Wien (wifo) - Österreichs Wirtschaftsleistung wuchs im I. Quartal 2014 gegenüber
dem Vorquartal real um 0,2%. Der Aufschwung beschleunigte sich zwar nicht weiter, festigte sich aber. Das von der
Nachfrageseite her breit getragene Wirtschaftswachstum erhält verstärkt Impulse aus dem Ausland. Die
weltweite Wirtschaftsentwicklung verlief zuletzt sehr verhalten.
Das Wachstum der Weltwirtschaft hält an, schwächte sich aber im I. Quartal 2014 sowohl in den Industrieländern
als auch in den Schwellenländern etwas ab. Die erneuten Finanzmarktturbulenzen in einigen Schwellenländern
zu Jahresbeginn ebbten zügig wieder ab. Einige unerwartet negative Konjunkturindikatoren belasteten die Wirtschaftsentwicklung
ebenfalls nur wenig. Offenbar schirmten die robuste Grunddynamik der Weltwirtschaft und die weiterhin - trotz der
schrittweisen Einschränkung der Wertpapierkäufe durch die Zentralbank der USA - expansiv ausgerichtete
Geldpolitik der großen Industrieländer die Konjunktur gegenüber den Finanzmarktentwicklungen ab.
Im laufenden Quartal dürfte die Weltwirtschaft ihr mäßiges Expansionstempo zumindest halten. Die
Vorlaufindikatoren deuten nach wie vor auf ein allmähliches Anziehen des Wachstums hin, das aber in den Industrie-
und Schwellenländern ungleichmäßig ausfallen wird.
Die österreichische Volkswirtschaft expandierte im I. Quartal 2014 gegenüber dem Vorquartal um 0,2% (IV.
Quartal 2013 BIP real +0,4%). Der Aufschwung hat sich somit zwar nicht beschleunigt, zumindest aber gefestigt.
Das von der Nachfrageseite her breit getragene Wirtschaftswachstum erhält seit dem III. Quartal 2013 wieder
verstärkt Impulse aus dem Ausland. Großen Einfluss hatte zuletzt auch das Wetter; der außergewöhnlich
warme und trockene Winter begünstigte die wirtschaftliche Aktivität in den Außenberufen. Die erhöhten
geopolitischen Spannungen dämpften die Stimmung der heimischen Unternehmen und privaten Haushalte erst jüngst,
wie die Vorlaufindikatoren zeigen.
Die Inflationsrate (laut HVPI) war im April 2014 mit 1,6% etwas höher als in den Vormonaten und deutlich höher
als im Durchschnitt des Euro-Raumes. Der Preisauftrieb wurde in Österreich im April neuerlich sehr stark von
der Verteuerung in den Bereichen Bewirtungsdienstleistungen, Wohnung, Wasser und Energie bestimmt.
Die Anspannung auf dem Arbeitsmarkt ist weiterhin groß - aufgrund der Unterauslastung der Kapazitäten
und der raschen Ausweitung des Arbeitskräfteangebotes im Vorjahresvergleich war die Arbeitslosenquote auch
im Mai hoch (saisonbereinigt 8,5%).
Methodische Hinweise und Kurzglossar
Periodenvergleiche
Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte
bereinigt. Dies schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen in der
Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen"
Bezug genommen.
Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ." beschreibt hingegen eine Veränderung
gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.
Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung liefert genauere Informationen über
den aktuellen Konjunkturverlauf und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings zusätzlichen
Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen Methoden beruht.
Wachstumsüberhang
Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten
Zahlen) des vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres (t1). Er ist definiert als
die Jahresveränderungsrate des Jahres t1, wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres
t0 (in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.
Durchschnittliche Veränderungsraten
Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche
Rate 2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte jene von 2009 auf 2010.
Reale und nominelle Größen
Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte
nominell ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens angeführt.
Produzierender Bereich
Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D (Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden,
Herstellung von Waren, Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich verwendet.
Inflation, VPI und HVPI
Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex
(VPI) ist ein Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist
die Grundlage für die vergleichbare Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der Preisstabilität
innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch http://www.statistik.at/ ).
Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen
Praxis, für die Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete Nahrungsmittel
und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex
(VPI 2010) enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der Kerninflation einbezogen.
WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest
Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund 1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung
ihrer aktuellen und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist eine halbjährliche
Befragung von Unternehmen zu ihrer Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at/ ). Die Indikatoren
sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten
Unternehmen.
Arbeitslosenquote
Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot
der Unselbständigen. Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und unselbständig
Beschäftigten (gemessen in Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.
Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen, die nicht erwerbstätig sind
und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge
zählen zu den Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die Arbeitslosenquote ist
der Anteil der Arbeitslosen an allen Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis: Umfragedaten
von privaten Haushalten (Mikrozensus).
Definition der Arbeitslosenquote
Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für
die Berechnung der Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler berücksichtigt.
Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig Beschäftigten" zählen
auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, sowie Präsenzdiener mit aufrechtem Beschäftigungsverhältnis.
Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".
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