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ÖGB-Präsident Foglar in der ORF-"Pressestunde" |
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erstellt am
06. 06. 11
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Foglar: Steuergerechtigkeit, damit mehr Netto vom Brutto bleibt
ÖGB macht Druck für Umschichtungen im Steuersystem
Wien (ögb) - ÖGB-Präsident Erich Foglar machte in der ORF-"Pressestunde" vom 05.06.
erneut Druck für rasche Umschichtungen im Steuersystem. Den Großteil der Steuerelast würden die
ArbeitnehmerInnen und KonsumentInnen tragen, die großen Vermögen würden einen viel zu niedrigen
Beitrag leisten. "Wir brauchen eine Umschichtung: ArbeitnehmerInneneinkommen entlasten und höhere Beiträge
von Vermögenden."
Foglar kritisierte einmal mehr die Ungleichgewichte im Steuersystem. "Aus Vermögenssteuern holt sich
der Staat gerade einmal 1,4 Prozent seiner Steuereinnahmen, aber von den ArbeitnehmerInnen und KonsumentInnen gut
zwei Drittel, das ist eine eklatante Schieflage. Wir wollen eine Umschichtung im Steuersystem: die Einkommen der
arbeitenden Menschen entlasten, dafür von den tatsächlich hohen Vermögen höhere Beiträge
zur Finanzierung des Staatshaushaltes einheben." Würde man in Österreich die Einnahmen aus Vermögenssteuern
auf die Höhe des EU-Durchschnitts von 5,4 Prozent anheben, erläuterte Foglar, kämen vier Milliarden
Euro ins Budget. "Wir brauchen diese Umschichtung dringend, die ArbeitnehmerInnen müssen entlastet werden.
Und auf Ebene der EU brauchen wir rasch die Finanztransaktionssteuer, es wäre nur gerecht, wenn dieser Sektor
auch endlich etwas beitragen würde."
Für die Entwicklung der Bruttoeinkommen sei die Lohnpolitik der Gewerkschaften verantwortlich, sie hätten
selbst im härtesten Krisenjahr in allen Branchen Zuwächse gebracht. Foglar: "Wie viel dann Netto
übrig bleibt, hängt vom Steuersystem ab, und da ist primär die Finanzministerin zuständig.
Von den Lohnverhandlungen bleibt viel zu wenig übrig, das ist ungerecht, das muss sich ändern. Den ArbeitnehmerInnen
muss endlich mehr Netto vom Brutto im Börsel bleiben."
Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt abstellen
"Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen sind tatsächlich ein Schandfleck",
sagte Foglar. Es gebe bereits viele Maßnahmen, darunter die betrieblichen Einkommensberichte, die für
mehr Transparenz sorgen werden, außerdem Stellenausschreibungen mit Gehaltsangaben oder dass beim Ausbau
von Kinderbetreuungseinrichtungen nicht gespart werde. "Auch die Gewerkschaften leisten immer wieder Beiträge,
zum Beispiel, wenn bei Lohnverhandlungen die niedrigeren Einkommensgruppen stärker angehoben werden. Es muss
aber viel mehr getan werden, Diskriminierungen müssen radikal abgeschafft werden, und es muss schneller gehen."
Beste Schulausbildung ist Basis für gute Chancen im Beruf
Für die Bildung verlangt Foglar einen Systemwechsel und eine Gesamtbetrachtung. Foglar: "Wir müssen
dafür sorgen, die Schwächen und die Ungerechtigkeiten im System rasch zu beseitigen, damit alle Kinder,
die aus der Pflichtschule kommen, lesen, schreiben und rechnen können, um eine Berufsausbildung beginnen zu
können." Die Trennung der Kinder in Schultypen bereits mit zehn Jahren sei einer der größten
Fehler im Schulsystem. Das Schulsystem dürfe außerdem nicht selektieren und sanktionieren, sondern müsse
Talente und Stärken erkennen und fördern und Schwächen beseitigen. Der ÖGB werde gemeinsam
mit den Sozialpartnern den Dialog mit der Regierung fortsetzen, um das Bildungssystem rasch zu verbessern. "Wir
können nicht warten, wir brauchen rasch Maßnahmen, die es den Kindern ermöglichen, nach der Pflichtschule
eine Berufsausbildung zu beginnen."
