Gusenbauer:
Facharbeitermangel kann man nicht durch Öffnen der Grenzen beheben
Bundeskanzler bei Industrieempfang 2007 der IV
Wien (sk) - "Wir werden den Bedarf an Facharbeitern nicht aus dem Ausland stillen. Es ist eine
Illusion, zu glauben, dass wir den Facharbeitermangel durch Öffnen der Grenzen beheben können",
legte sich Bundeskanzler Alfred Gusenbauer am 13.09. beim Industrieempfang 2007 der Industriellenvereinigung fest.
Vielmehr sei die Situation an den Schulen und Kindergärten von heute bereits vorentscheidend für die
Facharbeiter von morgen: "Alle Kinder müssen geeignete Deutschkenntnisse haben, um mit fünfzehn
die Chance auf eine Ausbildung zu haben". Gusenbauer will den Arbeitsmarkt daher, "für alle, die
wir brauchen, öffnen - für all jene allerdings, die unsere Probleme sogar noch verstärken, wird
der Arbeitsmarkt auch zukünftig geschlossen sein".
In der Frage des Klimaschutzes lobte der Bundeskanzler die Industrie für ihre Fortschritte bei den Umweltstandards,
gab aber zu bedenken, dass "die Industrie derzeit für den zu hohen CO2-Ausstoß des Verkehrs und
für mangelnde Gebäudesanierung büßen muss". "Alles, was wir beim Verkehr und beim
Heizen an Energie einsparen, schafft mehr Spielraum für die Industrie", brachte er es auf den Punkt.
Schließlich habe der Verkehr einen Anteil von 26 Prozent an den österreichischen Emissionen; in anderen
Ländern betrage dieser Wert nur 21 Prozent. Global gesehen, so Gusenbauer, "wird Europa die Welt in dieser
Frage aber nicht retten können". Er forderte daher einen internationalen Wettbewerb unter gleichen Rahmenbedingungen,
also einheitlichen Umweltvorgaben. "Österreich ist bereits jetzt Spitze bei den erneuerbaren Energien",
stellte der Kanzler fest - und ließ der EU ausrichten, dass "wir daher keinen Löwenanteil bei den
Steigerungen übernehmen werden".
Der Bundeskanzler lobte die Sozialpartner für "ihren Weg der Gemeinsamkeit": Leistungsorientierung
bei sozialer Solidarität - das sei der richtige Weg für Österreich Der österreichischen Industrie
sprach er seine Anerkennung "für den Pioniergeist, nach Osteuropa zu gehen", aus. Abschließend
unterstrich Gusenbauer den "wesentlichen Beitrag der Industrie als Motor des enormen Beschäftigungswachstums
in Österreich". |
Molterer: "Österreich droht Wohlstandsverlust, wenn Arbeitsmärkte nicht schrittweise
geöffnet werden"
"Standortverträgliche Energie- und Umweltpolitik ist essentielle Zukunftsfrage"
Wien (övp-pd) - Beim Industrieempfang im Technischen Museum unterstrich Vizekanzler Finanzminister
Wilhelm Molterer die Bedeutung einer schrittweisen sektoralen Öffnung des heimischen Arbeitsmarktes. "Zusätzliche
Qualifizierungsmaßnahmen in Österreich sind wichtig und richtig. Diese laufen auch bereits. Aber gleichzeitig
müssen wir die schrittweise Öffnung des Arbeitsmarkts offensiv angehen. Sonst droht Österreich ein
Wohlstandsverlust", so der Vizekanzler.
Molterer betonte die Bedeutung der Reformen der letzten Jahre - wie der Pensionsreform oder der Senkung der Körperschaftssteuer
- für die gute Entwicklung des Standorts. "Wichtig ist, dass wir auf der guten Arbeit der letzten Jahre
aufbauen und das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Österreich hat von Öffnung und Offenheit profitiert,
wir sind ein Globalisierungsgewinner", sagte Molterer.
Zentrale Zukunftsfrage für den Wirtschafts- und Arbeitsstandort sei neben einer umfassenden und inhaltsorientierten
Schul- und Bildungsdebatte vor allem auch die Diskussion um Umwelt- und Energiefragen. "Wir brauchen eine
standortorientierte Energie- und Umweltpolitik. Das ist auch Teil einer starken Standort-Partnerschaft. Einerseits
heißt das, dass bei Verhandlungen um Klimaschutz-Ziele auf internationaler Ebene Fairness herrschen und bereits
erreichte österreichische Leistungen in der Debatte berücksichtigt werden müssen. Andererseits sollten
wir auch über die Chancen reden, die etwa der Bereich Umwelt- und Energietechnologien für die heimischen
Unternehmen bietet", so der Vizekanzler.
Molterer sprach auch die geplante Steuer-Entlastungsreform am Ende der Legislaturperiode an. "Der Zeitplan
wird eingehalten. Jetzt wird der Haushalt saniert und das Defizit reduziert. 2010 wird es eine Steuer-Entlastungsreform
ohne Gegenfinanzierung geben. Wichtige Eckpfeiler sind die Entlastung von kinderreichen Familien und des Mittelstandes.
Das beinhaltet vor allem auch den Höchststeuer-Satz", schloss Molterer. |