Konjunkturaufschwung im Eurogebiet im dritten Quartal 2004 verlangsamt  

erstellt am
21. 12. 04

Brüssel (eu-int) - Nach dem heute vorgestellten Quartalsbericht der Kommission über das Eurogebiet ist das BIP-Wachstum im dritten Quartal etwas niedriger ausgefallen als erwartet. Doch auch wenn die jüngsten Daten darauf hindeuten, dass die kurzfristigen Wachstumsaussichten nach wie vor mit Risiken behaftet sind, muss dies doch relativiert werden. Die Verlangsamung folgt auf eine unerwartet günstige Wirtschaftsentwicklung in der ersten Jahreshälfte. Außerdem hat sich die Entwicklung nicht im gesamten Eurogebiet verlangsamt, sondern in einigen Ländern sogar beschleunigt. Schließlich gehen die Wachstumsveränderungen im dritten Quartal vor allem auf große Schwankungen bei den volatilsten Nachfragekomponenten zurück und sollten daher zurückhaltend interpretiert werden.

In der Einleitung zu dem Bericht äußert sich EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquín Almunia dazu wie folgt: „Auch wenn die nachlassende Wachstumsdynamik in der zweiten Jahreshälfte darauf hindeutet, dass nach wie vor Abwärtsrisiken bestehen, hat das in der Herbstprognose der Kommission zugrunde gelegte Basisszenario mit einem Eurogebiet-Wachstum von rund 2 % in diesem und im nächsten Jahr doch nach wir vor Bestand.”

Nach dem heute vorgestellten Quartalsbericht der Kommission über das Eurogebiet lag das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal (Q3) 2004 geringfügig unter den Erwartungen. Das BIP-Wachstum gegenüber dem Vorquartal betrug im dritten Quartal 0,3 %, während die Wirtschaft des Eurogebiets im zweiten Quartal noch eine Wachstumsrate von 0,5 % erzielt hatte.

Frühindikatoren deuten darauf hin, dass das Wachstum im letzten Quartal 2004 aufgrund des schwachen Unternehmervertrauens eher verhalten ausfallen wird. Dem stehen allerdings positive Nachrichten auf der Investitionsseite und die Tatsache gegenüber, dass sich einige Indikatoren besser entwickelt haben als noch im September bzw. Oktober erwartet (die Einzelhandelsumsätze und Auftragseingänge im Eurogebiet sowie die Industrieproduktion in Deutschland und Frankreich).

Im Hinblick auf die jüngsten Wechselkursentwicklungen stellt der Bericht fest, dass die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar im Wesentlichen auf die Dollarschwäche zurückzuführen ist, während die Kursentwicklung gegenüber anderen Währungen weit weniger ausgeprägt verlief. Der reale effektive Wechselkurs, der sowohl die Wechselkurs- als auch die Kostenentwicklung berücksichtigt und somit einen wichtigen Maßstab für die Wettbewerbsfähigkeit darstellt, liegt nur leicht über dem Durchschnitt des Zeitraums 1995-2004. Der Euro ist also stark, hat aber noch keine Höhen erreicht, die erheblich von den Fundamentaldaten abweichen würden.

Die Aufwertung des Euro hatte außerdem den Vorteil, dass die Auswirkung der steigenden (auf Dollar lautenden) Ölpreise gedämpft wurde.

In einem Sonderabschnitt über die jüngste Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen (DI) stellt der Bericht fest, dass die WWU dazu beigetragen hat, die DI-Flüsse zwischen den Mitgliedstaaten des Eurogebiets zu erhöhen, während die Investitionen außerhalb des Eurogebiets offenbar nicht zu Lasten der inländischen Investitionen gegangen sind. Ausländische DI im Eurogebiet können zu mehr Investitionen, größerer Effizienz und technologischem Spillover führen, während DI, die aus dem Eurogebiet in Drittländer fließen, den Unternehmen Zugang zu ausländischen Märkten verschaffen und den Konsumenten billigere Produkte bescheren. Allerdings muss der Wettbewerb auf den Produktmärkten stark genug sein, um sicherzustellen, dass die Kosteneinsparungen der in Drittländern investierenden Unternehmen auch an die Verbraucher weitergereicht werden und freigesetzte Arbeitskräfte durch entsprechende arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden.
     
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