Ergebnisse leicht rückläufig – Erzeugerpreise wurden 2010 im Schnitt um 9% erhöht
Wien (bmlfuw) - Die Umsätze der heimischen Molkereien erreichten 2010 mit Euro 2,08 Mrd. ein
Plus von rund 5%. Dies ist zum einen auf das gestiegene Preisniveau bei Milchprodukten sowie auf die höhere
Verarbeitungsmenge zurückzuführen. Das bereinigte Ergebnis (EGT) ging im Durchschnitt der Betriebe von
1,8 auf 1,5% des Umsatzes zurück. Der durchschnittliche Verwertungserlös je Kilogramm eingesetzter Milch
stieg laut Hochrechnung des OÖ Raiffeisenverbandes von 67,80 auf 69,95 Cent.
Dies teilte Helmut Petschar, Geschäftsführer der Kärntnermilch und Präsident der Vereinigung
Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), am 19.04. vor Journalisten mit. "Weitere Preisanpassungen
werden aufgrund der zu erwartenden Marktlage notwendig sein", so Petschar.
Stabilisierung auf den Märkten
"2010 war für die österreichische Milchwirtschaft das Jahr der Stabilisierung auf den Märkten.
Nach dem schwierigen Jahr 2009 ist es den heimischen Molkereien gelungen, Preiserhöhungen durchzusetzen und
somit zu einer notwendigen Verbesserung der bäuerlichen Einkommen beizutragen. Hintergrund war ein deutlich
erholter Weltmilchmarkt, der aufgrund der Offenheit der Märkte auch auf Österreich durchgeschlagen hat.
Im Außenhandel konnte die Milchwirtschaft ebenfalls zulegen", berichtete Petschar. Auch in Europa und
weltweit sei eine verbesserte Markt- und Absatzlage feststellbar gewesen. "Insbesondere kam es auf wichtigen
Exportdestinationen der EU zu einer deutlich verbesserten Nachfrage. Die öffentlichen Interventionsmengen
wurden abgebaut, und auch die europaweit gestiegenen Anlieferungsmengen konnten auf den wachsenden Märkten
gut untergebracht werden", so der VÖM-Chef.
Die aktuell feste Marktentwicklung innerhalb der EU sei im gleichen Ausmaß auch auf den Weltmärkten
feststellbar. Die EU habe alle Exportbeihilfen eingestellt und übernehme auch keine Mengen in die Interventionen.
In Ländern mit offenen Märkten sowie in Entwicklungsländern komme es im Vergleich mit zurückliegenden
Jahren zu einer deutlichen Preiserhöhung, der eine entsprechende Nachfrage gegenüberstehe.
Verbesserungen bei heimischen Erzeugerpreisen
Die österreichischen Molkereien konnten laut VÖM im vergangenen Jahr die Auszahlungspreise für Milch
im Schnitt von 32,48 auf 35,52 Cent/kg um 9,4% (auf Basis natürlicher Inhaltsstoffe und inklusive Mehrwertsteuer)
erhöhen. Ursache dafür waren die freundliche Entwicklung auf dem Milchmarkt sowie auf den Rohstoffmärkten
allgemein, weiters eine stabile Absatzentwicklung und verbesserte Exportmöglichkeiten.
"Die heimischen Molkereien haben in den vergangenen Quartalen eine große Vorleistung durch die Milchauszahlung
an die Bauern erbracht. Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld je Lieferant wurde von Euro 23.215,- auf 26.913,-
um 15,9% angehoben. Damit konnte ein dringend notwendiger Beitrag zur Einkommens-Stabilisierung auf den österreichischen
Bauernhöfen nach der Milchkrise erreicht werden", unterstrich Petschar. Die Zahl der Milchlieferanten
ging allerdings im Jahr 2010 von 37.894 auf 36.700 zurück (-3%), der Strukturwandel setzte sich also fort.
Die durchschnittliche Milchanlieferung je Hof nahm gleichzeitig von 71,5 auf 75,8 t pro Jahr zu.
