EU-Wahl: Swoboda in der ORF-Pressestunde  

erstellt am
24. 05. 04

 Swoboda: »Bei EU-Wahl sind Sachthemen entscheidend«
»Rote Karte für Bundesregierung«
Wien (sk) - "Es geht darum, den Kurs, den die EU genommen hat und den Kurs der Bundesregierung zu korrigieren", stellte SPÖ-EU-Spitzenkandidat Hannes Swoboda am Sonntag (23. 05.) in der ORF-"Pressestunde" klar. Im Mittelpunkt der EU-Wahlkampf- auseinandersetzung stehen für Swoboda und sein Team ganz klar Sachthemen: Der Kampf für ein soziales Europa, der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und die Kritik an der Politik der Bundesregierung. Die EU-Wahl sieht Swoboda als "Protestwahl" und zeigte Verständnis für die Skepsis in der Bevölkerung. Auch zur Spesenfrage fand Swoboda klare Worte: "Kein Euro ohne Beleg, kein Beleg ohne Kontrolle". Ansätze, gegen das Problem der Arbeitslosigkeit anzukämpfen, liegen für Swoboda vor allem bei einer Änderung des EU-Budgets. Der SPÖ-EU-Spitzenkandidat sprach sich außerdem für eine gemeinsame Wettbewerbsstrategie auf EU-Ebene aus und plädierte für eine Steuerharmonisierung mit "vernünftiger Bandbreite". Die Zeit für die Türkei in der EU sei nicht reif, so Swoboda.

"Gefehlt hat eine starke Stimme der Bundesregierung in Brüssel, sie hat nichts gemacht und uns im Stich gelassen", kritisierte Swoboda die Untätigkeit der Regierung in der Transitfrage (Swoboda verwies auf die Mängelliste beim Ausbau der Bahn, und die Tatsache, dass mit vier unterschiedlichen Verkehrsministern in kürzester Zeit nicht viel durchzusetzen gewesen sei), der Beschäftigungsfrage und in der Frage der Liberalisierung des Wassers. In all diesen Fragen sei die Sozialdemokratie in Brüssel vorne gelegen, erinnerte Swoboda.

Heftige Kritik übte Swoboda an der Untätigkeit der Bundesregierung die Arbeitslosigkeit betreffend: "Der Trend ist die Katastrophe". Seit 2000 gibt es über 40 Prozent mehr Jugendarbeitslosigkeit, das seien mehr Menschen, als das Praterstadion fassen kann, und die Arbeitslosigkeit steigt. Das EU-Budget sei viel zu wenig auf beschäftigungsfördernde Maßnahmen angelegt, unterstrich Swoboda und plädierte für eine Umstrukturierung, die mehr Mittel für Infrastruktur, Forschung und Ausbildung bereitstelle. Außerdem forderte der SPÖ-EU-Spitzenkandidat einen eigenen EU-Kommissar für den Bereich Beschäftigung. "Wir brauchen nicht mehr Schulden, sondern mehr Stabilität und Wachstum", zeigte sich Swoboda überzeugt.

Zum Thema Steuerpolitik fand Swoboda klare Worte: "Ich bin dagegen, dass wir uns gegenseitig niederkonkurrieren, was wir brauchen, ist eine gemeinsame Wettbewerbsstrategie auf europäischer Ebene", schließlich gehe es darum, gemeinsam in der Welt europäische Produkte zu verkaufen. Es müsse daher eine Bandbreite von Steuersetzen geben, unter die man nicht gehen dürfe: "Wir wollen eine Steuerharmonisierung, die eine vernünftige Bandbreite hat, wir brauchen mehr Arbeitsplätze und keine Verlagerung". Auch beim Thema Steuerpolitik habe sich die Bundesregierung nicht "gerührt": "Darum die rote Karte für die Regierung, weil sie in der EU nicht agiert", betonte Swoboda.