Auch bei der dualen Berufsausbildung bestehe Handlungsbedarf. Es fehle zum Beispiel an Durchlässigkeit zwischen
der Lehre und berufsbildenden höheren Schulen. Foglar: "Wir brauchen auch in der dualen Berufsausbildung
einen Turbo-Schub. Die Lehre muss aus der Sackgasse geholt werden, nur so werden wir auch in Zukunft die nötigen,
gut ausgebildeten Fachkräfte haben." |
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Rudas: Österreichs Steuersystem muss gerechter werden
Faktor Arbeit entlasten
Wien (sk) - SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas betonte, dass Österreichs Steuersystem
gerechter werden müsse: "Wir müssen die Steuern auf leistungsbezogene Einkommen, also auf Arbeit
senken und die Steuern auf leistungslose Einkommen wie Vermögenszuwächse erhöhen", sagte Rudas
gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. Die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin unterstützte außerdem
die Aussagen von ÖGB-Präsident Foglar in der ORF-"Pressestunde", der unter anderem die Einführung
einer Finanztransaktionssteuer forderte. "Es ist nur gerecht, wenn diejenigen einen fairen Beitrag leisten,
um die Folgen der Krise zu bewältigen, die sie mit verursacht haben", sagte Rudas.
Jeder müsse hier einen gerechten Beitrag leisten, betonte Rudas. "Das können aber nicht nur die
österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sein. Vielmehr geht es um mehr Einnahmen von denen, die
es sich leisten können - etwa von internationalen Konzernen, Stiftungen und Spekulanten", so Rudas. Die
Bankenabgabe sei da ein erster wichtiger Schritt. Es bedürfe aber noch weiterer Schritte, um Österreichs
Steuersystem gerechter zu machen. "Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer wäre ein wesentlicher
Beitrag", so Rudas. Außerdem müsse der Faktor Arbeit entlastet werden. "Die Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer sind die wahren Leistungsträger in der Gesellschaft", unterstrich Rudas. |
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Rauch: Mittelstandssteuern a la Foglar rauben Österreichs Zukunft
ÖVP schützt die Tüchtigen, die diesen Staat erhalten - Entlastung statt
neuer Belastung ist die Devise
Wien (övp-pd) - Deutliche Worte für die Steuerpläne des ÖGB findet ÖVP-Generalsekretär
Hannes Rauch: "Mit der ÖVP wird es keine Mittelstandssteuern a la ÖGB geben", betont der ÖVP-
General in Bezug auf die Aussagen von ÖGB-Präsident Foglar in der ORF-"Pressestunde". Klar
ist: "Die Tüchtigen ausquetschen zu wollen, auf bereits mehrfach versteuertes Eigentum hin greifen zu
wollen, den Leistenden in die Taschen zu langen - das wird es mit der ÖVP nicht geben", so der ÖVP-General.
Denn die Belastungsideen von Foglar - wie Erhöhung der Grundsteuer, Wiedereinführung der Erbschafts-
und Schenkungssteuer - "treffen genau jene, die für den Erhalt des Sozialstaates Österreich einen
massiven Beitrag leisten. Genau jene, die tagtäglich hart arbeiten um sich und ihren Familien etwas aufzubauen",
so Rauch, der auch Foglars drängen, eine Finanztransaktionssteuer auf nationaler Ebene einzuführen, eine
Absage erteilt: "Das würde dem Standort Österreich schaden und uns entscheidende Wettbewerbsvorteile
rauben." Ziel ist eine Finanztransaktionssteuer auf europäischer Ebene.
