IV-GS Neumayer: Arbeitszeitflexibilisierung zentraler Beitrag zum Beschäftigungserhalt
– Anzeichen für allmähliche Erholung mehren sich
Wien (pdi) - „Eine konjunkturelle Stimmungsaufhellung prägt den Beginn des Jahres 2013. Dazu beigetragen
hat die einstweilige Beruhigung auf den internationalen Finanzmärkten ebenso wie die Umschiffung der Fiskalklippe
in den USA“, erklärte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer,
in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Chefökonom Dr. Christian Helmenstein zu den Ergebnissen des aktuellen
Konjunkturbarometers der IV aus dem 4. Quartal 2012 am 28.01. in Wien. Zugleich würden sich die Anzeichen
für ein wieder anziehendes Wachstum in China mehren, während weitere Konjunkturstimuli gepaart mit einer
schwachen japanischen Währung das Wachstum in Japan stützen. „Diese Faktoren nähren die Hoffnung,
dass auch in Europa das konjunkturelle Zwischentief allmählich überwunden werden könnte. Jedenfalls
kontraproduktiv für Wachstum und damit Arbeitsplätze sind gerade in einem Höchststeuerland wie Österreich
Diskussionen über Steuererhöhungen. Vielmehr braucht es als zentralen Beitrag zum Beschäftigungserhalt
Arbeitszeitflexibilisierung, insbesondere im Bereich der möglichen täglichen Höchstarbeitszeit“,
so der IV-Generalsekretär.
Österreichs Wirtschaft überdurchschnittlich
„Die tatsächliche Entwicklung in Europa hat hingegen nach wie vor einen rezessiven Charakter. Zwar behauptet
sich die österreichische Wirtschaft besser als die anderer europäischer Länder“, sagte Neumayer,
„der Wachstumsschwäche in Europa, welche im Jahresschlussquartal auch die deutsche Wirtschaft erfasst hat,
vermag sie sich jedoch nicht zu entziehen.“ Eine spürbare konjunkturelle Belebung ist nach wie vor nicht vor
dem zweiten Quartal 2013 zu erwarten, so die zentralen Ergebnisse des aktuellen IV-Konjunkturbarometers.
Der Wert des IV-Konjunkturbarometers, welches als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage
und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, reflektiert die Stimmungsverbesserung und legt von +2
Punkten im dritten auf +15 Punkte im vierten Quartal 2012 zu. Es bleibt damit aber hinter dem Niveau zur Jahresmitte
2012 zurück.
Während die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage nochmals von +24 Punkten auf +22 Punkte leicht
zurückgeht, drehen die Geschäftserwartungen von -21 Punkten im Herbst auf nunmehr +8 Punkte. „Wir durchleben
meteorologisch wie konjunkturell einen harten Winter, allerdings mit ersten Aufhellungen“, erklärte Neumayer.
Die Ergebnisse im Detail
In den kommenden Wochen stehen international gleich mehrere politische Ereignisrisiken für den Konjunkturverlauf
bevor – angefangen von Neuwahlen in Italien über die zukünftige Rolle Großbritanniens in Europa
bis zu weiteren budgetbezogenen Unwägbarkeiten in den USA. Ein regelrechter konjunktureller Fadenriss wie
zur Jahreswende 2008/2009 ist aus heutiger Sicht aber nicht zu erwarten.
Gegen einen Absturz sprechen die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft von 3,5 Prozent für 2013
ebenso wie das dazu passende Lieferportfolio der österreichischen Exportwirtschaft. Global gesucht werden
Investitionsgüter, insbesondere in der BRIC-Staatengruppe, welche im Jahr 2013 mit rund 7 Prozent real wachsen
wird, sodass sich die betreffende Exportnachfragekomponente weiterhin robust entwickeln wird.
„Die österreichische Wirtschaft durchläuft derzeit eine konjunkturell unterkühlte Phase, bis im
zweiten Quartal des heurigen Jahres eine Belebung der wirtschaftlichen Aktivität einsetzen wird“, so IV-Chefökonom
Helmenstein. „Das erste Halbjahr 2013 bringt zunächst eine konjunkturelle Stabilisierung durch den beginnenden
Lageraufbau, sodann sollte es im zweiten Halbjahr im Durchschnitt der Industriezweige gelingen, an die besseren
Vorjahresergebnisse anzuknüpfen.“
Allerdings setzt sich die Schrumpfung der industriellen Auftragsreichweite zunächst noch fort (Saldo der Auftragsbestände
+27 nach +28 im Vorquartal), wenngleich mit deutlich verringertem Tempo. Ein deutliches Lebenszeichen ist hingegen
bei den Auslandsaufträgen zu verzeichnen – der Saldo steigt hier von einem Wert von +19 Punkten auf +29 Punkte.
Dies sind erste Anzeichen für ein Einsetzen des klassischen, exportgetriebenen Konjunkturerholungsmusters
der österreichischen Wirtschaft.
Dementsprechend gestalten die Unternehmen ihre Produktionsplanung auf Sicht der nächsten drei Monate erstmals
nach einem Jahr wieder etwas expansiver. In saisonbereinigter Betrachtung steigt der Saldo für die Ausbringungsmenge
von +4 Punkten auf +14 Punkte. Dies spiegelt das Bestreben der Unternehmen wider, für den Fall einer im weiteren
Jahresverlauf anziehenden Nachfrage ihre Lieferfähigkeit durch entsprechende Bestände an Halbfertig-
und Endprodukten zu gewährleisten.
Erwartete Beschäftigungsentwicklung positiv
Die Stabilisierung der Konjunkturaussichten wirkt sich auch positiv auf die erwartete Beschäftigungsentwicklung
aus. Während der Beschäftigtenstand vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels trotz der konjunkturellen
Schwäche grosso modo aufrecht erhalten wurde, läuft der in einigen Branchen unvermeidliche Beschäftigungsabbau
während der ersten Jahreshälfte weitgehend aus. Der betreffende Saldo verbessert sich von -25 Punkten
auf -9 Punkte. Konjunkturkonform bleibt die Einstellungsneigung der Unternehmen zunächst noch nahezu unverändert,
hingegen reduziert sich der Anteil der Unternehmen, welche einen Abbau ihrer Beschäftigung erwarten, deutlich
von 32 auf 18 Prozent.
Die laufende Ertragslage erweist sich als etwas besser als im Vorquartal befürchtet – per Saldo (+13 Punkte
nach +6 Punkten) lag sie im Durchschnitt des Vorjahres auf einem befriedigenden Niveau. Die Ausbildung eines investitionsgetragenen
Aufschwungs setzt hingegen ein besseres Ertragsniveau voraus – davon ist der betreffende Indikator derzeit weit
entfernt.
Auf die erzielbaren Verkaufspreise schlägt die globale Nachfrageschwäche weiterhin voll durch. Diesbezüglich
wird eine abermalige Verschlechterung erwartet (Saldo -19 Punkte nach -11 Punkten im Vorquartal). Die wieder anziehende
Mengenkonjunktur kompensiert diesen Effekt jedoch, sodass sich die Ertragsaussichten auf Sicht von sechs Monaten
stabilisieren – der Saldo steigt auf +4 Punkte nach zuvor -8 Punkten.
Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode
An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 447 Unternehmen mit rund 295.000
Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt folgende Methode zur Anwendung: den Unternehmen werden
drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten)
Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver
und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.
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