"Gottesdienst keine Spielwiese für private theologische Versuche"  

erstellt am
24. 11. 04

Frühere Mitglieder der Kirchenleitung verabschieden "Thesen zum Gottesdienst"
Wien (epd Ö) - Frühere Mitglieder der Kirchenleitung haben "Thesen zum Gottesdienst in der Evangelischen Kirche in Österreich" veröffentlicht. "Die Einheitlichkeit der Ordnung des Gottesdienstes, der Liturgie, ist eine Aufgabe der Gesamtkirche und daher keine Spielwiese für private theologische Versuche oder das Bemühen um Modernität", heißt es in dem Thesenpapier, das bei dem Treffen von Emeriti der Kirchenleitung am 14. und 15. November in Wien erstellt wurde. Auf Einladung von Bischof Mag. Herwig Sturm treffen einander einmal jährlich emeritierte kirchenleitende Persönlichkeiten, darunter frühere Mitglieder des Oberkirchenrates und Superintendenten.

Kritisiert werden in dem Papier "nichtssagende Gottesdienste", der Mangel eines theologischen Fundaments, das "Missverständnis der Liturgie als einer gefälligen Moderation" oder eine "ungeistliche Atmosphäre" mancher Kirchenräume.

Der Gottesdienst lebe gemäß der reformatorischen Erkenntnis Martin Luthers "allein aus der liebvollen Zuwendung Gottes zu uns Menschen in Jesus Christus". Der Gottesdienst als "Visitenkare der Gemeinde Christi in der Welt" brauche Leitung, hält das Thesenpapier fest. Diese gründe sich auf Sachkenntnis, auf persönliche Betroffenheit" und auf die Liebe zu Gott und den Menschen". Wie eine Gemeinde zum Gottesdienst einlädt, den Raum gestaltet, die Besucher empfängt, den Gottesdienst feiert und vor allem mit neuen und fremden Besuchern umgeht, "das predigt oft stärker als die Worte selbst; das ist die Körpersprache des Leibes Christi".

Die reformatorische Grunderkenntnis vom Priestertum aller Gläubigen aufgrund der Taufe begründe die grundsätzliche Gleichwertigkeit aller Ämter und Dienste in der Gemeinde und die grundsätzliche Offenheit des Gottesdienstes für eine Beteiligung der Gemeindeglieder. Das dürfe aber nicht verwechselt werden mit einer Beliebigkeit des Tuns, warnen die früheren Mitglieder der Kirchenleitung.
     
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