Verkehrsausschuss "deckelt" Führerscheinentzug bei 180
km/h
Wien (pk) - Vor dem Hindergrund der aktuellen Diskussion über eine allfällige Ausweitung
der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf einzelnen Autobahnabschnitten auf 160 km/h verabschiedete der
Verkehrsausschuss mit den Stimmen der Regierungsparteien am Mittwoch (18. 01.) einen Antrag, mit dem das Limit
für den Führerscheinentzug bei 180 km/h gedeckelt wird. In der gegen die Stimmen der Opposition angenommenen
Initiative der Koalitionsparteien auf Änderung des Führerscheingesetzes wird die Überschreitung
von 180 km/h ausdrücklich als Entzugsdelikt ausgewiesen. Bei einer Geschwindigkeit von mehr als 180 km/h ist
es auch bisher schon zum Entzug des Führerscheins gekommen, zumal die Bestimmungen auf eine Überschreitung
der zulässigen Höchstgeschwindigkeit außerhalb des Ortsgebietes um mehr als 50 km/h abstellte.
Der heutige Beschluss präzisiert nun, dass diese Grenze für den Führerscheinentzug auch bei einer
möglichen Anhebung des Tempolimits unverändert bestehen bleibt.
Während die Regierungsparteien mit diesem gemeinsamen Vorstoß ihre Entschlossenheit im Kampf gegen Raserei
– unabhängig von der jeweils zulässigen Höchstgeschwindigkeit – unterstreichen wollten, bekräftigten
SPÖ und Grüne ihre kritische Grundsatzposition in Sachen Tempo 160 und lehnten den Antrag ab. Sowohl
Abgeordnete Petra Bayr (S) als auch Abgeordnete Gabriela Moser (G) erhoben massive Bedenken aus Gründen der
Verkehrssicherheit und des Umweltschutzes gegen die Ausweitung des Tempolimits, wobei Bayr meinte, sämtlichen
"Basteleien" rund um Tempo 160 sei eine klare Absage zu erteilen. Für Moser, die den aktuellen Testbetrieb
in Kärnten als "Versuch an lebenden Wesen" anprangerte, zeigte der Antrag wiederum, dass die Koalition
das Problem erkannt hat und nun" die Reißleine zieht".
Abgeordneter Hannes Missethon (V) mahnte dem gegenüber eine sachliche Diskussion ein und unterstützte
den Versuch in Kärnten. Seiner Meinung nach sollte vor einer endgültigen Entscheidung jedenfalls geprüft
werden, ob Tempo 160 zu einer zusätzlichen Gefährdung der Verkehrssicherheit und zu größerer
Umweltbelastung führt oder nicht doch eher die Flüssigkeit des Verkehrs verbessert. Die Deckelung für
den Führerscheinentzug bei 180 km/h soll, wie Missethon betonte, nun verhindern, dass es im Fall von Tempo
160 zu einer "Lizenz zum Rasen" bis 210 km/h kommt. Die Grünen lud der VP-Sprecher ein, in ihre
Überlegungen auch den technologischen Fortschritt der letzten 30 Jahre einzubeziehen.
Auch Abgeordneter Klaus Wittauer (F) hielt den Testbetrieb für sinnvoll und gab zu bedenken, niemand würde
dadurch gezwungen, 160 km/h zu fahren. Er sah zudem keinen Zusammenhang zwischen höherer Unfallhäufigkeit
und einer Ausweitung des Tempolimits auf Autobahnen und verwies auf das Beispiel Deutschlands.
Verkehrsminister Hubert Gorbach rief ebenfalls zu einer Versachlichung der Diskussion auf und stellte klar, es
gehe um eine Flexibilisierung der Höchstgeschwindigkeit zwischen 80 und 160 km/h, wobei das Limit jeweils
an die äußeren Verhältnisse angepasst wird. Der Ressortchef erwartete sich davon nicht nur eine
Sensibilisierung der Autofahrer für die Wechselwirkung von Geschwindigkeit und Umweltbedingungen, sondern
auch eine größere Verkehrsflüssigkeit und damit verbunden eine geringere Belastung der Umwelt durch
Abgase.
Brenner-Maut für Basistunnel zweckgebunden
Änderungen des Bundesstraßen-Mautgesetzes und des ASFINAG-Gesetzes verpflichten die ASFINAG, vorerst
einen Anteil der auf der Brenner-Autobahn eingehobenen Maut nach Abzug der Umsatzsteuer für die Verwirklichung
des Eisenbahnbasistunnels auf der Brennerachse zweckzubinden. Ferner wird durch den Beschluss des Ausschusses auch
die EU-Richtlinie über die Interoperabilität elektronischer Mautsysteme umgesetzt. - Der Beschluss des
Ausschusses erfolgte mit V-F-Mehrheit.
