der wirtschaftlichen Prosperität von CI-Unternehmen dar. Das öffentlich finanzierte Kunst- und Kulturgeschehen fungiert nicht unwesentlich als Auftraggeber bzw. Partner von Wiener CI-Unternehmen." (Zitat)

Die Befragung der CI-Unternehmen lieferte zudem folgende Ergebnisse:

  • Die Beschäftigten sind hochqualifiziert (jeder vierte Erwerbstätige verfügt über einen Hochschulabschluss, weitere 44% über Matura-Reife), das Qualifikationsniveau liegt weit über dem Durchschnitt in der Gesamtwirtschaft.
  • Die Hälfte der Unternehmen wurde erst in den letzten 10 Jahren gegründet.
  • Die Unternehmen weisen eine hohe Innovationsneigung auf.
  • Nachfrageentwicklung und Zukunftschancen werden sehr positiv eingeschätzt.
  • Digitale Güter sind in den Creative Industries bereits jetzt sehr wichtig (der Anteil des "e-Content" liegt mit 23% der Erlöse deutlich über dem der Gesamtwirtschaft).
  • Beeinträchtigt wird die Wirtschaftsentwicklung der Creative Industries durch folgende Probleme:
  • Die internationalen Aktivitäten sind gering – über alle Sektoren werden nur rund 17% des Umsatzes auf Auslandmärkten erzielt. Das Exportpotential des Sektors wird damit bei weitem nicht ausgeschöpft, nur 28% der Unternehmen wollen neue Auslandsmärkte erschließen.
  • Der Zugang zu Fördermitteln ist unterdurchschnittlich – nur rund 20% der Unternehmen haben bisher eine Wirtschaftsförderung erhalten.


Wegen eines erschwerten Zugangs zu externen Finanzierungsquellen haben die Unternehmen häufig Probleme, die laufende Geschäftstätigkeit zu finanzieren.

Download und Informationen zur Studie: http://www.creativeindustries.at

Quelle: WIFO, Autoren: Robert Harauer, Hannes Leo, Veronika Ratzenböck

     
zurück