Rauch abschließend: "Die ÖVP arbeitet an einer Vereinfachung des Steuersystems und will eine Entlastung
des Mittelstandes - sobald wir uns den Spielraum dafür erarbeitet haben. Familien und Leistungsträger
müssen dann im Fokus der Entlastung stehen." |
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Kickl: Foglar ist willfähriger Handlanger des SPÖ-Propaganda
ÖGB wirft soziales Gewissen hurtig über Bord
Wien (fpd) - ÖGB-Chef Foglar habe sich einmal mehr als willfähriger Handlanger der SPÖ-Propaganda
erwiesen, meinte FPÖ-Generalsekretär NAbg. Herbert Kickl, der auch Arbeitnehmersprecher der Freiheitlichen
ist, zur ORF-"Pressestunde". Die von Foglar geforderten Vermögenssteuern seien ein eklatanter Angriff
auf den Mittelstand. Jeder, der sich etwas erwirtschaftet habe, komme damit zum Handkuss. Als Beispiel nannte Kickl
die "Häuslbauer", die bei der Einführung dieser Steuern erstes Angriffsziel der SPÖ wären.
Als symptomatisch bezeichnete es der freiheitliche Arbeitnehmersprecher, dass Foglar die Einsparungspotenziale
in der Verwaltung geflissentlich ignoriere. Gerade in einer Verwaltungsreform liege das größte Finanzvolumen,
ohne die Bevölkerung belasten zu müssen. Ganz im Gegenteil wären bei einer Verwaltungsreform, die
diesen Namen auch verdiene, sogar deutliche Entlastungen der Menschen machbar.
Aber wenn es um die eigenen Pfründe gehe, würden sowohl SPÖ als auch ÖGB ihr ohnehin nicht
sonderlich ausgeprägtes soziales Gewissen hurtig über Bord werfen. Bezeichnend sei in diesem Zusammenhang
die heutige Ankündigung von Bundeskanzler Faymann, ein europaweites Volksbegehren über die Atomkraft
initiieren zu wollen. Denn vor einem Jahr habe Faymann ein europaweites Volksbegehren zur Finanztransaktionssteuer
angekündigt, von dem man auch nie wieder etwas gehört habe, erinnerte Kickl. Immer wenn die SPÖ
Energie vortäuschen solle, kündige sie europäische Initiativen an, aber gleichzeitig hätten
ihre Minister nicht den Mumm, bei den EU-Treffen ein Veto einzulegen, wenn es um österreichische Interessen
gehe.
Hinsichtlich der Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen solle sich Foglar gefälligts selbst auf Brust
klopfen und laut "mea culpa" rufen, denn schließlich sei er als ÖGB-Chef in die Gehaltsverhandlungen
eingebunden, stellte Kickl klar. Er solle sich daher nicht in typischer SPÖ-Manier aus der Verantwortung stehlen.
Was die Facharbeiter betreffe, habe die FPÖ schon vor Jahren vor dieser Entwicklung gewarnt, so Kickl. Aber
die Bewältigung dieses Mangels könne nicht darin bestehen, wahllos Arbeitskräfte aus dem Ausland
zu importieren. Ganz im Gegenteil müsse es endlich eine Facharbeiteroffensive in Österreich geben. Außerdem
solle sich die SPÖ hier auch selber in die Ziehung nehmen, denn die angebliche Arbeiterpartei habe maßgeblich
dazu beigetragen, die Facharbeiterlehre zu diskreditieren und stattdessen Soziologiestudenten herangezüchtet. |
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Dolinschek: Einzig die Ideenlosigkeit ist das Credo von ÖGB-Foglar
ÖGB-Präsident philosophiert lieber über weitere Griechenland-Hilfen, statt
Zukunftsfragen des Landes zu beantworten
Wien (bzö) - "Egal, wann und wo der ÖGB-Chef in der Öffentlichkeit auftritt, spult Foglar
immer die gleichen visionslosen Gewerkschaftsphrasen herunter. Der ÖGB-Präsident philosophiert wohl über
die Notwendigkeit weiterer Griechenland-Hilfen, gleichzeitig bleibt er aber "beharrlich konstant" Antworten
auf die wichtigen Zukunftsfragen des Landes schuldig. Einzig die Ideenlosigkeit ist das Credo von ÖGB-Foglar".
