Krise besser bewältigt als in anderen Sektoren, Nachhaltigkeit im Vordergrund
Wien (bmlfuw) - Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich und Ernährungsexpertin Hanni Rützler
von „futurefoodstudio“ präsentieren am 23.03. den 5. österreichischen Lebensmittelbericht, der aktuelle
Daten und Fakten dieses Sektors ebenso bietet wie Trends beim Lebensmittelkonsum und Einkaufverhalten. Erstmals
werden in diesem Nachschlagewerk auch Entwicklungen der vergangenen zehn Jahre und Zusammenhänge zwischen
Klimaschutz und Ernährung erläutert.
Krise vergleichsweise gut gemeistert
„Der Lebensmittelbericht 2010 zeigt, dass Österreich auf dem richtigen Weg ist. Wir sind gut versorgt mit
sicheren, qualitativ hochwertigen Lebensmitteln aus heimischer Produktion“, betont Berlakovich. Die Wirtschaftskrise
sei zudem besser bewältigt worden als in anderen Sektoren. „Die österreichische Lebensmittelbranche verzeichnete
2009 ein vergleichsweise geringes Umsatzminus von 7%, während die sonstige Industrieproduktion einen Rückgang
von 20% verkraften musste“, so der Landwirtschaftsminister. Der Lebensmitteleinzelhandel habe im gleichen Jahr
sogar eine Umsatzsteigerung von 2% verzeichnet. „Zusätzlich zum Bericht zu erwähnen ist, dass sich auch
die Einkommen der Bäuerinnen und Bauern nach einem massiven Minus von 28% im Jahr 2009 im Vorjahr mit einem
Plus von 12,4% wieder etwas verbessert haben. Auch die Agrarexporte sind nach einem Minus im Jahr 2009 im Vorjahr
wieder um 8,3% auf 7,74 Mrd. Euro gestiegen. Heimische Lebensmittel überzeugen im In-und Ausland“, berichtet
Berlakovich.
Europäisches Lebensmittelmodell und bessere Einkommensverteilung wichtig
„Die Daten zeigen, dass es nach der Krise für die gesamte Lebensmittel-Wertschöpfungskette wieder bergauf
geht, wofür ich mich auf nationaler und europäischer Ebene eingesetzt habe“, so Berlakovich, der seine
verschiedensten Initiativen zur Milch- und Schweinefleischpreis-Stabilisierung hervorhob. Nach dem Dioxin-Skandal
in Deutschland habe er außerdem ein Umdenken der EU mit einem europäischen Lebensmittelmodell gefordert,
das in der vergangenen Woche in den Grundsatzpositionen des EU-Landwirtschaftsministerrates zur Zukunft der Gemeinsamen
Agrarpolitik (GAP) verankert worden sei. Dafür müsse das österreichische Modell als Vorbild dienen.
„Wichtig ist auch, dass die EU die Gewinnverteilung in der Wertschöpfungskette transparenter und besser gestaltet“,
so der Minister.
Bio ist zum Standard geworden
Im Hinblick auf die im Bericht enthaltenen Trends zeigt sich, dass Österreich im Biobereich mit 20%
der Agrarnutzfläche weiterhin europaweiter Spitzenreiter ist. Der Biolebensmittelumsatz hat sich innerhalb
von zehn Jahren von 308 auf 984,2 Millionen Euro im Jahr 2009 verdreifacht. Selbst in diesem schwierigen Jahr konnte
ein Umsatzplus von 5,8% verzeichnet werden. Immer mehr Biolebensmittel werden zudem über den LEH abgesetzt.