"Wir haben immer gesagt: die derzeitige Spesenregelung im Europäischen Parlament ist völlig inakzeptabel", betonte Swoboda. Der von der Sozialdemokratie geschlossene "Pakt für Transparenz und Sauberkeit" fordert "kein Euro ohne Beleg, kein Beleg ohne Kontrolle", so Swoboda. Das Problem der derzeitigen Regelung seien die Pauschalvergütungen: "Das System ist falsch und muss geändert werden". Im Zusammenhang mit der Spesendebatte betonte Swoboda, dass es mit Hans-Peter Martin keine" persönlichen Auseinandersetzungen" gebe, sondern "unterschiedliche Methoden in der Arbeit" bestünden. Bei dem einzigen, nicht haltbaren Vorwurf von Seiten Martins seien bereits rechtliche Schritte eingeleitet worden, ansonsten gebe es keinen einzigen konkreten Vorwurf betreffend Spesenmissbrauch durch sozialdemokratische Abgeordnete.

Die Zeit, dass die Türkei Mitglied der EU wird, sieht Swoboda heute als "nicht reif". "Wir haben große Probleme, ein gemeinsames soziales Europa zu schaffen und sind noch beim Hausbau", so Swoboda. Für die Türkei, die viele Reformen beschlossen habe, gehe es jetzt darum, diese auch umzusetzen. Für ihn, Swoboda, sei jedoch klar, dass die Türkei weiterhin Beitrittskandidat bleibt und dass die EU die Partnerschaft der Türkei brauche. Auch in der Türkei-Frage gebe es keine eindeutige Haltung der Bundesregierung, kritisierte Swoboda. Vorrangig sei jetzt, die EU zu festigen und ein "Haus" aus der EU für ihre Bewohner zu machen, unterstrich Swoboda.

Swoboda betonte, dass die ÖVP im EU-Parlament häufig für eine Liberalisierung des Wassers gestimmt habe, und er verwies auf ein ÖVP-Papier, aus dem klar die Absicht der VP hervorgehe, den Wassermarkt liberalisieren zu wollen. (Siehe auch heutige OTS-Aussendung 0030.) "Wenn Kanzler Schüssel meint, dass er es beim Wasser so halten will, wie die Scheichs beim Öl, dann ist das eine gefährliche Drohung, denn Scheichs kümmern sich nicht um die Versorgung mit Öl im eigenen Land", so Swoboda. Während die Regierung für eine volle Liberalisierung des Wassermarktes ohne Einschränkung sei, sei die SPÖ strikt dagegen. Swoboda sieht darin auch ein Symbol dafür, wie man Leistungen der Allgemeinheit an Konzerne übergeben will. "Wasser hat für uns höchste Priorität, Schüssel und die Regierung sind hier aber leider anderer Meinung."

Zum Thema Genmais hielt Swoboda fest, dass die Regierung die Aufgabe habe, streng die Einhaltung der Kennzeichnungspflicht zu kontrollieren. Außerdem müsse sich der Landwirtschaftsminister aktiv dafür einsetzen, dass in Österreich eine gentechnikfreie Zone möglich ist.

Der SPÖ-EU-Spitzenkandidat sprach sich auch klar dafür aus, kein Geld für AKW zur Verfügung zu stellen. "Ich bin dagegen, Atomstrom zu subventionieren, dies ist zudem auch ein Verstoß gegen den Wettbewerb", so Swoboda, der die ÖVP dafür kritisierte, dass sie für zusätzliche Kredite für Euratom gestimmt hat.

Pessimistisch zeigte sich der SPÖ-EU-Delegationsleiter dahingehend, dass es nach dem Irak-Krieg in absehbarer Zeit zu einer gemeinsamen europäischen Sicherheits- und Außenpolitik kommen wird. "Mit dem Irak-Krieg wurde die Idee einer Friedensunion auf die lange Bank geschoben, die einzige Alternative für uns kann nun nur die Neutralität sein", so Swoboda, der forderte, dass die USA und die EU-Länder aus dem Irak abziehen und die Vereinten Nationen einziehen sollten.

