Burgstaller: Tausende berührende Einzelschicksale in Salzburg / Eberle: Immer wieder an das
Unrecht vor 60 Jahren erinnern
Salzburg (lk) - In den Sommermonaten 1947 sind tausende jüdische Bürgerinnen und Bürger
– in Gruppen von jeweils zirka 200 Personen – über den 2.634 Meter hohen Krimmler Tauernpass nach Südtirol
geflüchtet und von dort weiter nach Genua mit Ziel Palästina. Österreich, und besonders Salzburg,
waren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zur Drehscheibe des Exodus für 200.000 Juden aus Zentral- und Osteuropa
geworden. Die Grenze nach Italien war ihnen versperrt. Der bis zu zehnstündige Fußmarsch über die
Hohen Tauern war die anstrengendste und spektakulärste Fluchtroute für 5.000 Männer, Frauen und
auch Kinder. Dennoch handelt es sich um ein nahezu vergessenes Kapitel österreichischer Nachkriegsgeschichte.
Die Initiative "Alpine Peace Crossing" erinnert 60 Jahre später daran.
"Tausende berührende Einzelschicksale haben sich vor 60 Jahren in unserem Land ereignet. Für die
jüdischen Flüchtlinge waren das Jahr 1947 und der Pinzgau der Ausgangspunkt für den Übergang
in ein neues Leben." Das sagte Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller am 12.03. zur Initiative "Alpine
Peace Crossing". "Und diese Alpenüberquerung hat eine ganz berührende Symbolik, sie ist auch
ein Übergang aus den dunkelsten Seiten unserer Geschichte in eine der längsten Friedensperioden seit
Menschengedenken. Und wir tun gut daran, die Erinnerung daran festzuhalten."
"Man kann nicht oft genug an das Unrecht erinnern, das vor 60 Jahren geschehen ist", betonte Landesrätin
Doraja Eberle dazu. "Leider ist Europa auch seither nicht vor derartigen Verbrechen an bestimmten Bevölkerungsgruppen
gefeit, wie der ethnische Krieg in Bosnien vor 15 Jahren gezeigt hat. Wir müssen daher alles Mögliche
dazu beitragen, um im Lichte der Erinnerung in der Zukunft solche Verbrechen zu verhindern."
Das Programm zu "Alpine Peace Crossing" wird vom Nationalpark Hohe Tauern gemeinsam mit der Stadtgemeinde
Saalfelden am Steinernen Meer und den Gemeinden Krimml (Salzburg) und Ahrntal (Südtirol) veranstaltet und
beginnt am 28. Juni, 11.00 Uhr, mit einer Gedenkstein-Enthüllung in Saalfelden. Denn der Ausgangspunkt für
die Flucht über die Berge war das Lager "Givat Avoda" in der heutigen Wallnerkaserne. Um 16.00 Uhr
findet dann ein großer Festakt in Krimml statt, der zwei Hauptprogrammpunkte umfasst: Im ersten, historischen
Abschnitt wird ein Video über die Flucht 1947 gezeigt, es kommen Zeitzeugen zu Wort, und es wird an die Menschlichkeit
erinnert, mit der die damalige Wirtin des Krimmler Tauernhauses, Liesl Geisler-Scharfetter, den 5.000 jüdischen
Flüchtlingen geholfen hat. Im zweiten, gegenwartsbezogenen Abschnitt wird die Situation der heutigen Menschen
auf der Flucht dargelegt. Ein Höhepunkt ist das von Dr. Peter Huemer moderierte Friedensgespräch mit
prominenter Besetzung.
Überquerung über Krimmler Tauern zum Gedenken
Als Mittelpunkt des Projektes findet am 29. Juni die Überquerung über den Krimmler Tauern zum
Gedenken an das Ereignis vor 60 Jahren statt. Die Überquerung wird von Bergführern begleitet. Die reine
Gehzeit beträgt sieben bis acht Stunden. Die Abschlussveranstaltung findet um 20.00 Uhr in Steinhaus im Ahrntal
statt.
Die Aktion "Alpine Peace Crossing" geht auf eine Initiative von Dr. Ernst Löschner, Österreich-Repräsentant
der weltweit agierenden französischen Bank BNP Paribas S.A., zurück. Er startete – zum 60-Jahre-Gedenken
an diese Flucht – eine Initiative, unterstützt von BNP, um diese Menschen und jene, die ihnen bei der Flucht
geholfen haben, mit einer Gedächtnis-Überquerung zu ehren. Die Überquerung soll auch Anlass sein,
die weltweit aktuelle Flüchtlings-Situation 2007 zu thematisieren und ein internationaler Friedensappell sein.
Unter www.alpinepeacecrossing.org sind Details zum Programm, Darstellungen der historischen Zusammenhänge
und der aktuellen Flüchtlingssituation, eine Präsentation der Gedenk-Medaille und der Gedenk-Briefmarke
sowie der Text des Friedensappells enthalten. |