Dobrek: Am Anfang war da ein Bierzelt in Paris  

erstellt am
06. 12. 04

Krzyzstof Dobrek besucht Brasilien und spricht über mögliche Chart-Erfolge
Wien (pte) - Das Aushängeschild der österreichischen World-Music-Szene, Krzyzstof Dobrek, hat sein eigenes Label Dobrecords gegründet und Anfang Dezember eine neue CD (Dobrek Brasil - Luz e Sombras) veröffentlicht. pressetext sprach mit dem Zieh-Harmonika-Virtuosen und Dobrek-Bistro-Veteranen über seine Zeit als Straßenmusiker, mögliche Charterfolge auf Ö3 und über sein Verständnis von "Brasil-Sound". Angefangen habe alles eigentlich in einem bayrischen Bierzelt in Frankreich mit einer österreichischen Partie. Zumindest habe er dort die Personen getroffen, die für den weiteren Weg entscheidend waren. Mit Studenten und Pensionisten habe er damals in Paris zusammengespielt. "Weil da ja sonst niemand gespielt hat, um Geld zu verdienen," so Dobrek.

1986 kam Dobrek nach Wien und begann als Straßenmusiker. In dieser Zeit lernte er die österreichische Mentalität in Bezug auf ihren Musikgeschmack kennen. Die Österreicher würden sich mit neuen Dingen und Melodien schwer tun, wie eigentlich alle anderen Europäer auch. Wichtige wurde für ihn diese Erkenntnis, wenn es dann ums Geldverdienen ging. "Es hat mich immer interessiert, was ich wo verdienen kann und du verdienst erst dann, wenn die Leute sofort erkennen, was Du spielst. Anstrengen wollen sich die Zuhörer nicht: Mitsingen und Mitschunkeln ist gefragt. Mit zwei Liedern im Repertoire kannst du auf der Straße Bestverdiener sein, aber das musst du erst mal psychisch aushalten", meint Dobrek.

Es dauerte einige Zeit bis er 1996 zu den Steirern von Landstreich stieß. Diese interpretieren in der Anfangsphase alte Volkslieder und versahen diese mit neuen Texten bis dann auch selbst Lieder komponiert wurden. Journalisten wussten zuerst nicht, wo sie das Landstreich-Konzept einordnen sollen. Jahrelang haben sie laut Dobrek das als "neue Volksmusik" bezeichnet. Sie selbst nannten es "Musik und Kabarett", weil es zwei von einander unabhängige Ebenen waren. Ein solches Grenzprodukt ohne spezifische Etikette zu vermarkten fiel dann auch dementsprechend schwer. Nach zehn Jahren habe dieses "Produkt" dann doch Anerkennung bekommen.

Angst vor zu viel Anerkennung hat der Musiker jedoch nicht. Auch nicht, irgendwann einmal als "Pop" zu gelten und in den Ö3-Charts präsent zu sein. Er mache seine Musik, ohne dem Ziel, in den Charts zu landen. Außerdem sei instrumentale Musik nicht "Pop-kompatibel", weil Chart-Musik doch immer gesungen werde.

Die neue CD ist laut Dobrek die Krönung der Bemühungen aus den vergangenen Jahren, wo er mit brasilianischer Musik gearbeitet habe. Das Endprodukt sei vielleicht brasilianische Musik für Europäer. "Das ist meine Musik. Das mache ich für mich. Wenn ich eine Melodie schreibe, dann ist es meine Melodie. Dadurch, dass Brasilianer mitspielen, bekommt sie diesen Touch", meint Dobrek zu seinem Brasil-Sound. Die CD erscheint auch auf dem eigenen Label, weil Unabhängigkeit nach wie vor sehr wichtig sei.

Wenn das Publikum in Österreich irgendwann einmal ausbleibe, dann würde er auch wieder auf Hochzeiten und Geburtstagen spielen, wie er es in seiner Jugend in Polen gemacht hat. "Ich mache das, was ich machen will. Ich habe nie etwas anderes gemacht. Wenn es sein muss, dann gehe ich mit meiner Musik auch wieder auf die Straße". Oder Dobrek spielt in irgendeinem Wohnzimmer für fünfzehn Leute. Voraussetzung: Alle Anwesenden müssen da auch wirklich zuhören. Das sei für ihn Voraussetzung.

Die neue CD wird vom 14.12. bis 18.12.2004 im Wiener Birdland http://www.birdland.at präsentiert. Den Vertrieb hat Edel http://www.edel.at übernommen. Eine direkte Bestellung ist auch auf der Label-Website http://www.dobrecords.com möglich.
     
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