Mehr Geld für die Großen, Einsparungen bei den Kleinen
Wien (pk) - Im Jahr 2006 wurde das Kunstbudget des Bundes von zuletzt 84,5 auf 87,8 Millionen Euro
angehoben. Für das überwältigende Gros der heimischen Kunstschaffenden änderte sich dadurch
jedoch nichts, da die zusätzlichen 3,3 Millionen Euro ausschließlich in den Topf kultureller Großveranstaltungen
wie die Salzburger oder die Bregenzer Festspiele und die Großbühnen wie Josefstadt oder Volkstheater
gingen – von 43,3 auf nunmehr 46,6 Millionen Euro -, während etwa die Mittel für Literatur ein weiteres
Mal gekürzt wurden. Allein für Festspiele und Großveranstaltungen, die so genannte "Eventkultur",
wurden die Subventionen um nahezu 50 Prozent erhöht, während man vor allem bei der Aus- und Weiterbildung
sowie beim internationalen Kulturaustausch empfindlich einsparte. Dies geht aus dem "Kunstbericht 2006"
hervor, der dieser Tage dem Hohen Haus zugeleitet wurde.
In ihrem Vorwort merkt Bundesministerin Claudia Schmied zu den Ergebnissen des Jahres 2006 in der Kunst an: "Der
hier vorliegende Kunstbericht 2006 stellt meine Ausgangssituation und Arbeitsgrundlage im Bereich Kunst dar."
Und weiter: "Eine Kommentierung der vorliegenden Zahlen nehme ich in diesem Bericht nicht vor, da sie nicht
meine Arbeit darstellen."
Gleichzeitig aber nutzt die Ministerin den Bericht zu einem persönlichen Statement hinsichtlich ihrer Kunstpolitik:
"Was staatliche Förderung tun kann, damit Kunst entsteht, öffentlich wirksam wird und prosperiert,
lässt sich vielfältig beantworten. Sie kann die Miete für Autorinnen und Autoren zahlen, damit sie
an ihrem Roman schreiben können. Sie kann auch Theater, Konzerthäuser, Kinos, Verlage, Galerien, öffentliche
Bibliotheken, Museen und Archive initiieren, fördern und erhalten. Oder sie kann auf internationaler Ebene
die kulturelle Vielfalt, die einen wesentlichen Bestandteil der europäischen Identität darstellt, gegen
die wirtschaftlichen Interessen der global agierenden Kulturindustrie verteidigen. Im Wesentlichen geht es allerdings
darum, dafür zu sorgen, dass Kunst ihren Platz und in ihre Stimme in der Gesellschaft erhält."
Budget für Groß und Klein
Neben der fixen Basisabgeltung für die Bundestheater im Ausmaß von 134 Millionen Euro – davon knapp
52 Millionen Euro für die Staatsoper und knapp 44 Millionen Euro für das Burgtheater - stellte der Bund
2006 insgesamt 87,8 Millionen Euro für die heimische Kunst zur Verfügung. Mehr als die Hälfte dieser
Summe ging an die übrige Bühnenlandschaft, immerhin noch 17 Millionen gab es für den heimischen
Film, etwas mehr als 10 Millionen wurden für Literatur und 8,7 Millionen Euro für die Bildende Kunst
aufgewendet. 4,3 Millionen Euro gingen an regionale Kulturinitiativen.
Zieht man die Bundestheaterförderung ab, so bleiben den heimischen Bühnen immer noch mehr als 44 Prozent
des Kunstbudgets. 18 Prozent entfallen auf das Filmschaffen, 10 Prozent auf Bildende Kunst und nur noch 9 Prozent
auf die Literatur. Großempfänger der Kunstsubvention sind einmal mehr Bühnen wie die Josefstadt
(8,5 Mio. Euro), das Volkstheater (4,6 Mio. Euro) und das Theater der Jugend (1,8 Mio. Euro) sowie die Bregenzer
(8,9 Mio. Euro) und die Salzburger (6,3 Mio. Euro) Festspiele.
Die Förderung im Detail
Als weiterhin leicht rückläufig erwies sich im Jahr 2006 die Förderung für Architektur und
Design. Das Gros dieser Mittel ging neuerlich an Künstlergemeinschaften und Kunstvereine, aber auch die Galerienförderung,
die Ausstellungsförderung und die direkte Künstlerunterstützung war ansprechend dotiert, während
vor allem die Einzelprojektförderung und die Subvention von diesbezüglicher Vereinstätigkeit im
Berichtszeitraum leicht zurückgefahren wurde.
Im Bereich der darstellenden Kunst wurde das schon in den letzten Jahren übliche Verhältnis weitgehend
beibehalten. Großbühnen, Festspiele und die großen Konzertveranstalter erhielten den überwältigenden
Löwenanteil der für diesen Bereich vorgesehenen Mittel, Klein- und freie Bühnen mussten zum Teil
mit Dotationen von einigen tausend Euro das Auslangen finden. Insgesamt erhielten diese Künstler – insgesamt
84 Spielstätten und Gruppen – nicht einmal die Hälfte jener Summe, die allein für das Wiener Volkstheater
zur Verfügung gestellt wird. Aber auch die zahlreichen Sommerfestspiele – von Schwaz bis Erl und von Mörbisch
bis Lockenhaus – erhielten für ihr Kunstschaffen einiges an Unterstützung.
Die Filmförderung fließt zum Großteil in das Österreichische Filminstitut, welches in der
Folge das heimische Filmschaffen entsprechend koordiniert und promotet. Darüber hinaus gab es aber auch im
Berichtszeitraum wieder konkrete Mittel für Drehbuch- und Projektentwicklung, für Herstellung und Verwertung.
Über das ÖFI wurden unter anderen Werke wie Raoul Ruiz "Klimt" und Florian Flickers "No
Name City" sowie die Kinoinitiative gefördert.
Knapp zwei Drittel der Mittel für die Literatur gingen im Berichtszeitraum an literarische Vereine und Veranstaltungen,
die Verlage erhielten rund 2,7 Millionen Euro für ihre Tätigkeit. Für Personenförderung – Reise-,
Werk und Projektstipendien – wurden 1,2 Millionen Euro aufgewendet. 126.000 Euro gab es für die Übersetzerförderung.
Hier lässt sich feststellen, dass die reine Verlagsförderung mithin ein leichtes Plus aufweist, während
Publikations-, Personen- und Übersetzungsförderung ein weiteres Mal gekürzt wurden. Vor allem bei
Arbeits- und Werkstipendien wurde neuerlich der Rotstift angesetzt.
4,2 Millionen Euro wurden für die Förderung regionaler Kulturinitiativen zur Verfügung gestellt,
die zum überwältigenden Großteil in die Vereinsförderung flossen.
Auch 2006 wurden wieder etliche Preise im Bereich der Kunst verliehen. So erhielten Jorge Semprun den "Staatspreis
für Europäische Literatur" und Paul Lendvai den "Staatspreis für Kulturpublizistik 2006".
Der "Würdigungspreis für bildende Kunst" ging an Lois Weinberger und der "Würdigungspreis
für Literatur" an Christoph W. Aigner.
Ein umfangreicher Serviceteil, ein Glossar zur Kunstförderung und ein Register, welches die Benutzung des
Abschnitts über die Förderungen im Detail erleichtert, runden den umfangreichen Bericht ab. |