Österreichische Milchpreise über EU-Schnitt - Abstand zu BRD schrumpfte
Petschar verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass laut EU-Berechnungsmethode die österreichischen
Erzeugermilchpreise im Jahr 2010 mit 31,8 Cent exklusive MwSt. um 4,3% oder 1,3 Cent über dem gewichteten
EU-Durchschnitt von 30,5 Cent sowie über den deutschen Preisen lagen. Der Abstand zur BRD verringerte sich
allerdings in Folge der rascheren Preissteigerungen in Deutschland. Dies sei zum Teil auf eine veränderte
Produktionsausrichtung (größerer Anteil an Großhandelsprodukten wie Blockbutter und Milchpulver)
zurückzuführen, deren Notierungen stärker und schneller gestiegen seien. Außerdem sei es den
österreichischen Handelsketten offensichtlich gelungen, die notwendigen Preisanpassungen hinauszuschieben.
Stabiler Milchabsatz
2010 war auf dem österreichischen Absatzmarkt eine weitgehend stabile Entwicklung feststellbar und zwar sowohl
bei den Mengen (plus 0,2%) als auch wertmäßig (plus 0,7%). Das bedeutet, dass Milchprodukte inflationsbereinigt
sogar billiger wurden. (Quelle RollAMA). Gründe dafür waren verstärkte Sonderaktionen der Supermärkte,
der höhere Druck durch billigere Eigenmarken des Handels und die verspäteten Preisanpassungen.
Milchwirtschaftlicher Außenhandel konnte sich erholen
Im Jahr 2010 konnte sich der milchwirtschaftliche Außenhandel deutlich erholen. Die Exporte kletterten laut
VÖM-Geschäftsführer Johann Költringer von Euro 848 Mio. auf 904,7 Mio., was einem Plus von
6,6% entspricht. Auch die Importe stiegen von Euro 494,5 Mio. auf 531,7 Mio. (+7,5%). Dies bedeutet eine Steigerung
des positiven Außenhandelssaldos um 5,4% auf Euro 373 Mio. sowie eine Exportquote von 43,5% und eine Importquote
von 25,6%. Damit konnte der Rückgang des Jahres 2009 zum Großteil wieder aufgeholt und das zweitbeste
Exportjahr nach 2008 erreicht werden. Als Wermutstropfen sieht die VÖM die deutlich steigenden Importe vor
allem im unteren Preisbereich bei Handelsmarken sowie bei Rohstoffen für die Weiterverarbeitung. Diese Entwicklung
unterstreiche die hohe Abhängigkeit der österreichischen Milchwirtschaft von der Entwicklung am EU- und
Weltmilchmarkt, so Költringer.
Käse wichtigstes Exportprodukt
Nach wie vor wichtigstes Exportprodukt ist der Käse. Ausfuhren im Wert von Euro 387 Mio. stehen hier Importe
von Euro 317 Mio. gegenüber. Wichtigste Abnehmer sind Deutschland und Italien. Der österreichischen Milchwirtschaft
gelingt es dabei vermehrt, höherwertigere Produkte zu exportieren, während vor allem preisgünstige
Käsesorten, die zumeist als Eigenmarken des Lebensmittelhandels angeboten werden, eingeführt werden.
Eine wichtige Position im Außenhandel ist der Export von fermentierten Milchprodukten sowie Joghurt. Hier
wurden 160 Mio. t mit einem Wert von Euro 170 Mio. exportiert, während 51,5 Mio. t um Euro 57,5 Mio. importiert
wurden. Anhaltend hoch sind die Einfuhren von Butter mit einer Menge von 14.500 t, während nur 2.500 t exportiert
werden konnten. Import-Butter landet vor allem bei den Handelsketten sowie in der weiterverarbeitenden Industrie.
Der Export von unverarbeiteter Tankmilch durch Molkereien macht nur mehr 3,9% des Umsatzes aus und dient vor allem
dem Ausgleich von Anlieferungsspitzen.
