Abschwächende Wirtschaftsdynamik - Stimmung und Auftragseingänge
knicken ein
Wien (creditreform) - Die wirtschaftliche Dynamik der österreichischen mittelständischen
Unternehmen hat abgenommen. Zum einen hat sich die Stimmung unter Österreichs Mittelständlern verschlechtert.
Das Creditreform Klimabarometer - der Index setzt sich zusammen aus den Stimmungsindikatoren zum eigenen Betrieb,
zur eigenen Branche sowie zur konjunkturellen Lage insgesamt - sank im Vergleich zum vergangenen Herbst um 1,2
Zähler auf 9,5 Punkte ab (Herbst 2011: 10,7 Punkte).
Vor allem die Auftragslage hat sich verschlechtert. Waren im vergangenen Herbst von 29,4 Prozent der Befragten
vollere Auftragsbücher gemeldet worden, liegt der Anteil aktuell bei 28,9 Prozent. Gesunkene Auftragseingänge
verzeichnen 22,6 Prozent der Mittelständler (Vorjahr: 18,6 Prozent). Der Saldo der Auftragslage sinkt von
plus 10,8 Punkte im Vorjahr auf plus 6,3 Punkte. Für die kommenden Monate rechnen 19,6 Prozent der Unternehmen
mit einem Auftragsplus (Vorjahr: 20,3 Prozent) und 22,2 Prozent mit sinkenden Auftragszahlen (Vorjahr: 17,5 Prozent).
Damit rutscht der Auftragserwartungssaldo ins Minus (minus 2,6 Punkte).
Angebotspreise sinken - Optimismus für die Zukunft
Im Vergleich zum Vorjahr konnten auch weniger Unternehmen höhere Angebotspreise durchsetzen (18,3 Prozent;
Vorjahr: 23,5 Prozent) und mehr Unternehmen (15,2 Prozent; Vorjahr: 11,2 Prozent) haben ihre Preise gesenkt. Der
Angebotspreissaldo ist von plus 12,3 Punkte im Vorjahr auf aktuell plus 3,1 Punkte gefallen. Allerdings gehen die
Mittelständler mehrheitlich davon aus, dass sich die Angebotspreise wieder nach oben entwickeln werden. So
rechnen 20 Prozent der Unternehmen mit Preiserhöhungen und 10,8 Prozent mit Preissenkungen.
Umsätze und Personalentwicklung zeigen nach unten - Erwartungen fallen noch schlechter aus
Die Umsatzlage hat sich ebenfalls eingetrübt. 35,6 Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen Umsätzen
(Vorjahr: 35,8 Prozent), bei jedem Fünften (19,8 Prozent) sind die Umsätze gesunken (Vorjahr: 15,7 Prozent).
Der Umsatzsaldo fällt auf plus 15,8 Punkte (Vorjahr: plus 20,1 Punkte). Für die nahe Zukunft rechnen
24,5 Prozent mit zunehmenden und 22,6 Prozent mit sinkenden Umsatzeinnahmen (Umsatzsaldo: plus 1,9 Punkte; plus
Vorjahr: 5,7 Punkte).
Zudem wird im Mittelstand weniger Personal gebraucht. Jedes vierte Unternehmen (25,9 Prozent) hat seinen Mitarbeiterstamm
in den vergangenen Monaten aufgestockt (Vorjahr: 25,6 Prozent). Personal entlassen mussten 17,3 Prozent der befragten
Betriebe (Vorjahr: 13,4 Prozent). Der Personalsaldo sinkt damit von plus 12,2 auf plus 8,6 Punkte. Und im kommenden
halben Jahr wollen nur noch 13,7 Prozent der befragten Unternehmen neue Stellen besetzen - ein weitaus größerer
Anteil (20,0 Prozent) der Unternehmen rechnet mit Entlassungen.
Die Investitionsbereitschaft stagniert auf niedrigem Niveau: Waren im vergangenen Jahr 44,6 Prozent der befragten
Unternehmen zu Investitionen bereit, sind es aktuell 44,3 Prozent.
Mittelstand gut mit Eigenkapital versorgt - trotz angespannter Ertragslage
Die Ertragslage im österreichischen Mittelstand bleibt angespannt. Nur jedes vierte Unternehmen (23,4
Prozent; Vorjahr: 23,8 Prozent) hat in den vergangenen Monaten steigende Erträge verbucht. Gesunken sind die
Erträge bei knapp jedem Dritten (29,8 Prozent; Vorjahr: 26,2 Prozent). Somit ergibt sich ein negativer Saldenwert
von minus 6,4 Punkten (Vorjahr: minus 2,4 Punkte). In naher Zukunft kalkulieren 30,0 Prozent der Befragten mit
steigenden und 26,6 Prozent mit sinkenden Ertragseinnahmen.
Die Eigenkapitalsituation hat sich dennoch verbessert: So ist der Anteil der schwach kapitalisierten Unternehmen
mit einer Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent von 29,7 Prozent auf 25,0 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist
mehr als jedes dritte Unternehmen (35,2 Prozent; Vorjahr: 33,6 Prozent) mit einer ausreichend hohen Eigenkapitalquote
(Eigenkapitalanteil im Verhältnis zur Bilanzsumme) von über 30 Prozent ausgestattet.
Leichter Anstieg der Unternehmensinsolvenzen - verschlechtertes Zahlungsverhalten
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 1,6 Prozent von 4.645 auf
4.721 Fälle gestiegen. Den größten Anstieg verzeichnete die Branche der unternehmensbezogenen Dienstleister
von 775 im Vorjahr auf aktuell 1.153 Fälle. Das entspricht einer Zunahme um 48,8 Prozent. Den größten
Rückgang an Unternehmensinsolvenzen verzeichnete die Beherbergungs- und Gaststättenbranche von 728 Unternehmensinsolvenzen
im vergangenen Herbst auf aktuell 319 Fälle - ein Rückgang um 56,2 Prozent.
65,8 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihre Kunden die Rechnungsbeträge pünktlich innerhalb eines
Monats überweisen. Im Vorjahr lag der Anteil mit 67,5 Prozent etwas höher. Gleichzeitig ist der Anteil
der Unternehmen, deren Kunden sich zur Begleichung der Rechnung mehr als drei Monate Zeit lassen, von 2,7 Prozent
im Vorjahr auf 3,7 Prozent gestiegen.
Die Auswirkungen der europäischen Staatsschuldenkrise sind auch im österreichischen Mittelstand zu spüren.
Insgesamt hat sich der Zugang zu Finanzierungsmitteln bei 60,3 Prozent der Unternehmen verschärft. Die Art
der Verschärfung ist vielfältig. 92,9 Prozent der unter schwierigen Finanzierungsbedingungen leidenden
Unternehmen berichten, dass von den Banken mehr Sicherheiten verlangt werden. Eine Erhöhung der Kreditzinsen
musste fast jeder dritte Mittelständler (29,1 Prozent) hinnehmen. Und 21,0 Prozent der befragten Unternehmen
haben ihren Kredit nicht in der gewünschten Höhe erhalten.
|