Start im kulturellen Stadtlabor "Palais Kabelwerk" am 1. Oktober
Wien (rk) - Am 1. Oktober 2009 nimmt ein neues Kulturzentrum nach knapp einjähriger Bauzeit
seinen Betrieb auf. "Das kulturelle Experiment ‚Kabelwerk' in Meidling hat sich zu einem dauerhaften Stadtlabor
für innovative Kunst und Kultur weiterentwickelt, wo die freie Szene auch in Zukunft ihren Platz haben wird",
erklärte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny an 23.09. bei der Pressekonferenz zur Eröffnung des "Palais
Kabelwerk" in Wien.
Dem Prinzip phantasievoller Vielfalt folgend, wird das neue Kulturzentrum mit einer Vielzahl von "Opener"
aus den unterschiedlichsten Formaten starten. Den Beginn macht die Darstellende Kunst mit dem Festival "Roter
Oktober", einer Kooperation mit den "wiener wortstaetten". Parallel dazu ist unter dem Titel "@work
im Kabelwerk" die Bildende Kunst mit dem in Wien lebenden Künstlerinnenkollektiv "TISI" Martina
"TINEDA" Eder und Silvia "SIKO" Konrad im kulturellen Stadtlabor vertreten.
"Das neue Kulturzentrum erhöht nicht nur die Attraktivität und Lebensqualität des neuen Stadtteils
im Süden Wiens, sondern wird generell für neue Impulse und eine weitere Belebung der Wiener Kulturlandschaft
sorgen", ist Mailath überzeugt. Die Stadt Wien stellte für den Neubau inklusive einer entsprechenden
Grundausstattung 3,4 Millionen Euro zur Verfügung. Für den laufenden Betrieb bis 2013 werden weitere
1,6 Millionen Euro bereitgestellt. "Das 'Palais Kabelwerk' ist als offene, niederschwellige und bevölkerungsnahe
Kultureinrichtung für den Süden Wiens konzipiert", beschreiben die beiden Standortbetreiber Kurt
Sedlak und Erich Sperger die Grundidee. Unkompliziert und unkonventionell sind auch die Zugangsmöglichkeiten
zu den Ressourcen des Stadtlabors: Jeden Mittwoch um 11 Uhr können ProjektwerberInnen unangemeldet die Räumlichkeiten
des "Palais Kabelwerk" besichtige und ihre Projekte vorstellen.
Aufspüren und Fördern kreativer Potenziale
Die konzeptionelle Ausrichtung als "Stadtlabor" sieht ein Produktions- und Kommunikationszentrum vor,
welches sich vorrangig dem Aufspüren kreativer Potenziale und deren Förderung widmet. "Alle Identitätszüge
des bisherigen Kulturprojektes aus der Zeit der sogenannten Zwischennutzung, wie autonomer Standortbetreiber, offener
Zugang für unterschiedliche Formate, Initiativen und Projektwerber als auch Anraineraktivitäten und Kooperationen
mit dem Bezirk sowie den Institutionen der Stadt Wien, bleiben ebenso ungeschmälert erhalten, wie das gezielte
Aufspüren kreativer Potenziale aus dem geistigen Kraftfeld der Metropole", beschreiben Kurt Sedlak und
Erich Sperger die inhaltliche und konzeptionelle Ausrichtung des Hauses. Dazu kommen internationale Kooperationen
gleichauf mit regionalen Festivals und weltweiter Austausch mit KünstlerInnen. Ein eigens eingerichteter soziokultureller
Sektor garantiert den niederschwellig n Zugang zu allen Formaten und Projekten.
Verstärkung im Team
Die bereits in der Zwischennutzung erfolgreichen Standortbetreiber Kurt Sedlak und Erich Sperger haben
sich für das künftige Leitungsteam entsprechende Verstärkung geholt. Charlotte Schleicher wurde
mit der Kaufmännischen Leitung betraut, als Technischer Leiter wurde Michael Hahnekamp bestellt, für
kurative Aufgaben im Bereich Bildender Kunst und spartenübergreifender Projekte ist künftig Silvia "SIKO"
Konrad zuständig, als Berater für institutionelle Kontakte wird Richard Vrzal tätig sein. Sedlak
und Sperger sehen sich nicht als Intendanz, sondern wollen als Dienstleister für die vielfältigen Kreativpotenziale
der Stadt auftreten und unterstützend die vorhandenen Ressourcen bereitstellen.
"Roter Oktober" im Kabelwerk
Mit dem Festival "Roter Oktober", eine Kooperation mit den wiener wortstaetten (Künstlerische
Leitung: Hans Escher, Bernhard Studlar), wird das Format Darstellende Kunst pünktlich zum 1. Oktober beginnen.
Die Hauptproduktion "Mein Wien", vier Episoden von Ana Bilic, Jasmina Eleta, Ursula Knoll und Rhea Krcmárová,
setzt sich in charmanter, abgründiger und poetischer Weise mit dem Wien von heute auseinander. In Form eines
Theaterplanquadrats erkunden zwei freie Theatergruppen den neuen Wiener Stadtteil Kabelwerk. Franz Hautzingers
"Gomberg Swinger Club", eine Buchpräsentation sowie der Performance-Abend "80 Jahre Schwarzer
Freitag" runden das vielfältige Programm ab. (www.roter-oktober.at)
Architektur unterstreicht Offenheit
"Das Palais Kabelwerk ist ein unmissverständliches kulturelles Zeichen, seine architektonische Form ist
das, was gebraucht wird, um den basiskulturellen Aktivitäten sowie den verschiedenen künstlerischen Improvisationen
gerecht zu werden", so Sedlak. Der solitär ausgeformte, terrassenförmig angelegte Kulturbau umfasst
auf mehreren Ebenen zwei voneinander unabhängig bespielbare Mehrzwecksäle, eine groß angelegte
Funktionsterrasse mit Buffet und Besucher-Lounge sowie drei "artist in residence" Bereiche. Als Besonderheit
der angestrebten bevölkerungsnahen offenen Struktur werden im neu angelegten Stadtteil zusätzlich nutzbare
Erdgeschosszonen für den "Project Space" und den soziokulturell genutzten Groundfloor angegliedert.
Barrierefrei für alle
Besonderer Bedacht wurde bereits bei der Bauführung auf Menschen mit Behinderung gelegt. "Sie sind im
Palais Kabelwerk nicht nur als passive BesucherInnen, sondern auch als kreative AkteurInnen herzlich willkommen",
betonte Sedlak. Alle Spielebenen sind mit Rollstühlen einfach befahrbar; eine Künstlergarderobe ist zusätzlich
mit einer behindertengerechten Dusche ausgestattet. Selbst der Lift wurde funktionell den speziellen Bedürfnissen
angepasst. "Das kulturelle Stadtlabor im Palais Kabelwerk ist für alle Menschen barrierefrei und kommt
damit dem Anspruch 'Kultur für alle' sehr nahe", betonten die Betreiber abschließend. |