Wien (bgf) - Mit 1. 1. 2011 wurde in der Gesundheit Österreich GmbH eine Nationale Koordinationsstelle
für Seltene Erkrankungen (NKSE) eingerichtet. Als Informationsdrehscheibe für Health Professionals, Betroffene
und Angehörige soll sie dazu beitragen, den spezifischen Herausforderungen von Menschen mit Seltenen Erkrankungen
gezielter zu begegnen und integrative Gesamtkonzepte für die Diagnose- und Versorgungswege zu erarbeiten.
"Betroffene von seltenen Erkrankungen fühlen sich oft alleine gelassen, dagegen wollen wir jetzt ein
Zeichen setzen", betonte Gesundheitsminister Alois Stöger anlässlich des diesjährigen Tages
der Seltenen Erkrankungen.
Zu den Aufgaben der neuen Koordinationsstelle gehört es, die medizinischen Leistungsangebote zu identifizieren
und zu strukturieren sowie Grundlagen für einen Nationalen Aktionsplan für Seltene Erkrankungen zu erarbeiten.
Ebenfalls auf der Agenda stehen die Fortführung und der Ausbau der Österreich-spezifischen Informationen
im Internetportal Orphanet (www.orpha.net). Diese Plattform bietet bereits jetzt Informationen für Hilfesuchende
zu nationalen sowie internationalen ExpertInnen, medizinischen Spezialeinrichtungen, laufenden und geplanten klinischen
Studien, Therapieoptionen und Angeboten sowie Kontaktinformationen zu Selbsthilfegruppen in mehr als 30 Ländern.
Von "Seltene Erkrankungen" (Rare Diseases, Orphan Diseases) spricht man laut Definition der Europäischen
Union, wenn im Durchschnitt nicht mehr als eine Person pro 2.000 EinwohnerInnen betroffen ist. Es handelt sich
dabei oftmals um schwerwiegende, chronische, mehrere Organsysteme betreffende Erkrankungen, die dauerhafte Invalidität
nach sich ziehen können. Unbehandelt gehen Seltene Erkrankungen in den meisten Fällen mit einer eingeschränkten
Lebenserwartung einher. In etwa 80 Prozent der Fälle liegen ihnen genetische Ursachen zugrunde.
Aufgrund der Seltenheit und des fehlenden öffentlichen Bewusstseins sind betroffene Personen und ihre Angehörigen
mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert: So fehlt es oft an Diagnose- und Behandlungsstandards sowie verfügbaren
Therapien, auch das Forschungsinteresse der Industrie ist aufgrund geringer Absatzchancen oft wenig ausgeprägt. |