Lage in Österreich deutlich besser, Österreichische KMU schätzen Lage besser
ein
Brüssel (ec) - Laut der Erhebung „Access to Finance“ über den Zugang zu Finanzierung, deren Ergebnisse
heute von der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank veröffentlicht wurden, gehört
der Zugang zu Finanzmitteln immer noch zu den Hauptsorgen der kleinen und mittelgroßen Unternehmen in der
EU. Jüngere und kleinere Unternehmen sind dabei am stärksten betroffen. Etwa ein Drittel der befragten
KMU erhielten 2013 nicht die volle Finanzierung in dem Maße, wie sie es vorgesehen hatten. Den Unternehmen
zufolge haben sich die Bedingungen für die Finanzierung durch Banken 2013 verschlechtert, was Zinsen, Sicherheiten
und erforderliche Bürgschaften betrifft. Rund 15 % der Unternehmen sehen im Zugang zu Finanzmitteln ein erhebliches
Problem. In Österreich sehen dieses Problem nur 7% der befragten KMU-Manager. Dies deckt sich mit den tatsächlich
bewilligten Krediten (in Österreich 80% aller beantragten Kredite an KMU). Der Finanzierungsbedarf ist in
Österreich mit am stärksten gesunken im europäischen Vergleich, was auch an den geringen Hindernissen
bei der Kreditvergabe liegt. Österreichische KMU verlassen sich im EU-Durchschnitt am stärksten auf Eigenkapital
statt externer Finanzierung (9% ausschließlich interne Finanzierung). Antonio Tajani, Vizepräsident
der Europäischen Kommission und zuständig für Industrie und Unternehmertum, betonte das zukünftige
COSME-Programm der EU: "COSME enthält eine Bürgschaftsfazilität für Kredite an KMU in
Höhe von bis zu 150 000 EUR und sogar darüber hinaus. Wir rechnen damit, dass von jetzt bis 2020 etwa
344 000 Firmen in der EU durch COSME gedeckte Kredite erhalten werden.“
Abgelehnte Kredite
Berichte über verweigerte Kredite unterstreichen die allgemein negative Wahrnehmung unter KMU, was die Möglichkeiten
der Kreditaufnahme bei Banken betrifft. Insgesamt erhielt etwa ein Drittel der befragten KMU nicht vollständig
in dem Maße Finanzierung durch Bankkredite, wie sie es für 2013 geplant hatten. 13 % ihrer Kreditanträge
wurden abgelehnt, und 16 % der Unternehmen erhielten weniger, als sie beantragt hatten. Zudem lehnten 2 % ein Kreditangebot
einer Bank ab, weil die Bedingungen für sie nicht akzeptabel waren. 7 % der KMU haben sogar nicht einmal einen
Kredit beantragt, da sie keine Erfolgschancen sahen. Letzteres gilt besonders für junge Unternehmen: 11 %
der Firmen, die zwischen zwei und fünf Jahren bestehen, haben wegen der möglichen Ablehnung erst gar
keinen Kredit beantragt.
Jüngere und kleinere Unternehmen besonders betroffen
Bei jüngeren und kleineren Unternehmen kommt es häufiger vor, dass sie nur einen Teil der beantragten
Finanzmittel erhalten oder dass ihr Antrag komplett zurückgewiesen wird. Die höchsten Ablehnungsquoten
sind bei Mikrounternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten (18 %) und bei KMU, die erst seit weniger als zwei
Jahren bestehen (28 %), zu verzeichnen. Dagegen wurden lediglich 3 % der Kreditanträge großer Unternehmen
(mit 250 oder mehr Beschäftigten) abgelehnt.
Erfahrungen der KMU mit Krediten und Eigenkapitalfinanzierung
Als Hindernisse für Unternehmen, die Finanzierung durch die Banken suchen, werden am häufigsten unzureichende
Sicherheiten oder andere Anforderungen der Banken wie z. B. Bürgschaften genannt, gefolgt von zu hohen Zinsen.
Die Alternative Eigenkapitalfinanzierung wurde im Erhebungszeitraum jedoch nur von 5 % der KMU genutzt. Im Allgemeinen
haben KMU bei Gesprächen über Finanzierung weniger Vertrauen in Beteiligungs- und Risikokapitalanleger
als in Banken. Die Hauptprobleme bei dieser Art Finanzierung sind, dass sie nur in geringem Maße zur Verfügung
steht oder dass der Preis zu hoch ist. Hier setzt das neue COSME-Programm an; es werden Anreize für den Einsatz
von Risikokapital geschaffen.
Die Finanzierungsbedingungen unterscheiden sich innerhalb der EU erheblich
40 % der KMU in Zypern, 32 % in Griechenland, 23 % in Spanien und Kroatien, 22 % in Slowenien sowie 20% in Irland,
Italien und den Niederlanden nannten den Zugang zu Finanzmitteln als drängendstes Problem, verglichen mit
lediglich 7 % in Österreich, 8 % in Deutschland und 9 % in Polen. Die Ablehnungsquote bei Kreditanträgen
war ebenfalls in Griechenland und den Niederlanden am höchsten (31 %), gefolgt von Litauen (24 %). In Irland
(16 %), Griechenland und Zypern (15 %) war auch der Anteil der Unternehmen, die wegen mangelnder Erfolgsaussichten
erst gar keinen Kredit beantragten, am höchsten.
85 % aller Kredite kommen nach wie vor von Banken
Die Hälfte aller in den letzten zwei Jahren gegebenen Kredite lagen unter 100 000 EUR. KMU sind immer noch
stark auf Finanzierung durch die Banken angewiesen. In den letzten beiden Jahren wurden 85 % aller Kredite von
Banken gewährt. Mehr als die Hälfte der befragten KMU in der EU nahmen in letzter Zeit ein oder mehrere
Bankprodukte in Anspruch: 32 % nutzten Bankkredite und 39 % Bankkreditlinien oder Überziehungsmöglichkeiten.
Bankkredite sind die bevorzugte Option für 67 % der Firmen, die externe Finanzierung anstreben, um ihre Wachstumsziele
zu verwirklichen.
Nächste Schritte
Die Kommission wird die Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanzierung mit Hilfe des neuen Programms für die
Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und für KMU (COSME) angehen. Mit einer Laufzeit von 2014 bis 2020
ist COSME das erste Programm der Kommission, das ausschließlich der Unterstützung von KMU dient. Es
bietet eine Bürgschaftsfazilität für Kredite an KMU. Die Eigenkapitalkomponente des Programms fördert
die Bereitstellung von Risikokapital, wobei der Schwerpunkt auf der Expansions- und Wachstumsphase von KMU liegt.
Außerdem werden Anreize für die Beteiligungskapitalfinanzierung geschaffen, eine besonders wichtige
Option für junge Unternehmen mit hohem Wachstum.
Hintergrund
Der Bericht bietet Informationen über die finanzielle Situation, den Finanzierungsbedarf, den Zugang zu Finanzmitteln
und die Erwartungen der KMU im Vergleich zu großen Unternehmen im Zeitraum April bis September 2013. Die
Erhebung über den Zugang zu Finanzierung für KMU, auf der der Bericht beruht, fand vom 28. August bis
14. Oktober statt; einbezogen waren etwa 15 000 Firmen in 37 Ländern – EU-Mitgliedstaaten und andere Länder,
die am Programm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation beteiligt sind. Sie wurde gemeinsam von der Europäischen
Kommission und der Europäischen Zentralbank durchgeführt. Zuvor wurde diese EU-weite Erhebung 2009 und
2011 vorgenommen, ab diesem Jahr findet sie jährlich statt.
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