Papier und Karton aus Österreich bleiben stark nachgefragt - Absatz und Umsatz auf hohem
Niveau - Gefährlicher Niedergang der Investitionen
Wien (pwk) - „Im Jahr 2007 konnte sich die österreichische Zellstoff- und Papierindustrie als
bedeutender Teilnehmer am internationalen Markt sehr gut in Szene setzen!“ erklärte Wolfgang Pfarl, Präsident
der Austropapier – Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie, anlässlich der Präsentation
des Jahresberichtes 2007 vor Pressevertretern. „Mit einer Exportquote von 85% behaupten wir uns gegen zunehmend
globalen Wettbewerb, der allerdings immer härter wird, weil klare Wettbewerbs-Spielregeln fehlen!“ Damit sprach
Pfarl neben den kritischen Kostensteigerungen für Energie und Rohstoffe die fehlenden Rahmenbedingungen in
Europa für die notwendige Rohstoffsicherung, vor allem Holz, sowie die – durchaus nicht auf Österreich
beschränkte – einseitige Klimaschutz- und Energiepolitik an.
Mit einer Produktionsmenge von knapp 5,2 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe lag die Erzeugung 2007 fast
gleichauf mit 2006. Papier blieb nahezu unverändert, Faltschachtelkarton und Pappe entwickelten sich leicht
positiv, und auch der Bedarf an heimischem Zellstoff wuchs stärker als 2006. Der Umsatz der Branche erreichte
mit 3,77 Milliarden Euro ein neues Rekordniveau, wobei der wichtigste Treiber die verbesserten Erlöse bei
Verpackungspapieren waren, die sich auch vorteilhaft auf die Ergebnisse auswirkten. Demgegenüber leiden die
Hersteller grafischer Papiere an einer nach wie vor unbefriedigenden Ertragslage, weil sie den massiven Kostenauftrieb
nicht in den Erlösen unterbringen konnten.
Trotz vorübergehend entspannter Versorgungslage aufgrund der massiven Windwürfe ist das Holzpreisniveau
nach wie vor hoch. „Im wohlverstandenen Interesse langfristig guter Partnerschaft verhalten sich unsere Unternehmen
am Holzmarkt gegenüber der stark betroffenen Forstwirtschaft in aller Fairness“, erklärte Pfarl.
Große Sorge bereitet der Rückgang der Investitionen. Dazu Pfarl: „In den letzten 10 Jahren sind die
Investitionen in den heimischen Betrieben deutlich rückläufig und haben 2007 einen Tiefststand erreicht.
Das muss auch für die Politik ein schrilles Warnsignal sein – das Wachstum der Branche findet nicht in Österreich,
sondern in Osteuropa, Fernost und Südamerika statt!“ Aus Erfahrung gelte die Tatsache, „dass ausbleibende
Re- und Neuinvestitionen in der Zellstoff- und Papierindustrie nicht Stillstand sondern Rückschritt bedeuten!
Wir brauchen ein berechenbares, investitionsfreundlicheres Umfeld, um den auch volkswirtschaftlich hohen Stellenwert
unserer Industrie halten zu können.“
Thomas Salzer, Austropapier-Vizepräsident und Obmann des Fachverbands der Papierindustrie, ergänzte:
„Die Branche hat – auch durch ihre Nachhaltigkeit und Innovationskraft – ausgezeichnete Zukunftsperspektiven. Wir
sind nicht nur Vorreiter bei Top-Themen wie Arbeitssicherheit und Aus- und Weiterbildung, sondern wollen uns auch
verstärkt als attraktiver Arbeitgeber für die Jugend positionieren. Die Beschäftigtenzahl ist zwar
2007 leicht gesunken, die Lehrlingszahl ist aber konstant auf hohem Niveau. Um jedoch weitere Fortschritte im ökologischen
und sozialen Bereich umsetzen zu können, muss die wirtschaftliche Ertragskraft der Betriebe gestärkt
werden.“
„Die aktuelle Situation zeigt, dass wir erhöhte Produktionskosten kaum über die Produktpreise am Markt
weitergeben können. Dies muss unbedingt bei der Neuausrichtung der EU-Energie- und Klimapolitik für die
Post-Kyoto-Phase, also ab 2013, berücksichtigt werden“, forderte Max Oberhumer, Geschäftsführer
von Sappi Gratkorn und neuer Energiesprecher der Papierindustrie. „Als energieintensive Industrie müssen unsere
Betriebe unbedingt von der Auktionierung der Emissionszertifikate ausgenommen bleiben, sonst sind wir international
nicht mehr wettbewerbsfähig. Wir fordern ein Benchmarking-Modell, das umweltfreundliche und energieeffiziente
Unternehmen in der Zuteilung klar begünstigt. Von der Ökostromnovelle erwarten wir insbesondere die Kostendeckelung
auf betrieblicher Ebene, sowie endlich wettbewerbskonforme Rahmenbedingungen für den effizienten Einsatz unserer
Biomasselauge.“ |