Mit diesen Worten kommentierte BZÖ- Arbeitnehmersprecher Abg. Sigisbert Dolinschek den Auftritt vom ÖGB-Präsidenten
in der ORF-"Pressestunde". "Kein Wunder, dass unter diesem blassen Vorsitzenden der Mitgliederschwund
im ÖGB munter weitergeht. Eine neue Zentrale ist zu wenig, diese muss auch mit zukunftsweisenden Inhalten
gefüllt werden", so Dolinschek.
Zu den so genannten "Working poor" habe Foglar überhaupt keine Worte gefunden. "Es darf doch
nicht sein, dass man einer Arbeit nachgeht und schlussendlich nicht davon leben kann", kritisierte Dolinschek.
Zur von Foglar angesprochenen Steuerreform meinte der BZÖ-Arbeitnehmersprecher, "dass die Regierung darüber
nicht nur permanent reden, sondern eine solche endlich umsetzen solle, damit die Arbeitnehmer mehr Netto vom Brutto
erhielten". Dadurch würde man nicht nur die Menschen entlasten, sondern auch die Kaufkraft und die Wirtschaft
stärken, meinte Dolinschek. |
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Schatz: Nur schöne Worte für prekär Beschäftigte und Frauen
Grüne: ÖGB-Präsident rutscht bei modernen Problemfeldern aus
Wien (grüne) - "Statt darüber zu lamentieren, dass a-typisch Beschäftigte in den gewerkschaftlichen
Strukturen schwer zu erfassen sind, sollte sich Herr Foglar endlich den Kopf darüber zerbrechen, was er für
diese ständig wachsende Gruppe von ArbeitnehmerInnen in prekären Jobs tun kann. Das Uralt-Schema ,Zahlst
Mitgliedsbeitrag, tun wir was für dich' kann da nicht funktionieren. Foglar betreut sein Alt-Klientel und
lässt die, die jetzt dringend politische Unterstützung brauchen würden weiter alleine", kritisiert
Birgit Schatz, ArbeitnehmerInnen- sprecherin der Grünen die Ausführungen des ÖGB-Präsidenten
in der ORF-"Pressestunde". Doch nicht nur im Zusammenhang mit Prekärer Arbeit vermisst Schatz ein
aktuelles Problembewusstsein beim ÖGB-Präsidenten: "Die roten Gewerkschafter werden nicht müde,
die schlechte Lohnentwicklung der letzten Jahre auf die jetzige Inflation zu schieben. Damit verkauft Foglar die
Betroffenen für dumm. Seit zehn Jahren - auch in Phasen guter Konjunktur - verlieren die unteren Einkommen
real an Wert. Das liegt einzig und allein an den schwachen Kollektivverhandlungsergebnissen und der unbefriedigenden
Mindestlohnpolitik. Weg schaun und schön-reden hilft da nicht" , so Schatz.
Besonders haarsträubend erscheint der Grünen ArbeitnehmerInnensprecherin die Annahme, dass das aktuelle
Gesetz zur Einkommenstransparenz die Ungleichheit der Einkommen zwischen Frauen und Männer deutlich verbessern
wird. "Das Gesetz ist total zahnlos. Und außerdem ändert es nichts daran, dass Frauen überwiegend
in den Niedriglohnbranchen wie z.B. im Handel beschäftigt sind. Und um die Löhne dort hat sich die Gewerkschaft
seit Jahrzehnten zu wenig gekümmert. So sieht es wirklich aus", hält die Grüne fest. Das Tüpfelchen
auf dem i der Foglar'schen Peinlichkeiten sieht Schatz aber in der völligen Unkenntnis der Problematik von
Lohn- und Sozialdumping durch ausländische Baufirmen. "Der ÖGB-Präsident bezweifelt tatsächlich,
dass "unmoralisch niedrigen Preise ausländischer Baufirmen" (Zitat von Foglars ÖGB-Kollege
Muchitsch)- etwas mit Lohn- und Sozialdumping zu tun haben. Foglar hat damit den Kern des Problems nicht erkannt!