In Zusammenhang mit einer neuen EU-Verfassung sprach sich Swoboda für eine Befragung des Volkes nach dem Schweizer Modell aus. Ziel sei eine europäische Verfassung, die Europa in den wesentlichen Fragen stärkt, sich aber nicht in nationale Anliegen einmischt. Der SPÖ-EU-Spitzenkandidat forderte außerdem einen EU-Kommissar pro Land – "dies ist auch ein wichtiges Symbol für die Bevölkerung". Eine gleichberechtigte Rotation von EU-Kommissaren ist für Swoboda höchstens in ferner Zukunft vorstellbar, im Moment sollte es aber einen Kommissar pro Land geben. Swoboda erneuerte außerdem seine Forderung nach einem eigenen EU-Kommissar für die Roma und Sinti in der EU.

 

 Stenzel: Große Unsicherheit und Unwahrheiten dominierten
Europawahl kann keine innenpolitische Schattenwahl sein
Wien (övp-pk) - Als "ein Zeichen großer Unsicherheit in den wirklich relevanten Europafragen" bezeichnete die ÖVP-Spitzenkandidatin zur Wahl zum Europäischen Parlament, Ursula Stenzel am Sonntag (23. 05.) den Versuch des SPÖ-Kandidaten Hannes Swoboda in der ORF-Pressestunde, die bevorstehende Europawahl zu einer innenpolitischen Schattenwahl umfunktionieren zu wollen. "Viele Fragen blieben offen. Es wurde mit falschen Zahlen operiert, Angstmacherparolen proklamiert und in Fragen wie dem Thema Türkei große Unschärfe und ein Zick-Zack-Kurs der SPÖ bestätigt. Die ÖVP habe hingegen immer klar gemacht, dass sie die Türkei nicht als Vollmitglied sehe, sehr wohl aber beste Beziehungen gepflegt werden sollen", so Stenzel.

Der offenkundig gewordene sorglose Umgang mit der Wahrheit in der Frage des Wassers und der Jugendarbeitslosigkeit beweise, "dass die SPÖ bei den Europathemen wenig Substanz aufweisen kann". Stenzel forderte auf, zurück zur Wahrheit zu gelangen und sich mit den relevanten Europathemen auseinander zu setzen. "Etwa wären Antworten auf die Frage interessant, warum die SPÖ immer gegen die Interessen Österreichs gestimmt habe, wenn sie gegen schärfere Asylbestimmungen, gegen eine schärfere Bekämpfung der illegalen Migration und für eine Lockerung der Drogenfreigabe gestimmt habe.

Atomstrom hat keine Zukunft
In weiteren wesentlichen Sicherheits- und umweltpolitischen Fragen - etwa Atompolitik und Gentechnik - gebe es eine einzige Prämisse, der sie, Stenzel, sich unmissverständlich und uneingeschränkt verschrieben habe. "Alle Sicherheitsstandards sind bis auf Punkt und Beistrich einzuhalten und der Schutz der österreichischen Bevölkerung hat absoluten Vorrang. Dort, wo gesagt wurde, dass AKWs abgewrackt werden, muss auch abgewrackt werden", so Stenzel. Am grundsätzlichen Ziel, dass langfristig auf Atomstrom verzichtet werden müsse, habe sich nichts geändert. Hinsichtlich der Entscheidungen im Bereich genmanipulierten Saatgutes gelte es ebenso, "auf Punkt und Beistrich die Interessen der Konsumenten 100prozentig wahrzunehmen", schloss Stenzel.

 

 Trammer: Einzige »Vision« Swobodas ist Brüsseler Steuerdiktat
SPÖ fällt zu Europapolitik nichts ein
Wien (fpd) - "Zu den wesentlichen Themen der Europapolitik fällt der SPÖ nichts ein, deshalb führt sie jetzt den Wahlkampf mit Polemik gegen die Bundesregierung", meinte die freiheitliche EU-Kandidatin Heike Trammer zur Pressestunde mit dem SPÖ-EU-Spitzenkandidaten Hannes Swoboda am Sonntag (23. 05.).