Abgeordnete Gabriela Moser (G) kritisierte, dass EU-Rechtsanpassungen nicht an die neue, sondern an die alte Wegekostenrichtlinie
vorgenommen wurden und äußerte Bedenken, dass die von ihr grundsätzlich begrüßte Quersubventionierung
von Schienen-Projekten durch Mauteinnahmen nicht EU-konform, weil nicht diskriminierungsfrei seien. Es drohe laut
Moser eine weitere Verurteilung durch den EuGH.
Abgeordneter Roderich Regler (V) bekannte sich nachdrücklich dazu, schon jetzt Geld aus Mauteinnahmen für
den Bau des Brenner-Basistunnels zurückzustellen und begrüßte effiziente Lösungen bei der
Mautaufsicht.
Abgeordneter Kurt Eder (S) kündigte namens seiner Fraktion ein Verlangen auf getrennte Abstimmung über
die ASFINAG-Vorlagen im Plenum und die Zustimmung zur Rückstellung von Mauteinnahmen an. Bedenken meldete
Eder bei der Erweiterung der Befugnisse von Mautaufsichtsorganen an. Das Strafausmaß dürfe nicht dem
Ermessen von ASFINAG-Organen unterliegen.
Abgeordnete Karin Hakl (V) zitierte Experten, die es für möglich halten, die Quersubventionierung des
Brenner-Basistunnels aufgrund des vorliegenden Gesetzentwurfs EU-kompatibel durchzuführen.
Abgeordneter Klaus Wittauer (F) sah im Beschluss über die Querfinanzierung des Brenner-Basistunnels ein positives
Signal an die Tiroler Bevölkerung. Der Spatenstich für den Sondierungsstollen sei der "point of
no return" auf dem Weg zum Brenner-Basistunnel. Die ablehnende Haltung der Grünen sei für ihn unverständlich.
Verkehrsminister Hubert Gorbach teilte dem Ausschuss mit, dass das Projekt Brenner-Basistunnel für die EU
unbestritten den ersten Rang unter den TEN-Projekten einnehme und die Kommission bereit sei, 50 % der Finanzierung
des Pilotstollens zu übernehmen. Er erwarte den Spatenstich für Mitte des Jahres, sagte Minister Gorbach.
Auf Grund sehr sorgfältig erstellter Rechtsgutachten sah Minister Gorbach kein Problem, die Quersubventionierung
der Schiene mit Einnahmen aus der Straßenmaut diskriminierungsfrei zu gestalten. Er sehe daher keine Gefahr
einer Verurteilung durch den EuGH. Die Bedenken des Abgeordneten Eder hinsichtlich der Befugnisse der Mautkontrollorgane
zerstreute der Minister. Die Maut-Aufsichtsorgane hätten auch künftig nicht das Recht, über die
Höhe von Strafen zu entscheiden.
Weitere Harmonisierung des Flugverkehrsmanagements in Europa
Eine einstimmig angenommene Neufassung des Internationalen Übereinkommens über die Zusammenarbeit zur
Sicherung der Luftfahrt "EUROCONTROL" schafft die institutionellen Voraussetzungen für eine weitere
Harmonisierung und Modernisierung des Flugverkehrsmanagements in Europa. Durch die vorliegende Revision soll vor
allem das Einstimmigkeits- durch das Mehrstimmigkeitsprinzip bei der Entscheidungsfindung ersetzt werden, um die
Effizienz der Organisation zu verstärken. Ein eigenes Protokoll sieht in diesem Zusammenhang den Beitritt
der Europäischen Union zu "EUROCONTROL" vor.
Oppositionsanliegen werden vertagt
Vertagt wurde hingegen eine Reihe von Entschließungsanträgen der Oppositionsparteien bzw. Bürgerinitiativen,
die durchwegs Straßenbauprojekte zum Inhalt haben. Es waren dies zunächst eine Initiative des Abgeordneten
Anton Heinzl (S) auf Realisierung der Traisenschnellstraße (612/A(E)) sowie ein Antrag des Abgeordneten Hannes
Bauer (S) betreffend vierspurigen Ausbau der B 303 (242/A(E)). Gegen das Anliegen des Weinviertler Mandatars richtete
sich eine Bürgerinitiative ( 17/BI), die den Ausbau der B 303 als Schnellstraße ablehnt. Keine Entscheidung
fiel auch über einen von Abgeordneter Petra Bayr nachdrücklich vertretenen SP-Antrag (342/A(E)) für
eine zusätzliche Verbindungsspange zu der in Bau befindlichen Wiener Außenringschnellstraße. Eine
Bürgerinitiative (20/BI) gegen den Bau einer Schnellstraßenverbindung von der A 2 in den westungarischen
Raum südlich der Lafnitz wurde ebenfalls vertagt. Noch nicht entscheidungsreif war nach Ansicht der Ausschussmehrheit
auch das Anliegen (357/A(E)) des Abgeordneten Johann Maier (S) betreffend eine Lösung des Problems der Doppelmaut
in manchen Teilen Österreichs.
