Sudan/Tschad: Flüchtlinge essen Samen von den Bäumen  

erstellt am
17. 05. 04

Caritas bittet dringend um Hilfe für Flüchtlinge
Wien (caritas) - Die Situation der sudanesischen Flüchtlinge wird täglich dramatischer. Derzeit befinden sich rund 36.000 Flüchtlinge in den Caritaslagern Kounougo, Touloum und Farschana im Tschad, wobei jeden Tag unzählige Flüchtlinge dazukommen. Inoffiziellen Schätzungen nach haben sich schon 150.000 Menschen vor den Übergriffen in den Tschad gerettet. Die UNO spricht von der größten humanitären Katastrophe seit zehn Jahren.

Die Not der Flüchtlinge weitet sich aus
"Viele Flüchtlinge finden an den Orten wo sie Schutz gesucht haben zu wenig Trinkwasser. Die nächsten Wasserstellen sind oft viele Kilometer entfernt und bei 45 Grad Tagestemperatur für die Flüchtlinge zu Fuß unerreichbar", berichtet Christine Decker, eine Mitarbeiterin der Caritas, die vorgestern aus dem Krisengebiet zurückkehrt ist. "Auch in den Lagern können wir statt der notwendigen Menge von 15 Litern pro Person können nur 5 bis 7 Liter bereitstellen." Bei weitem reichen die Mittel nicht aus, um allen Flüchtlingen zu helfen. Angesichts der Masse der Hilfesuchenden fehlt es an Wasser, Nahrung und Medikamenten.

Die Flüchtlinge haben entlang der 500 km langen Grenze ihre Behausungen im Schutz von Dornenbüschen und Bäumen errichtet, die in der sengenden Mittagshitze kaum Schatten spenden. Als die Nahrungsvorräte zur Neige gingen, begannen sie die Samen-Hülsen der hier wild wachsenden Dornenbüsche zu ernten. "Normalerweise ernähren sich nur die Ziegen von diesen Samenkörnern", schildert Decker die fatale Lage. "Damit man aus den Samen einen zähen, aber essbaren Brei zubereiten kann, muss man die Körner vorher drei Tage in Wasser einweichen. Inzwischen sind im Umkreis eines Zweitagesmarsches von Bahay, wo 13.000 Flüchtlinge ihr Notlager aufgeschlagen haben, sämtliche Büsche abgeerntet."

Wettlauf mit der Zeit
"Die Hilfe ist ein Wettlauf mit der Zeit, denn die Regenzeit kündigt sich bereits an", so Decker. "Wenn der Regen kommt, gibt es für die Hilfs-LKWs auf den Sandpisten kein Vorankommen mehr." Nur ein geringer Teil aller Flüchtlinge konnte sich über die Grenze in den Tschad retten. Viele irren noch immer im Sudan oder in der Grenzregion umher. "Aus eigener Kraft werden sie es kaum mehr über die Grenze schaffen", befürchtet Decker.

Sabine Wartha, Leitern der Katastrophenhilfe der Caritas Österreich, wird vom 18.-26. Mai nach Malakal fliegen. Malakal, im Süden des Sudans, ist ebenfalls von Gewalt und Plünderungen betroffen. Wartha wird in der nur schwer zugänglichen Region die Lage erkunden und Hilfe organisieren.

Die Caritas bittet dringend um Spenden für die sudanesischen Flüchtlinge. Caritas-Spendenkonto: PSK 7.700.004 (BLZ 60.000) Kennwort: Sudan
     
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