Moose als Indikatoren für menschliches Wohlbefinden  

erstellt am
06. 07. 04

Pflanzen dienen als Messinstrumente für Umweltparameter
Bonn (pte) - Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) legt Richtlinien für Messverfahren fest, überraschenderweise auch Richtlinien zu Flechten und Moosen. Kürzlich hat der VDI in einer neuen Bestimmung vorgeschrieben, auf welche Weise das Vorkommen baumbesiedelnder Moose zu erfassen ist. Diese Epiphyten dienen neben Flechten als hervorragende Indikatoren für das Ausmaß der Luftverschmutzung. Die Grundlagen zur neuen Moos-Richtlinie stammen von Wissenschaftlern der Universität Bonn.

Schon in den 60er und 70er Jahren zogen Wissenschaftler baumbesiedelnde Flechten für die Erfassung der Luftqualität heran. Deren Artenzahl und Häufigkeit am Baumstamm lässt Rückschlüsse auf den Schwefeldioxidgehalt der Luft zu. Für die Vergleichbarkeit der Ergebnisse werden derartige biologische Messverfahren von der VDI-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) standardisiert, was einen direkten Vergleich der Luftverhältnisse in verschiedenen Städten erlaubt.

Der Bonner Biologe Jan-Peter Frahm vom Nees Institut für Biodiversität der Pflanzen ist schon seit den 90er Jahren mit der Kartierung von Pflanzen und Moosen betraut. Zu der neuen Moosrichtlinie erklärt er: "Damit werden diese Pflanzen praktisch als Messinstrumente für Umweltparameter anerkannt." Nachdem eine Reduktion des Schwefeldioxidausstoßes auf ein Fünftel der früheren Werte erfolgt ist, hat die Erfassung von epiphytischen Moosen heute andere Schwerpunkte. Diese liegen bei der Verkehrsbelastung, dem Ammoniakeinfluss aus der Landwirtschaft, dem Grad der Bodenversiegelung, den Temperatur- und Luftfeuchteverhältnissen, kurz der Wohn- und Lebensqualität. Frahm: "Wo es den Moosen gut geht, geht es auch dem Menschen gut."
     
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