Regionalität bleibt weiter im Trend
Weiterhin im Trend liegt Regionalität, wie Ernährungsexpertin Rützler betont. Laut einer
Fessl gfk-Umfrage geben 87% der Befragten an, regionale Produkte im Haushalt zu verwenden, Mit „Genuss Region Österreich“
gibt es seit 2005 eine Regionalitätsinitiative des Lebensministeriums, die mittlerweile von 25 auf 113 Regionen
gewachsen ist. Mit Leitprodukten der Genuss Regionen werden pro Jahr durch die Lizenznehmer 133 Millionen Euro
Umsatz gemacht. Die Hauptgründe für den Konsum regionaler Produkte sind laut Rützler die erwartete
Frische (80%), die hohe Qualität (79%) und der gute Geschmack (77%). Zwei Drittel der KonsumentInnen verbinden
Regionalität aber auch mit Natürlichkeit und 59% haben ein größeres Vertrauen in die Produktion
und Verarbeitung dieser Produkte. Das sind alles Kriterien, die bei der Einkaufsentscheidung immer wichtiger werden.
Herkunftskennzeichnung auch bei Verarbeitungsprodukten wichtig
Hand in Hand mit der Regionalität geht die Herkunft und ihre Kennzeichnung. Das seit Jahren bewährte
rot-weiß-rote AMA Gütesiegel garantiert die österreichische Herkunft und ausgezeichnete, kontrollierte
Qualität. Weiters bieten die Absicherungssysteme “bos“ im Rindfleisch- und „sus“ im Schweinefleischbereich
Sicherheit. „Aber auch bei Verarbeitungsprodukten wollen die Konsumentinnen und Konsumenten die Herkunft der Hauptrohstoffe
kennen. Es ist wichtig, dass sich der Gesundheitsminister für eine solche, verpflichtende Kennzeichnung einsetzt“,
betont Berlakovich.
Weniger Rind- und Schweinefleisch, mehr Milch, Obst und Gemüse
Der Fleischverbrauch ist innerhalb von zehn Jahren relativ stabil geblieben (-2,5%) und der Konsum von
Milchprodukten um 5,4% gestiegen. Es wird weniger Rind- und Schweinefleisch, Zucker, Honig, Bier und Wein gekauft,
Geflügelfleisch, Fisch, Milchprodukte, Gemüse, Obst, pflanzliche und tierische Fette sowie Mineralwasser
finden größeren Absatz.
Konstante bis steigende Selbstversorgungsgrade
Außerdem verdeutlicht der Bericht, dass die heimischen Bäuerinnen und Bauern die Ernährung der
österreichischen Bevölkerung in den wichtigsten Bereichen sichern. So hat Österreich einen Selbstversorgungsgrad
(2009) von über 100% bei Konsummilch, Fleisch, Getreide und Wein sowie von über 90% bei Kartoffeln und
Hülsefrüchten. Konsummilch nahm als einziges Produkt kontinuierlich von 107% auf 153% zu. Bei Obst und
Gemüse liegt der Selbstversorgungsgrad kontinuierlich bei 60 %. Darüber hinaus ist „Made in Austria“
auch ein Exportschlager. So konnte die Ausfuhrquote der heimischen Lebensmittel-Industriebetriebe innerhalb von
zehn Jahren von 35 auf fast 60% gesteigert werden.
Zusammenhang zwischen Klimaschutz und Ernährung
Erstmals geht der Lebensmittel-Bericht auch auf den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Ernährung ein. Klar
ist, dass regionale, saisonale und biologische Produkte mit geringen und eingeflogene Lebensmittel mit erheblichen
Treibhausgas-Emissionen verbunden sind. Doch auch höher verarbeitete Lebensmittel bewirken einen größeren
Kohlendioxid-Ausstoß. Die Landwirtschaft ist derzeit global mit 22% und EU-weit mit 9% und an den Treibhausgasemissionen
beteiligt, in Österreich sind es vergleichsweise geringe 8,8%. „Die österreichische Landwirtschaft erfüllt
vorbildlich ihre Klimaziele. Dennoch werden wir uns nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen. Nicht zuletzt, weil die
Landwirtschaft selbst unmittelbar vom Klimawandel betroffen ist“, so Berlakovich. |