Am 13. Juni gehe es nicht um eine wie auch immer geartete "Denkzettelwahl", sondern um wesentliche Zukunftsthemen, betonte Trammer. "Aber hier hat Swoboda nichts wesentliches zu sagen gehabt." Seine einzige "Vision" sei ein "Brüsseler Steuerdiktat". Und daß die SPÖ jetzt mit dem Slogan "Österreich muß in Europa wieder gehört werden" auf Stimmenfang gehe, berge eine gewisse Pikanterie in sich: "Denn das einzige Mal, wo die SPÖ in Europa ihre Stimme erhoben hat, war zur Zeit der Sanktionen."

Es gebe nur eine Partei, die tatsächlich Österreichs Interessen in der EU vertrete, und das sei die FPÖ, sagte Trammer. Die Pressestunde mit Swoboda habe das deutlich bestätigt.

 

 Swoboda hat Vergemeinschaftung der Sozialpolitik nicht unterstützt
Voggenhuber: Sein jetziger Ruf nach sozialem Europa ist Täuschung der WählerInnen
Wien (grüne) - Es sei löblich, dass Hannes Swoboda, der Spitzenkandidat der SPÖ zur EU-Wahl, jetzt das Thema soziales Europa in der ORF-Pressestunde anspricht und dass die SPÖ die Forderung nach einer gemeinsamen Sozialpolitik plakatiert. "Swoboda muss allerdings die Frage beantworten, warum er die Forderung der Grünen nach einer vergemeinschafteten Sozialpolitik in Europa nicht unterstützt hat. Das ist der Sündenfall der Sozialdemokratie im Verfassungsprozess, mit dem sie ein wirklich soziales Europa mitblockiert haben. Jetzt, nachträglich, nach einem gemeinsamen sozialen Europa zu rufen, ist einen Täuschung der Wählerinnen und Wähler", so Johannes Voggenhuber, Spitzenkandidat der Grünen.

Es sei die größte Herausforderung der nächsten fünf Jahre, ein soziales Europa als Antwort auf die Gefahren der Globalisierung zu schaffen. Die alles entscheidende Frage sei, wie die gravierende Ungleichheit zwischen wirtschaftlicher und politischer Integration überwunden werde. "Swoboda hat das wohl erkannt, seine Kritik an der Regierung und an der Neoliberalisierung sind richtig, doch seine Antworten sind erstaunlich konzeptlos", so Voggenhuber.

Während der Binnenmarkt, der Stabilitätspakt, die Geldpolitik und die Wettbewerbspolitik mit Gesetzen, quantifizierbaren Zielen und Sanktionen in der EU durchgesetzt werden, haben sich die Sozialdemokraten bei der Sozial- und Beschäftigungspolitik mit bloßen Absprachen, vagen Zielen und einer unverbindlichen Kooperation der Regierungen begnügt. "Ein solche lose Regierungszusammenarbeit ist zu wenig. Notwendig ist eine vergemeinschaftete europäische Sozialpolitik. Nur so kann es Waffengleichheit zwischen Sozialpolitik und Binnenmarktpolitik geben", so Voggenhuber.

Die Grünen verstehen unter einer Vergemeinschaftung der Sozialpolitik gemeinsame soziale Mindeststandards, eine Änderung des Stabilitätspaktes und der Ziele der Geldpolitik mit dem Ziel der Aufnahme verbindlicher Beschäftigungsziele, die Harmonierung der Unternehmenssteuern, eine Wertschöpfungsabgabe und Tobin tax sowie einen Europäischen Mindestlohn (ein bestimmter Prozentsatz des nationalen Durchschnittseinkommens).
        
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