Seit zehn Jahren verfügt die Universität Witten/Herdecke über ein innovatives und
sozialverträgliches Modell zur Erhebung studentischer Finanzierungsbeiträge
Witten/Herdecke (universität) - Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat am 26. Januar 2005 das allgemeine
Verbot von Studiengebühren an Hochschulen gekippt. Die Universität Witten/Herdecke begrüßt
diese Entscheidung. „Wir sehen uns durch das Urteil in unserer Auffassung bestätigt, dass Studiengebühren
unter bestimmten Bedingungen einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssteigerung in Lehre und Forschung darstellen“,
sagt Prof. Dr. Wolfgang Wintermeyer, Sprecher der Geschäftsführung der Universität Witten/Herdecke.
Durch den Karlsruher Richterspruch biete sich vor allem den staatlichen Universitäten die Chance, ihre unzureichende
Finanzierungsbasis weiter zu verbreitern – sofern sie – wie in Witten/Herdecke – direkt von dieser neuen Einnahmenquelle
profitieren.
In Witten/Herdecke zahlen Studierende seit 1995 Studiengebühren, deren Anteil derzeit bei etwa sieben Prozent
des Gesamthaushalts der Universität liegt. Dank des von Studierenden vor zehn Jahren entwickelten Umgekehrten
Generationenvertrags brauchen die Finanzierungsbeiträge (rd. 15000 Euro für ein Vollstudium) erst nach
dem Studium entrichtet werden – acht Jahre lang mit acht Prozent des dann erzielten Einkommens. Aufgrund dieses
Modells können auch Kinder aus weniger betuchten Elternhäusern in Witten studieren – rund zehn Prozent
der hier Studierenden sind Bafög-Empfänger.
„Die Universität Witten/Herdecke beweist, dass Studiengebühren sozialverträglich erhoben werden
können“, sagt Malte Herzhoff, Vorstand der Wittener Studierendengesellschaft: „Wir machen die Erfahrung, dass
Studiengebühren nicht vom Studium abhalten, sondern im Gegenteil eher zu einem Studium motivieren“, betont
Herzhoff, der im fünften Semester Wirtschaftswissenschaft studiert. „Wer nach Witten kommt, kann für
sein Geld auch etwas verlangen: Kleine Seminare, eine bessere Ausstattung und motivierte Professoren, die keine
Sprechstunden brauchen, um den Kontakt mit ihren Studierenden zu halten.“
Auch wenn das Modell des Umgekehrten Generationenvertrags „nicht in Gänze“ auf staatliche Hochschulen übertragbar
sei, so enthalte es doch „wichtige Anregungen, wie staatliche Hochschulen künftig mit der Gebührenfrage
umgehen müssen, um Einkommensschwächere nicht vom Studium abzuschrecken“, so Herzhoff. Studiengebühren
zum Stopfen leerer Landeskassen seien jedenfalls nicht geeignet, Studierende vom Sinn der Finanzierungsbeiträge
zu überzeugen. „Studierende müssen erfahren können, dass „ihre“ Finanzierungsbeiträge in ihr
unmittelbares Lernumfeld investiert werden“, so Herzhoff.
Das Modell des Umgekehrten Generationenvertrages
Den "Umgekehrten Generationenvertrag" gibt es seit 1995 an der Universität Witten/Herdecke. Dieses
Modell nachlaufender Finanzierungsbeiträge wurde von Studierenden entwickelt und findet deshalb eine große
Akzeptanz. Denn die erhobenen Mittel kommen unmittelbar Lehre und Forschung zugute und sie werden nicht von der
Universität erhoben und verwaltet, sondern von der Studierendengesellschaft, ein Verein, der von Studierenden
betrieben wird. Der Umgekehrte Generationenvertrag ermöglicht Studierenden aus weniger betuchten Elternhäusern
die Zahlung der Finanzierungsbeiträge nach Ihrem Studium. Acht Jahre acht Prozent vom verfügbaren Einkommen,
so lautet die Rückzahlungsregel. 40 Prozent der Wittener Studierenden machen davon Gebrauch. Knapp zehn Prozent
sind Bafög-Empfänger. Die studentischen Finanzierungsmodelle decken sieben Prozent des Uni-Etats von
derzeit ca. 30 Mio. Euro p.a. Wer nach dem Studium weniger als 17.000 Euro verdient, muss nichts zurückbezahlen,
wer viel verdient, bei dem ist bei maximal 30.000 Euro Rückzahlung Schluss. |