Foglar soll nicht abwägen und mal schauen, sondern verhandeln, damit das Anti-Lohn-und Sozialdumping-Gesetz
nachgebessert und die Kontrollen verstärkt werden", so die Grüne ArbeitnehmerInnen-Sprecherin Birgit
Schatz abschließend. |
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Leitl: Klare Absage an Vermögenssteuern
"Schnüffelsteuer kann niemand wollen" - internationaler Trend geht in Richtung
Abschaffung von Vermögenssteuern
Wien (pwk) - Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl ortet viele Überstimmungen mit den Ausführungen
von ÖGB-Präsident Erich Foglar in der ORF-"Pressestunde" - und wenige Differenzen: "Ein
klares und deutliches Ja zur europäischen Finanztransaktionssteuer und zu einer Bildungsreform. Ein starkes
Bekenntnis zu einem Wachstumspfad und gegen ein Kaputtsparen der Konjunktur. Aber eine Debatte über neue Steuer
oder die Erhöhung bestehender Steuern ist brandgefährlich. Im Hochsteuerland Österreich brauchen
wir keine Vermögenssteuern. Mehr Steuern lösen die strukturellen Probleme in diesem Land nicht, sie verlagern
diese nur. Stellen wir uns jetzt den Herausforderungen in der Verwaltung, Bildung, Gesundheit und vor allem bei
den Pensionen. Denn mit den Schulden von heute, liegen wir den Steuerzahlern von morgen auf der Tasche."
Die bis 2008 geltende Erbschaftssteuer war eine "eklatant unsachliche, bürokratische und ineffiziente
Mittelstandssteuer." Jeder besteuerte Erbfall war durchschnittlich mit circa 1.700 Euro belastet. Lediglich
bei 16 von 62.400 Erbfällen lag die Bemessungsgrundlage über 1,1 Millionen Euro. Die Erbschaftssteuer
ging somit vor allem zu Lasten des Mittelstandes und der kleinen und mittleren Unternehmensnachfolger. Die Bewertung
von Vermögen, insbesondere von Immobilien und Unternehmen, ist äußerst aufwändig und fehleranfällig.
Generell gehe der internationale Trend in Richtung Abschaffung von Vermögenssteuern. "Demnächst
wird kein EU-Staat mehr eine reine Vermögenssteuer einheben", so Leitl, der darüber hinaus zu bedenken
gibt: "Steuerschnüffler, die in Wohnungen das Silberbesteck der verstorbenen Großmutter und die
Münzsammlung des Großvaters bewerten, kann niemand in diesem Land wollen."
Klar ist für Leitl, dass der Staatshaushalt wieder ins Lot gebracht werden muss: "Jeder Bürger -
vom Baby bis zum Greis - wird jährlich mit 1.000 Euro für die Bedienung des Zinsendienstes belastet.
Österreich lebt derzeit über seine Verhältnisse. Wir brauchen eine ausgabenseitige Konsolidierung
des Staatshaushaltes. Als Anschubfinanzierung können hier auch Privatisierungen dienen, davor sollten wir
keine ideologische Scheuklappen aufbauen. Die Privatisierung der voestalpine ist ein hervorragendes Beispiel, wie
Staat, Betriebe und Mitarbeiter von dem Motto 'Weniger Staat, mehr privat' profitiert haben." Der Wirtschaftskammerpräsident
spricht sich für Privatisierungen bei den Österreichischen Bundesforsten, der Bundesimmobilienagentur
und den Flughäfen aus, wobei jeweils der Staats als Kernaktionär erhalten bleiben soll. |
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Neumayer: Verteilungsgerechtigkeit braucht Leistungsgerechtigkeit
Für strukturelle Maßnahmen statt neuer Steuern - ÖGB-Zugang sachlich nicht
nachvollziehbar - Österreich bereits extrem stark umverteilendes Hochsteuerland
Wien (pdi) - Als "sachlich teilweise nicht nachvollziehbar" bezeichnete der Generalsekretär
der Industriellenvereinigung (IV) Mag. Christoph Neumayer die Aussagen von ÖGB-Präsident Erich Foglar
in der ORF-"Pressestunde" zu Steuern und Umverteilung in Österreich. "Wir sind bereits ein
extrem stark umverteilendes Hochsteuerland. Zuerst müssen vor diesem Hintergrund die insbesondere in den Bereichen
Verwaltung, Pensionen und Gesundheit vorhandenen Sparpotenziale gehoben werden. Ansonsten ist es eine Zumutung
gegenüber den Leistungsträgern und der standort- sowie beschäftigungspolitisch völlig falsche
Zugang, wie der ÖGB ständig neue oder erhöhte Steuern zu verlangen. Leistung muss sich lohnen und
darf nicht bestraft werden. Verteilungsgerechtigkeit muss auch Leistungsgerechtigkeit bedeuten." Vor allem
sei es "unverständlich und standortpolitisch kontraproduktiv, dass der Gewerkschaftsbund offenbar weiterhin
keinerlei Vorschläge für strukturelle Maßnahmen und Einsparungsmöglichkeiten sowie zur Modernisierung
des Staates vorlegt und stattdessen ständig über neue Steuern philosophiert. Es ist aber nicht länger
leistbar, dass das Geld der Steuerzahlerinnen und -zahler weiterhin in ineffizienten Strukturen aufgebraucht wird",
erklärte Neumayer.
