Mehr Gesetze, mehr Ausschüsse, internationale Kontakte ausgebaut
Wien (pk) - Die Abgeordneten haben in der ersten Tagung der neuen, der XXIII. Gesetzgebungsperiode
nicht weniger, sondern mehr gearbeitet als am Beginn der letzten Legislaturperiode. Mit dieser guten Nachricht
eröffnete Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ihre erste "Bilanzpressekonferenz". 65 Gesetze,
darunter zwei Verfassungsgesetze wurden verabschiedet, 2002/03 waren es 63 Gesetze und ein Verfassungsgesetz gewesen.
Die Zahl der schriftlichen Anfragen stiegen von 721 auf 1358, jene der Ausschusssitzungen lag mit 209 auch weit
über jener des Vergleichszeitraums (84), und zwar auch dann, wenn man die 88 Sitzungen der beiden Untersuchungsausschüsse
zu den Themen "Eurofighter" und "Bankenaufsicht" außer Betracht lässt. "Die
Arbeit des Nationalrates ist im Fluss", sagte Präsidentin Prammer.
Die Untersuchungsausschusse haben in den letzten acht Monaten wesentlich intensiver gearbeitet als frühere
Untersuchungsausschüsse. Tagten Untersuchungsausschüsse in der Vergangenheit im Durchschnitt 13 Monate
mit durchschnittlich 24 Sitzungen, arbeiteten "Eurofighter-" und "Banken-Untersuchungsausschuss"
jeweils 8 Monate, hielten aber mehr Sitzungen ab: 48 der Eurofighter-Untersuchungsausschuss, 40 der "Banken-Untersuchungsausschuss".
Bei der Frage nach den Kosten der U-Ausschüsse hielt die Nationalratspräsidentin fest: "Demokratie
darf etwas kosten" und fügte hinzu "Geld für parlamentarische Kontrolle ist gut investiertes
Geld". Laut einer vorläufigen Hochrechnung seien die maximalen Kosten für die beiden Ausschüsse
mit 766.000 € zu beziffern - ein Betrag, der - so Prammer - zeige, dass budgetschonend gearbeitet wurde.
Das Geschäftsordnungskomitee habe seine Arbeit bereits aufgenommen und werde diese im Herbst intensiv mit
dem Ziel fortsetzen, bis Ende des Jahres eine Geschäftsordnungsreform einstimmig zu beschließen. Beim
Thema Untersuchungsausschüsse sollten die jüngsten Erkenntnisse genützt werden, sagte die Präsidentin,
die sich einmal mehr für den Ausbau der demokratischen Kontrolle aussprach. Von einer Medienvertreterin auf
den Banken-Ausschuss und dessen Ende angesprochen, meinte die Präsidentin im Hinblick auf die Terminfindungsschwierigkeiten
dieses Ausschusses, "es hätte besser gehen können", wobei sie ankündigte, dieses Thema
im Geschäftsordnungskomitee zu behandeln. Prammer erinnerte an ihren Vorschlag, Untersuchungsausschüsse
künftig auch auf Antrag einer Minderheit einsetzen zu können, aber jeweils nicht mehr als einen Untersuchungsausschuss
zuzulassen. Dabei unterstrich die Präsidentin einmal mehr die Bedeutung parlamentarischer Kontrollrechte.
Sie sehe keinen Anlass, Kontroll- und Minderheitenrechte einzuschränken, und zwar auch dann nicht, wenn ein
internationaler Vergleich zeige, dass Minderheitenrechte anderswo weniger stark seien als in Österreich.
Im Hinblick auf den Konsultationsmechanismus, der es den nationalen Parlamenten ermögliche, Stellungnahmen
zu EU-Vorhaben abzugeben, erhalten die Abgeordneten wöchentlich per Internet Informationen über Richtlinienentwürfe
und andere EU-Vorhaben, teilte die Präsidentin mit. Die internationalen und europäischen Kontakte des
Parlaments und die Arbeit im Rahmen der regionalen Partnerschaft wurden ausgeweitet und werden auch in Zukunft
weiter ausgebaut, kündigte Prammer an. Die Arbeit der 41 Parlamentarischen Gruppen (die bisherigen "Freundschaftsgruppen")
werde neu ausgerichtet und intensiviert. Für den 25. August plant Barbara Prammer in Salzburg ein Treffen
mit ihren vier europäischen AmtskollegInnen, den ParlamentspräsidentInnen von Ungarn, Estland, den Niederlanden
und Griechenland. |