Neuer Industrie-Obmann fordert Standortinitiative ein: "Nicht auf Erfüllung der Lissabon-Ziele
warten!"
Wien (pwk) - Als "Gebot der Stunde" bezeichnete heute der Obmann der Bundessparte Industrie, Wolfgang
Welser, im Klub der Wirtschaftspublizisten eine rasche Flexibilisierung der Arbeitszeit. Es müsse im eigenen
Interesse der Arbeitnehmerseite liegen, dass die Industrie ihre Arbeitskosten in den Griff bekomme. "Durch
einen effizienten Einsatz der verfügbaren Normalarbeitszeit und eine Kostenreduktion durch die Minimierung
erforderlicher Überstunden hätten wir das richtige Werkzeug in der Hand, um zu einer gesamten Wettbewerbsverbesserung
und damit zu einer Stabilisierung der Beschäftigungslage zu kommen", betonte Welser.
Der neue Industrie-Obmann in der WKÖ unterstrich damit, dass ein entsprechendes Gesetz nur einen Höchstrahmen
für eine tägliche Normalarbeitszeit von zehn Stunden und eine tägliche Höchstarbeitszeit von
12 Stunden sowie eine wöchentliche Gesamtarbeitszeit von 60 Stunden vorgeben könne. "Für uns
hat dieses Thema 2005 oberste Priorität. Wir wollen, dass unsere Betriebe voll durchstarten können. Die
Lohnstückkosten sind ein wesentliches Wettbewerbskriterium und flexibel gestaltbare Arbeitszeiten sind hiefür
ein Muss", so Welser. Bei den Durchrechnungszeiträumen der flexiblen Arbeitszeit soll neben den fixen
Saldierungsbegriffen von ein oder zwei Jahren auch das Element der Saison und der Konjunktur mit betrieblicher
Ausgestaltungsmöglichkeit Eingang finden.
In seinem ersten offiziellen Auftritt als neuer Obmann der Bundessparte Industrie in der WKÖ und damit als
Nachfolger von Werner Tessmar-Pfohl, wies Welser die geforderte Arbeitszeitflexibilisierung als Teil einer "Proaktiven
Standortpolitik" aus. Auch wenn die nackten Zahlen eine insgesamt positive Konjunktursituation in der Industrie
zeichneten, dürfe nicht vergessen werden, dass die Sparte noch immer Beschäftigte abbaut. "Kostendruck
und Rationalisierungsdruck machen sich bemerkbar. Auch die Situation auf den Energiemärkten und der starke
Dollar drücken die Erwartungen", betonte Welser.
Deshalb poche die Industrie auf die Einhaltung der Lissabon-Ziele, die Europäische Union bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten
Wirtschaftsraum zu machen. "Es bleiben uns nur mehr 5 Jahre, effektiv wohl nur mehr drei. Auch aus dem Blickwinkel
heraus, dass die EU nicht kleiner, sondern wohl noch anwachsen wird, können wir uns nicht mehr nur philosophische
Gedanken darüber machen, welche Maßnahmen wir gerne umsetzen wollen. Wir müssen uns über die
Maßnahmen bereits jetzt im Klaren sein, diese politisch zu paktieren und die entsprechenden Schritte jetzt
setzen", appellierte Welser.
In Österreich selbst müssten zuerst die Hausaufgaben im Bereich Forschung und Entwicklung gemacht werden.
Hier hoffe er auf eine Schwerpunktpolitik bis 2007 - entsprechend den Vorgaben des Rats für Forschung und
Technologieentwicklung. "Wir dürfen den Zug hin zum Lissabon-Ziel nicht abfahren lassen. Wir dürfen
nicht nur Passagiere, sondern müssen die Lokomotive sein." Welser wünscht sich deshalb eine Optimierung
des Anreizsystems, um in Österreich die Forschungsquote bis 2010 auf drei Prozent zu bringen. "Kurz:
Wir brauchen mehr und besser eingesetzte Fördermittel", deponierte der BSI-Obmann. Die mittelbetriebliche
Struktur der österreichischen Industrie erfordert auch, dass die Auftragsforschung gleich behandelt wird wie
die innerbetriebliche Forschung und daher die Einbeziehung dieser betrieblichen Kosten in den Forschungsfreibetrag.
Kopfzerbrechen bereite der Industrie zudem die Regelungsflut im Bereich der Umweltgesetzgebung und vielfach überzogenen
Zielvorgaben, wie etwa das Abfallrecht oder das Immissionsschutzgesetz-Luft zeigten.
Insgesamt gehe es darum, dass in einer konzertierten Aktion sämtliche Bereiche der Wirtschafts-, Industrie-
und Sozialpolitik durchforstet und entrümpelt werden. "Es darf auch kein neues Gesetz und keine neue
Verordnung mehr geben, ohne dass deren positiver Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit nachgewiesen
wurde", fordert Industrieobmann Welser als Anforderung an eine neue Proaktive Standortpolitik. |