"Wir haben bereits eine der absolut höchsten Steuer- und Abgabenquoten innerhalb der Europäischen
Union und mit über 50 Prozent eine der höchsten Staatsquote. Auch unsere Sozialquote ist über 30
Prozent bereits eine der absolut höchsten in Europa", betonte der IV-Generalsekretär. Gemessen am
Anteil der Sozialtransfers am verfügbaren Haushaltseinkommen weise Österreich sogar den höchsten
Umverteilungsgrad aller OECD-Staaten auf. Vor diesem Hintergrund sei es "befremdlich, wenn der ÖGB wie
im Falle der Abschaffung der Erbschaftssteuer von einer 'Sünde' sowie von 'beschämend' niedrigen vermögensbezogenen
Steuern spricht. In beiden Fällen handelt es sich um mehrfach versteuertes gespeichertes Einkommen."
Neumayer verwies in dem Zusammenhang auch auf die Verteilung des Lohn- und Einkommenssteueraufkommens in Österreich.
Das oberste Zehntel trage 58 Prozent der gesamten Lohn- und Einkommenssteuerlast und das oberste Prozent 20 Prozent,
während inzwischen fast 50 Prozent der Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen gar keine Steuer mehr bezahlen
würden. "Insgesamt ist die Progression trotz aller Steuerreformen der vergangenen Jahrzehnte stark gestiegen."
"Drei Viertel aller Steuern und Abgaben werden in Österreich als Transfers umverteilt. Im Schnitt wird
mehr als ein Drittel des verfügbaren Haushaltseinkommens im Zuge der Umverteilung vom Staat, mit anderen Worten,
von den Steuerzahlern, beigetragen und nicht durch Markteinkommen erwirtschaftet. Das sind die Fakten, die man
jeder Umverteilungsdebatte grundsätzlich vorausstellen muss", betonte der IV-Generalsekretär. "Wir
brauchen nicht noch mehr Steuern und Abgaben, die von unserem bereits hohen Niveau weg tendenziell wachstums- und
damit beschäftigungshemmend wirken, sondern mehr Anreize, diese Steuern und Abgaben auch in Zukunft erbringen
zu können und zu wollen." Als "Mythos" bezeichnete Neumayer, dass höhere Vermögenssteuern
zu einer ausgeglicheneren Wohlstandsverteilung führen würden. "Internationale Vergleiche zeigen:
genau das Gegenteil ist der Fall." Gerade in Ländern mit komparativ moderaten Vermögenssteuern,
wie etwa die skandinavischen Länder, die Niederlande oder auch Österreich, sei der Wohlstand relativ
gleichmäßig verteilt, während Länder mit komparativ höheren Vermögenssteuern, wie
etwa das Vereinigte Königreich oder Kanada, viel größere Ungleichheiten in der Wohlstandsverteilung
aufweisen. Die klassischen Hochgrundsteuerländer wie die USA und Großbritannien würden mit den
Grundsteuern überdies auch Dienstleistungen finanzieren, die in Österreich in einem hohen Ausmaß
über Gebühren finanziert würden. |
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