Wien (öj/mg) - Es gibt Filme, die den Zuschauer so tief verstören, dass er sich nach Ende der
Vorstellung erst wieder sammeln muss. Dazu gehört unumstritten der am 24.10. präsentierte "Pangarap
ng puso" (M. O´Hara, 2006), der zu Recht als der bis jetzt beste philippinische Film bezeichnet wird.
Er berührt alle Bereiche des Lebens und bleibt trotz allem beinahe minimalistisch; tiefe Freundschaft, Mitleid,
Liebe, Brutalität, Hass und Hoffnung werden ohne falsche Exaltation dem Publikum vor die Augen gestellt und
ich glaube das ist es, was so irritiert und verursacht, dass man den Film wieder und wieder sehen möchte.
Die Grenzen zwischen Realität und Traum oder Aberglauben verschwimmen fast zur Gänze.
Mit "Le Dernier des Fous" (L. Achad, F/B, 2006) versuchen die Autoren die Umrisse der Person eines 11-Jährigen
zu skizzieren, der mitten in einer Familientragödie steckt und weil er von den Erwachsenen mehr oder weniger
übersehen wird, versucht er seine eigenen Wege zu gehen und nicht zu zeigen wie sehr er leidet. Und tatsächlich
wirkt Martin eben nur grob skizziert, wie ein Schatten einer Person, er saugt das Gesehene in sich auf und sehr
Zuschauer wundert sich, wie viel er ertragen kann und warum er schweigt; eine hervorragende schauspielerische Leistung
von Julien Cochelin.
"Come early Morning" (J. L. Adams, USA, 2006) folgt nicht den üblichen Klischees über Frauen
und Männer. Lucy ist unfähig Beziehungen zu führen und begrenzt daher ihre Männerbekanntschaften
auf One-Night-Stands, die sie nach Tageseinbruch fluchtartig beendet. Alle, denen sie sich öffnet und die
sie mit Liebe beschenkt, sei es ihr Vater oder auch ihr Hund, entschwinden aus ihrem Leben. Die verletzten Gefühle
weiß sie durch eine forsche und robuste Art zu verdecken. Das Werk ist eine tiefgehende Betrachtung zur Emanzipation
der Frauen und Rollentausch in der Gesellschaft.
Das schwarz- weiße Regiedebüt von Jaques Demy aus dem Jahre 1960, "Lola" (F/I), zeigt sehr
gut die späte Nachkriegszeit und die westliche Bevölkerung im Wandel zu einer neuen Epoche. Der Krieg
bleibt nur noch in Erinnerung der Protagonisten, es herrscht ein kollektiver Wunsch des Reichtums aber zugleich
der Freiheit im Arbeitsalltag, mit all dem müssen noch Glück in der Liebe und erfülltes Familienleben
mithalten. Jugendliche Ideale werden der grauen Realität gegenübergestellt und auf eine intelligente
und witzige Weise kritisiert.
"A Scanner Darkley" (R. Linklater, USA, 2005) ist zwar rein filmtechnisch durch den Rotoskopie- Effekt,
also das "Übermalen" der aufgenommenen realen Bilder, erste Klasse; die Handlung an sich erinnert
jedoch zu sehr an den "Minority Report" mit Tom Cruise und wirkt durch die Darstellung der Kontrolle
der menschlichen Persönlichkeit und spezielle Anzüge, die dem Träger ständig wechselnde Identitäten
ermöglichen, sehr weit hergeholt. Dafür kann man hinter den Farbflecken wirklich gute Schauspieler erkennen,
Keanu Reeves, Winona Ryder, Robert Downey Jr.
Von der VIENNALE berichtet täglich Malgorzata Glac für das "Österreich Journal" |