Hochrangig besetzte Konferenz in Wien: Wirtschaftsminister will Handelsvolumen mit Region verdoppeln
und Österreich als Drehscheibe für stark wachsende Zukunftsmärkte etablieren
Wien (bmwfj) - Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner eröffnete am 26.09. in der Wiener Hofburg
eine hochrangig besetzte Minister-Konferenz mit zahlreichen Regierungsvertretern aus dem Südkaukasus und Zentralasien.
"Die Region hat eine wichtige Brückenfunktion zwischen Europa und Asien und besitzt großes wirtschaftliches
Potenzial, das wir stärker nützen wollen", sagte Mitterlehner. "Bis 2015 sehen wir die Chance,
unser Handelsvolumen mit der Region auf vier Milliarden Euro im Jahr zu verdoppeln. Dazu möchten wir Österreich
für diese Märkte langfristig als eine Drehscheibe in Richtung Zentral- und Westeuropa etablieren, wobei
wir hier eng abgestimmt mit den Initiativen der Europäischen Union vorgehen", so Mitterlehner.
Neben einem intensiveren Dialog setzt Mitterlehner vor allem auf die laufende Internationalisierungs-Offensive,
die Unternehmen bei Marktsondierungsreisen und Messeteilnahmen sowie mit Export-Know-how unterstützt. "Unser
Ziel ist es, den sehr stark rohstoffdominierten Handel mit dem Südkaukasus und Zentralasien schrittweise zu
diversifizieren und zum Vorteil beider Seiten auf eine höhere Ebene zu heben, also vor allem den Technologie-
und Know-how-Export zu forcieren", so Mitterlehner. "Durch eine räumliche und inhaltliche Diversifizierung
verteilen wir das Risiko unserer Außenwirtschaft besser und profitieren von den hohen Wachstumsraten in neuen
Zukunftsmärkten."
Diese Strategie empfiehlt auch eine neue Wifo-Studie, die Mitterlehner bei einem gemeinsamen Pressegespräch
mit Wifo-Chef Karl Aiginger und EIB-Vizepräsident Wilhelm Molterer vorstellte. Um das Potenzial der Region
"Caucasus and Central Asia" (CCA) besser zu nützen, verweist das Wifo auf die angestrebte Branchendiversifizierung
mit einem Fokus auf den Export neuer Technologien. Besonders große Chancen bieten die Bereiche Infrastruktur,
Energie- und Umwelttechnik, Tourismus und Agrarindustrie. Dazu könne Österreich die Fachkräfte-Ausbildung
in der Region mit seinem großen Know-how in der Lehrlingsausbildung unterstützen sowie auf eine strategisch
ausgerichtete Entwicklungszusammenarbeit setzen. "Der stärkere Fokus auf diese Region ist richtig. Es
handelt sich um einen Rohdiamant, der geschliffen werden muss", so Aiginger. "Denn es gibt aus österreichischer
Sicht nirgends Märkte, die so nahe sind und so stark wachsen."
EIB-Vizepräsident Molterer präsentierte beim Pressegespräch die Finanzierungsmöglichkeiten
durch die Europäische Investitionsbank (EIB). "Mit ihren Finanzierungen und ihrer technischen Expertise
leistet die EIB einen wichtigen Beitrag zur weiteren wirtschaftlichen und sozialen Integration des Kaukasus und
der östlichen Nachbarstaaten. Vorrangige Themen sind dabei die Finanzierung von KMU und Infrastrukturvorhaben,
Ressourcenmanagement und Innovation. Auch für österreichische Unternehmen bieten sich hier attraktive
Kooperations- und Entwicklungsmöglichkeiten", so Molterer.
Bei der heute erstmals stattfindenden CCA-Ministerkonferenz erörtern Regierungsvertreter aus den Südkaukasus-Staaten
Armenien, Georgien, Aserbaidschan sowie aus den zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan,
Tadschikistan und Turkmenistan gemeinsam mit Wirtschaftsexperten aus Österreich sowie Repräsentanten
der Europäischen Kommission, der Europäischen Investitionsbank sowie weiteren Vertretern internationaler
Organisationen die Chancen und Herausforderungen für die Volkswirtschaften dieser Region. Die insgesamt 200
Teilnehmer, darunter mehr als 100 Unternehmer, beschäftigen sich in drei Panels mit den Themen Handel und
Investitionen, Energie und Tourismus.
Insgesamt leben über 81 Millionen Menschen in der CCA-Region, die zuletzt ein durchschnittliches, kaufkraftbereinigtes
Bruttoinlandsprodukt von 520 Milliarden Dollar pro Jahr erwirtschafteten. In den Jahren vor der weltweiten Wirtschaftskrise
(2004 bis 2007) ist die Gesamtregion mit 13,1 Prozent pro Jahr gewachsen. Nach der raschen Krisenbewältigung
gab es schon 2010 wieder ein Wachstum von 6,7 Prozent und 2011 von 6,6 Prozent. 2012 soll das Plus laut IWF-Prognosen
bei 5,5 Prozent liegen. Österreich exportierte im Vorjahr Waren und Dienstleistungen im Wert von 680 Millionen
Euro in den Südkaukasus und Zentralasien, die Importe lagen bei 1,5 Milliarden Euro. |