Vertagt wurde auch ein Antrag (90/A(E) der Abgeordneten Evelin Lichtenberger (G) betreffend Eindämmung der
Bundesausgaben für Landesstraßen ebenso wie Initiativen der Abgeordneten Gabriela Moser (G) gegen den
Bau der A 3 im Gemeindegebiet von Wulkaprodersdorf (681/A(E)) bzw. der S 7 im Raum Oststeiermark/Südburgenland
(687/A(E)).
Abgeordneter Heribert Donnerbauer (V), der die verkehrspolitischen Anliegen für das Weinviertel als berechtigt
bezeichnete, begründete die Vertagungen durch die Regierungsparteien mit den bereits weit fortgeschrittenen
Verhandlungen für eine gesicherte Finanzierung der Straßenbauprojekte.
Bundesminister Hubert Gorbach informierte darüber, dass die Verhandlungen zwischen Finanzminister, Bundeskanzler,
Landeshauptmann Pröll und ihm über die neuen Straßenverbindungen nach Norden auf gutem Wege seien.
Auf Grund eines Grundsatzentscheidung über die Aufnahme der Projekte in das Bundesstraßennetz werde
nun über eine Spezialvereinbarung zur Finanzierung verhandelt. Diese Verhandlungen befänden sich im finalen
Stadium, sagte Gorbach.
Abgeordneter Hannes Bauer (S) argumentierte dennoch gegen eine Vertagung und sah in einem Beschluss der Entschließungsanträge
ein parlamentarisches Instrument, um weitere Verzögerungen zu verhindern. Die Region Hollabrunn brauche eine
Schnellstraße bis zur Staatsgrenze, um die wirtschaftlichen Chancen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs endlich
nützen zu können.
Abgeordneter Roderich Regler (V) verwies ebenfalls auf die gut laufenden Verhandlungen für Straßenprojekte
in Niederösterreich, der Steiermark und in Kärnten und zeigte sich zuversichtlich, dass die Regierung
bereits in wenigen Wochen eine entsprechende Novelle zum Bundesstraßengesetz vorlegen werde.
Abgeordnete Gabriela Moser (G) unterstützte die Bedenken der Bürgerinitiative Lafnitztal wegen zusätzlicher
Feinstaubbelastung in der Region, forderte die Eindämmung der Bundesausgaben für Landesstraßen
und den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und verlangte,die Meinung der Bevölkerung von Wulkaprodersdorf
ernst zu nehmen.
Dem gegenüber sagte VP-Abgeordneter Franz Glaser, dass die Bevölkerung dem Projekt S7 mehrheitlich positiv
gegenüberstehe, wobei er ausdrücklich die Vorgangsweise der ASFINAG bei der Planung lobte.
Auch Abgeordneter Erwin Kaipel (S) unterstrich die Bedeutung der S7 für die positive Entwicklung der Region
Oststeiermark-Südburgenland.
Nicht durchsetzen konnte sich vorerst Abgeordnete Gabriela Moder (G) mit dem Antrag (657/A(E)), in dem sie eine
gesetzliche Verpflichtung zur Einrichtung von Behindertenparkplätzen vor Arztpraxen verlangt.
Die Abgeordneten Elke Achleitner (F) und Christoph Kainz (V) argumentierten für die Vertagung, indem sie darauf
aufmerksam machten, dass für Parkplätze bei Spitälern und Arztpraxen nicht der Bund, sondern Länder
und Gemeinden zuständig seien. Abgeordnete Gabriela Moser (G) drängte dem gegenüber auf die Umsetzung
des Behindertengleichstellungsgesetzes.
Gegenstand eines Vertagungsbeschlusses war darüber hinaus auch eine Initiative (599/A(E)) der Abgeordneten
Gabriela Moser (G) betreffend Ausbau der Informations- und Kommunikationstechnologien. - Abgeordnete Karin Hakl
(V) berichtete, dass der Vollausbau bei der Breitband-Technologie im Jahr 2006 erreicht werde und es nun darum
gehe, die Aufklärung der Bevölkerung für eine stärkere Nutzung der neuen Informationstechnologien
zu intensivieren. Hakls Vorschlag, darüber weitere und tiefer gehende Diskussionen zu führen, wurde vom
Ausschuss-Vorsitzenden Kurt Eder und grundsätzlich auch von der Antragstellerin positiv aufgegriffen. Abgeordnete
Moser drängte aber zugleich auf die Einrichtung einer Stabsstelle zur Realisierung von Vorschlägen, die
reif zur Umsetzung seien, um weitere Verzögerungen zu vermeiden. |