GLOBAL 2000 fordert sofortiges Verbot von bienengefährlichen Pestiziden!
Wien (global 2000) - Eine aus aktuellem Anlass in Österreich durchgeführte Erhebung der
Imkerverbände zu Bienenverlusten und Bienensterben brachte alarmierende Ergebnisse zu Tage: Allein in den
ersten sechs Monaten dieses Jahres sind zwischen 2500 bis 3000 Bienenvölker zu Schaden gekommen. Es gibt starke
Hinweise für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Bienensterben und der Anwendung bestimmter
Pestizide zur Saatgutbeizung. „Schon seit Jahren beobachten die österreichischen Imker in der Zeit rund um
die Rapsblüte gehäuft auftretende Bienenverluste. Typisch dafür sind zuhauf krabbelnde und flugunfähige
Bienen, die keine klassischen Bienenkrankheiten aufweisen, dafür aber eindeutige Symptome von Vergiftungen“,
erzählt der Präsident des Österreichischen Erwerbsimkerbundes, Josef Stich, am 22.07. im Rahmen
einer Pressekonferenz von österreichischen Imkervertretern gemeinsam mit der österreichischen Umweltschutzorganisation
GLOBAL 2000. „Auch die Tatsache, dass die Schäden fast ausschließlich in agrarisch intensiv genutzten
Gebieten beobachtet werden, legt einen direkten Zusammenhang mit der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nahe“,
so Stich weiter.
Ein besonders dramatisches Bienensterben trat heuer im Süden Deutschlands auf, wo zehntausende Bienenvölker
vernichtet wurden. Die chemische Untersuchung der betroffenen Bienen am deutschen Julius Kühn Institut ergab,
dass diese mit Clothianidin, einem Pestizidwirkstoff aus der Gruppe der Neonicotinoide, in mehrfach letaler Dosis
kontaminiert waren. Mit sofortiger Wirkung wurden daraufhin acht Pestizide, die zur Saatgutbeize von Mais und Raps
verwendet werden, in Deutschland verboten. Entsprechende Verbote traten auch in Slowenien in Kraft, wo ein ebenfalls
dramatisches Bienensterben beklagt wird. „In Österreich hat das Landwirtschaftsministerium bislang kein Einziges
dieser Pestizide aus dem Verkehr gezogen“, kritisiert GLOBAL 2000 Umweltchemiker Helmut Burtscher. „Dabei ist spätestens
seit 2004 die Gefährlichkeit dieser Pestizide bekannt, denn schon damals wurden sie nach einer umfassenden
Untersuchung ihrer Wirkung auf Bienen in Frankreich verboten“, so Burtscher.
Der Präsident des Österreichischen Imkerbundes Josef Ulz ergänzt: „Vom Hersteller werden diese
Pestizide allesamt als Bienen nicht gefährdend bezeichnet. Das zeigt, dass die Methoden mit denen die Bienengefährlichkeit
von Pestiziden bewertet wird, unzureichend sind. Viel zu wenig berücksichtigt werden solche Pestizidwirkungen,
die für die einzelnen Bienen zwar noch nicht tödlich sind, das Bienenvolk in seiner Gesamtheit aber so
weit schwächen, dass es über einen längeren Zeitraum nicht mehr überlebensfähig ist.“
Daher fordern GLOBAL 2000 und die Österreichischen Imkerverbände:
- Aufhebung der Zulassung neonicotinoidhaltiger Saatgutbeizmittel mit sofortiger Wirkung.
- Sicherstellung, dass bei der Rapsaussaat Ende August kein mit Neonicotinoiden gebeiztes Saatgut zur Anwendung
kommt.
- Auftretende Bienenverluste sind intensiv zu erforschen, die finanziellen Mittel hierfür müssen zur
Verfügung gestellt werden.
- Eine objektive und unabhängige Darstellung von Untersuchungsergebnissen muss sichergestellt sein.
- Bienengefährliche Wirkstoffe dürfen in der EU nicht zugelassen werden. Österreich muss sich
dafür einsetzen, das Kriterium „bienengefährlich“ als Ausschlusskriterium in die EU Zulassungsverordnung
mit aufzunehmen.
Insbesondere müssen im Rahmen des Zulassungsverfahrens von Pestiziden subletale Effekte stärker berücksichtigt
werden.
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