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Innsbruck (lk) - Der Historiker Michael Wedekind, der vom Land beauftragt wurde, ein Gutachten zum Stand
der Forschung der Tiroler Volkskultur in der Zeit des Nationalsozialismus zu erstellen, hat nunmehr den ersten
Teil seines Gutachtens vorgelegt. Anlass dafür war eine kontroverse Diskussion rund um eine CD mit Werken
des Tiroler Komponisten Josef Eduard Ploner, herausgegeben vom Institut für Tiroler Musikforschung. Dem vom
Land geförderten Institut wurde in Fachkreisen vorgeworfen, sich nicht ausreichend mit der Haltung und Rolle
Ploners in der NS-Zeit auseinandergesetzt zu haben.
Die für die Kulturförderung des Landes relevante Frage nach den wissenschaftlichen Standards zur Musikforschung
in der NS-Zeit wurde im nunmehr vorliegenden Teilgutachten beantwortet. Wesentlich sei es, Künstler und deren
Werk im ideen- und kulturgeschichtlichen Kontext zu verorten sowie die Intentionen und politisch- ideologischen
Verpflichtungen des künstlerischen Werks darzustellen. Der in diesem Zusammenhang auf der Homepage des Instituts
dargestellte umfangreiche Quellenfundus (www.musikland-tirol.at/ARGE-NS-Zeit/) sei in dieser Hinsicht nicht ausreichend.
Zur Aufarbeitung der auf den Ploner-Kreis bezogenen Musikgeschichte wird die Durchführung einer interdisziplinären
Tagung, die Abfassung von Monographien und die laufende Dissemination der Forschungsergebnisse empfohlen.
„Die dargestellten wissenschaftlichen Standards sind auch eine Orientierung für die Kunstförderung und
werden als Maßstab für die zukünftige Förderung von Vorhaben und Projekten zur Musikforschung
in der NS Zeit heranzuziehen sein“, erklärt Kulturlandesrätin Beate Palfrader. Über die Durchführung
konkreter Maßnahmen zur historischen Aufarbeitung der Tiroler Volkskultur in der NS-Zeit wird nach Vorliegen
des gesamten Gutachtens zu entscheiden sein.
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