Außenhandel mit Erweiterungsländern zeigt erfreuliche Entwicklung
Sehr erfreulich hat sich im abgelaufenen Jahr der Außenhandel mit den zwölf Erweiterungsländern
der EU entwickelt. Exporten im Wert von Euro 87,3 Mio. standen Importe von Euro 35,7 Mio. gegenüber. Dies
führte auch hier zu einem positiven Außenhandelssaldo von Euro 51,6 Mio. (2009: Euro 33,6 Mio.). Wichtigste
Exportmärkte sind hier Slowenien, Ungarn, Polen, die Slowakei und Tschechien. Importiert wurde hingegen vor
allem aus Polen und Tschechien, und hier insbesondere fermentierte Produkte eines bekannten internationalen Markenherstellers.
Zunehmender Druck des Lebensmittelhandels
"Neben diesen durchaus positiven Entwicklungen sieht sich sie österreichische Milchwirtschaft
einem steigenden Druck durch den im Inland stark konzentrierten Lebensmitteleinzelhandel konfrontiert", berichtete
Petschar. Dies äußere sich in der starken Zunahme von Eigenmarken und Diskontprodukten, diversen "Bestpreisgarantien",
bei denen auch importierte Standardprodukte höherwertigen inländischen Produkten entgegengestellt würden,
sowie in einer zunehmenden "Aktionitis" und in einer Hinhalte-Taktik bei notwendigen Preisanpassungen.
"Die österreichische Milchwirtschaft erwartet sich vom Handel ein faires Marktverhalten und die Bereitschaft,
die Vorzüge der heimischen Qualitätsprodukte entsprechend zu honorieren. Höchste Qualität zum
billigsten Preis ist auf Dauer nicht möglich", unterstrich der VÖM-Präsident.
Er verwies darauf, dass Molkereiprodukte für Konsumenten immer noch sehr günstig seien. "Laut Statistik
Austria kam es bei der Gruppe 'Molkereiprodukte und Eier' im Jahr 2010 sogar zu einem Rückgang um 1,3%. Milchprodukte
und Eier sind seit 1986 preislich um nur 24% gestiegen, Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke um insgesamt
48,5%, der Gesamtindex um 66,7%. Wohnen, Wasser und Energie wurden dem gegenüber um 101,1% teurer, und die
Tariflöhne sind um 112% angehoben worden", gab Petschar zu bedenken. Außerdem würden vom durchschnittlichen
österreichischen Haushaltseinkommen nur mehr 12% für Lebensmittel ausgegeben.
Österreich setzt weiter auf Qualitätsstrategie
"Die heimische Milchwirtschaft setzt anstelle von Tiefstpreisen weiterhin auf Qualität. Mit unseren hohen
Standards wollen wir den gestiegenen Ansprüchen unserer Konsumenten begegnen. Unverfälschte und bestens
kontrollierte Produkte aus umweltfreundlicher und damit klimaschonender Erzeugung sichern zudem unsere Landschaft.
Zudem haben unsere Molkereien mit der gentechnikfreien Produktion eine internationale Einzigartigkeit, die für
die Kunden eine zusätzliche Sicherheit bietet", betonte Petschar. Der hohe Anteil an Biobauern sowie
die freiwillige Teilnahme an Umweltprogrammen bieten die Basis für zusätzliche Qualitätsschienen,
wie etwa Heumilch oder regionale Spezialitäten. Um diese heimischen Produkte vor unlauterer Konkurrenz zu
schützen fordere die Milchwirtschaft eine strenge, für die Konsumenten nachvollziehbare Kennzeichnung
sowie faire Preise, die diese zusätzlichen Leistungen ermöglichen.
Im Hinblick auf das Auslaufen der EU-Milchquote gelte es, die Wettbewerbssituation der heimischen Betriebe weiter
zu verbessern. Dazu seien im Rahmen des EU-Milchpaketes Vorschläge in Vorbereitung, die vor allem die Stellung
der Milcherzeuger und -verarbeiter in der Lebensmittelkette aufwerten und zu einem ausgeglicheneren Kräfteverhältnis
führen sollen. "Bei der derzeit auf EU-Ebene diskutierten Lebensmittelkennzeichnung erwarten wir Regelungen,
die irreführende Bezeichnungen abstellen und somit den höheren Qualitäten zum Durchbruch helfen",
sagte der VÖM-Präsident. |