Bartenstein: Pflegeberuf- ein Job mit Verantwortung und Zukunft  

erstellt am
18. 11. 04

Wien (bmwa) - ''Pflegepersonal wird dringend gebraucht. Die Ursache dafür liegt in der höheren Lebenserwartung, bei den neuen Zivilisations- und Berufskrankheiten sowie bei den veränderten Familienstrukturen", erklärte Wirtschafts- und Arbeitsminister Dr. Martin Bartenstein am Mittwoch (17. 11.) im Rahmen der Enquete "Pflegeberufe. Der Job des Lebens" im Messe Wien Congress Center. In Österreich gibt es ca. 560.000 pflegebedürftige Personen. Diese Zahl wird sich laut Prognosen bis zum Jahr 2030 um rund 45% auf mehr als 800.000 erhöhen. Derzeit werden 80% innerhalb der Familie versorgt. In 20 bis 30 Jahren werde dies aber nicht mehr leistbar sein. „Die Zahl der Beschäftigten im Pflegebereich hat sich in den letzten fünf Jahren um mehr als 27.000 auf derzeit 65.000 Personen erhöht. Prognosen gehen davon aus, dass auch in den nächsten zehn Jahren bis zu 30.000 zusätzliche Beschäftigte gebraucht werden", so der Minister.

"Pflegeberufe. Der Job des Lebens"
"Das Image des Pflegeberufes ist zwar sozial anerkannt, für junge Berufseinsteiger aber nicht ausreichend attraktiv", so Bartenstein. 82% der Österreicher halten Pflegepersonal für eine wichtige Berufsgruppe, 72% halten eine verstärkte Forcierung von Pflegeberufen für eine wichtige politische Aufgabe. Aber nur 8% der unter 30jährigen (10% der Gesamtbevölkerung) sind an einem Pflegeberuf interessiert.

Bartenstein: "Die Förderung und Imageverbesserung von Pflegeberufen ist eine vorrangige gesellschaftspolitische Herausforderung der nächsten Jahre. Wie wir mit hilfsbedürftigen und/oder alten Menschen umgehen, ist ein wichtiger Indikator für die soziale Verantwortung und die Solidarität einer Gesellschaft. Als Arbeitsminister habe ich hier eine besondere Verantwortung und Chance: In einer arbeitsmarktpolitisch schwierigen Zeit Jobs mit Zukunft und Sinn zu forcieren."

Eine Image- und Informationskampagne für Pflegeberufe, die vom BMWA, dem Gesundheitsministerium und Hilfsorganisationen im Juni gestartet wurde, soll diese Berufung für junge Menschen aber auch für Menschen ohne Beschäftigung und Wiedereinsteiger einfacher zum Beruf werden lassen, so der Minister.

"Es muss die Botschaft vermittelt werden, dass Pflegeberufe lebensfrohe, lebensbejahende und selbstverständliche Berufe in einer modernen Gesellschaft sind", sagte Bartenstein weiter. „Mitgefühl, Beschützen und Helfen sind für viele Menschen selbstverständlich. Wenn dies mit Professionalität und Qualifikation gepaart ist - warum nicht einen Beruf daraus machen, einen Job des Lebens?!"

Arbeitsmarktpolische Schwerpunktprogramme seit 2002
Die Hilfsorganisationen brauchen qualifiziertes Personal. Bartenstein bekräftigte seine Absicht, im Rahmen der Arbeitsmarktpolitik Berufe mit Zukunft zu forcieren. Er verwies dabei die Initiative des Arbeitsmarktservice (AMS) zur Höherqualifizierung von Personen im Pflege- und Betreuungsbereich, auf die Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitslose und Wiedereinsteiger in Pflegeberufe, die Erleichterung für die Zulassung ausländischer Fachkräfte sowie auf eine 15a-Vereinbarung zur Vereinheitlichung der Anerkennung der Ausbildung in Sozialbetreuungsberufe.

Seit dem Jahr 2002 bis Ende Oktober 2004 sind ca. 4.600 Arbeitslose (davon ca. 3.800 oder rund 83 % Frauen) in entsprechenden AMS-Kursen gefördert worden. Ein Fördermodell, das im Gesundheits- und Pflegebereich erfolgreich erprobt wurde und in Zukunft weiter ausgebaut werden soll, ist die Implacement­stiftung. Dies ist im Wesentlichen eine zielgerichtete und bedarfsorientierte Quali­fizierung von Arbeitslosen für einen konkreten Arbeitskräftebedarf, wobei die personal­aufnehmenden Unternehmen/Einrichtungen frühzeitig in die Maß­nahmenplanung und –durchführung einbezogen werden. Mittlerweile wurden bereits in allen neun Bundesländern Implacementstiftungen im Gesundheits- und Pflege­bereich eingerichtet.

Zusätzlich dazu wurde ein spezielles Förderprogramm zur berufs­begleiten­den Höherqualifizierung entwickelt, das seit dem Jahr 2003 eingesetzt wird. Dabei wird die Möglichkeit einer Schulung innerhalb eines aufrechten Dienstverhältnisses geboten. Im Rahmen dieses Programms wurden bisher ca. 600 Personen (Frauenanteil: 98,5%) höher qualifiziert. 2003 und 2004 sind dafür rund 14,4 Mio. € veranschlagt.

Förderungsmaßnahmen sind erfolgreich
" Die arbeitsmarktpolitische Wirksamkeit von AMS-Programmen im Pflege- und Gesundheitsbereich ist sehr hoch, wie auch der Rechnungshof bestätigt hat", freut sich Bartenstein. In relativ kurzer Zeit hatten sich auch laut Rechnungshof die Kurskosten amortisiert

Qualifizierte Pflegekräfte aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten
Im September dieses Jahres wurde eine Regelung geschaffen, die die Zulassung von qualifizierten Pflegekräften aus den neuen EU-Mitglied­staaten vereinfacht. Demnach können für diesen Personenkreis Beschäftigungs­bewilligungen erteilt werden, wenn die offene Stelle nicht durch vorgemerkte Arbeitslose besetzt werden kann und die Pflegekraft eine Entlohnung von mindestens € 1.380,-- brutto/Monat erhält. Damit wird sowohl der Forderung, die Zulassung von Pflegekräften zu erleichtern, als auch der Verpflichtung aus dem Beitrittsvertrag, neue EU-Bürger gegenüber Drittstaats­angehörigen beim Arbeitsmarktzugang zu bevorzugen, Rechnung getragen, so der Minister.

Der Bedarf an weniger qualifiziertem Pflegepersonal soll vorerst nicht durch eine erleichterte Neuzulassung ausländischer Pflegekräfte, sondern primär aus dem ausreichend vorhandenen Arbeitskräftepotenzial - unterstützt durch die oben angeführten AMS-Qualifizierungen - abgedeckt werden, betonte Bartenstein
     
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