Industriekonjunktur:
Aufschwung noch nicht nachhaltig
 

erstellt am
12. 05. 04

IV-Konjunkturumfrage: Industriekonjunktur weiterhin auf Schiene - nur bescheidener Anstieg des IV-Konjunkturbarometers - Zukunftsoptimismus der Unternehmen bröckelt
Wien (PdI) - "Die jüngste Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung aus dem 1. Quartal 2004, vermittelt ein differenziertes Bild, das noch auf keinen nachhaltigen Konjunkturauf- schwung schließen lässt und das sich in den gesamteuropäischen Rahmen einer zögerlichen und holprigen Wirtschaftserholung einfügt", fassen IV-Generalsekretär Dkfm. Lorenz Fritz und IV Bereichsleiter Industriepolitik und Ökonomie, Dr. Erhard Fürst, die Ergebnisse der aktuellen IV-Konjunkturumfrage zusammen.

Das dem bekannten deutschen IFO-Index nachgebildete Konjunkturbarometer der IV ist geringfügig von 23,1 auf 26,3 gestiegen. Seine beiden Komponenten, nämlich die Antworten auf die Frage nach der gegenwärtigen Geschäftslage und der in 6 Monaten, haben sich gegenläufig entwickelt. Die augenblickliche Geschäftslage wird sehr positiv beurteilt und ist für den Anstieg des Konjunkturbarometers verantwortlich: 43 % (beschäftigungsgewichtet) bezeichnen sie als gut, nur 9 % als schlecht, der Saldo aus der den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten (bei Vernachlässigung der neutralen) ist von zuletzt 17 % auf 33 % gestiegen.

Das Umfeld für die Konjunkturerholung in der Industrie ist schwierig: Während die Wirtschaften Südostasiens boomen, Japan wieder auf einen respektablen Wachstumspfad zurückgefunden hat und die US-Wirtschaft mit einigem Glück heuer um 5 % expandieren wird, verläuft die europäische Konjunkturentwicklung äußerst verhalten. Vor allem Deutschland findet zu keinem selbst tragenden Aufschwung, es wird heuer bestenfalls um 1 ½ % wachsen. Zusätzlich stellen die kräftigen Rohstoff- und Energiepreissteigerungen eine ernste Gefährdung der wirtschaftlichen Erholung dar: nicht nur, dass sie für sich bereits wachstumsdämpfend wirken, könnten diese Effekte noch durch restriktive geldpolitische Maßnahmen verstärkt werden. Umso wichtiger wird es sein, dem durch die Verschlechterung der Terms of trade verminderten Verteilungsspielraum Rechnung zu tragen.

Zukunftsoptimismus bröckelt
Auf etwas längere Sicht macht sich bei den österreichischen Industrieunternehmen wieder mehr Pessimismus breit. Nur 26 % der Antwortenden rechnen mit einer günstigen Geschäftslage in 6 Monaten, der entsprechende Saldo ist von 30 % auf 19 % gefallen. Auch die Ertragserwartungen haben sich verschlechtert: rechneten zur Jahreswende noch 27 % mit einer besseren Ertragssituation in 6 Monaten, sind es nun nur mehr 16 %.

Hier zeigen sich offensichtlich die zunehmenden Verunsicherungen, die von den massiven Energie- und Rohstoffpreissteigerungen und einer möglichen Zinswende ausgehen, aber auch die Labilität der politischen Lage in Nahost.

Die Auftragslage wird derzeit positiv gesehen. Nahezu die Hälfte der Respondenten beurteilt den gesamten Auftragsbestand als gut, 41 % den Bestand an Auslandsaufträgen. Dementsprechend haben sich auch die Produktionserwartungen für die nächsten 3 Monate gebessert. 34 % erwarten eine Produktionssteigerung nach nur 22 % zur Jahreswende 2003/04, der Saldo aus den Anteilen positiver und negativer Erwartungen ist von 12 auf 25 angestiegen. Die Beschäftigungsperspektiven sind weitgehend unverändert geblieben, nur 15 % planen eine Erhöhung des Beschäftigtenstandes.

Auf den ersten Blick überraschend sind die zunehmenden Erwartungen steigender Verkaufspreise. Rechnete zur Jahreswende noch jedes vierte Unternehmen (bechäftigungsgewichtet) mit fallenden Verkaufspreisen, sind es nun nur 9 %, der Saldo aus steigenden und fallenden Preiserwartungen hat sich von -15 % auf + 6 % gedreht. "Offensichtlich führen die steigenden Rohstoff- und Energiepreise und die Verteuerung von industriellen Grundstoffen zu einer generellen Preisbewegung nach oben, ohne dass dies notwendigerweise die Ertragssituation verbessert", analysiert IV-Chefökonom Erhard Fürst..

Der Branchenüberblick: Auftragsbestand positiv
Die Auswertung der Beurteilung des Auftragsbestands nach Branchen zeigt mit Ausnahme der Sägeindustrie für alle Bereiche einen Überhang des Anteils positiver Antworten über jenen negativer Beurteilung. Am ausgeprägtesten sind die positiven Saldi in den Branchen Metall, Nahrungs- und Genussmittel, Bau, Papier- und Pappeverarbeitung, Elektro sowie Eisen- und Metallwaren. Deutliche Verbesserungen um zumindest 30 Prozentpunkte ergaben sich in den Branchen Metall, Nahrungs- und Genussmittel, Elektro sowie Textil.

Neuerlicher Wertgewinn der Österreich-Aktie um rund 10 Prozent
Die Kursentwicklung der Österreich-Aktie basiert auf einer Befragung von 13 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft, die die konjunkturelle Entwicklung, wichtige Standortfaktoren und die politische Situation bewerten. Der Kurs stieg um gut 10 % von 61 auf 68 Euro.

Während die Konjunkturperspektiven im Vergleich zur letzten Befragung von 3 Monaten zurückhaltender eingeschätzt wurden, gab es ein deutliches Plus bei der Bewertung der Standortfaktoren dank der beschlossenen Steuerreform. 3 Panelisten beurteilen die Unternehmensbesteuerung als besser, 10 als deutlich besser. Per Saldo nennenswerte positive Bewertungen gab es darüber hinaus für die Bereiche F&E-Politik, Kapitalmarkt, Bildung und Arbeitsmarkt, während die Budgetpolitik negativ gesehen wird. Die politische Situation wird unter dem Strich unverändert eingeschätzt.

An der IV-Konjunkturumfrage haben sich 377 Unternehmen mit 204.000 Mitarbeitern beteiligt.
     
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