"Amour fou" von Jessica Hausner (A/LUX/D 2014) eröffnete am 23. Oktober 2014 das 52. Vienna International
Filmfestival. Die Filmemacherin ließ sich von dem Freitod des Dichters Heinrich von Kleist zu einem Werk
inspirieren, in dem der junge Dichter Heinrich der Ehefrau eines Bekannten, Henriette, einen ‚Selbstmordantrag'
macht.
Autor des diesjährigen Viennale-Trailers "Chafariz das Virtudes" (P/A 2014) ist der portugiesische
Filmemacher Manoel de Oliveira, der heuer seinen 105. Geburtstag feiert. Zusammenfassen könnte man seine neueste
Arbeit nur so: Everything flows.
"Villa Touma" (2014) ist der erste Spielfilm der palästinensischen Regisseurin Suha Arraf, der von
der jungen Christin Badia und ihren drei Tanten erzählt. Die vier führen ein Einsiedlerleben und allmählich
gewöhnt sich das Mädchen an ihren neuen Alltag, bis eine der Tanten auf die Idee kommt, einen Ehemann
für Badia zu finden. Als drei Teepartys, sieben Beerdigungen und etliche Hochzeiten später plötzlich
ein gutaussehender Flüchtling nachts im Garten der noblen Villa erscheint, ahnt keine der Bewohnerinnen, welche
Folgen ein solcher Besuch für sie haben wird.
In "Happy Christmas" (USA 2014) erzählt Joe Swanberg von einem unerwarteten Besuch in der Vorweihnachtszeit.
Als Jenny, die sich gerade von ihrem Partner getrennt hat, im Haus ihres Bruders Jeff, dessen Ehefrau Kelly und
Sohnemann Jude eintrifft, wird die heile Welt der Kleinfamilie plötzlich auf den Kopf gestellt. Dass man sich
nicht gleich am ersten Abend bis zum Umfallen volllaufen lassen und in einem fremden Bett einschlafen soll, weiß
die junge Singledame zwar, aber Unfälle passieren nun einmal. Warum sich Jenny und die sensible Schriftstellerin
Kelly doch noch näher kommen und Weihnachten dann schließlich auch gemeinsam gefeiert werden kann, ergibt
sich aus einem besonderen Geschenk, das Kelly von Jeff erhält.
"Timbuktu" (Abderrahmane Sissako, F/Mauretanien 2014) war eigentlich als Dokumentarfilm geplant, in dem
der mauretanische Filmemacher die Ausbreitung des islamischen Fundamentalismus zeigen wollte. Der Spielfilm erzählt
von den Repressionen mit denen sich die Bewohner von Timbuktu konfrontiert sehen, wenn Frauen keine Handschuhe
und Strümpfe tragen, in Häusern Musik gespielt oder gehört wird und Zigaretten geraucht werden.
Die Steinigung eines ehebrecherischen Paares beruht auf wahren Ereignissen, deren Zeuge der Regisseur wurde.
"Bandes des filles" (Céline Sciamma, F 2014) ist ein Film über das Aufwachsen in einem Pariser
Vorort. Auf den ersten Blick ist die aus Afrika stammende Marieme eine 16-Jährige wie viele andere - sie geht
zur Schule, am Nachmittag zum Training und lebt mit ihrer Mutter, dem älteren Bruder und einer jüngeren
Schwester in einer Hochhaussiedlung. Weshalb sie sich jedoch der berüchtigten Mädchen-Gang anschließt
und was sie von Liebe und Ehe hält, erfährt der Zuschauer erst am Ende dieses fesselnden Kinoerlebnisses.
"Dos disparos" (Argentinien/Chile/D/NL 2014) von Martín Rejtman beginnt, wie der Titel schon andeutet,
mit zwei Schüssen, die sich der junge Mariano in seinem Zimmer verpasst. Obwohl die Geschichte so dramatisch
beginnt, ist es umso faszinierender zu sehen, wie sie sich zu einer phänomenalen Komödie entwickelt.
Aus einem verwachsenen Garten des Hauses in Buenos Aires begibt sich Marianos Mutter an die Küste, um dem
Alltag zu entfliehen. Auf dem Weg dorthin begegnet sie Ana, die keine Gelegenheit auslässt, wenn es etwas
gratis gibt und gerne auch ihren Ex und dessen neue Frau einlädt. Währenddessen ist Mariano, in dessen
Körper sich noch immer ein nicht aufgefundenes Projektil befindet, auf der Suche nach einem neuen Mitglied
für das Flöten-Quartett. Dass er selbst beim Spielen falsch klingt, scheinen ihm die anderen Mitglieder
vorerst einmal zu verzeihen.
Elwira Niewiera und Piotr Rosolowski wollten mit "Domino Effekt" (PL/D 2014) eine Dokumentation über
die in Abchasien ausgetragene Domino-Weltmeisterschaft drehen. Als sie Rafael, den Sportminister des südkaukasischen
Kleinstaates, und dessen Ehefrau Natascha, eine ehemalige Opernsängerin aus Russland, kennenlernten, wurde
sehr bald klar, dass der Film über diese beiden und sehr persönlich werden sollte. Im Mittelpunkt steht
also eine Beziehung, die daran zu zerbrechen droht, dass die Partner nicht dieselben Lebenserfahrungen teilen.
Scheinbar nichts Außergewöhnliches, doch ist es hier die Erfahrung des Krieges, die zwischen ihnen steht.
Pascale Ferran stellt in "Bird People" (F 2014) jenen Zustand dar, in dem man sich befindet, wenn man
nicht fort und gleichzeitig nicht ganz angekommen ist. Für dieses Projekt hat die Regisseurin sich das Hotel
Hilton am Pariser Flughafen ausgesucht. Sowohl die Gäste als auch das Personal befinden sich in einem seltsamen
Zwischenstadium und so können wir die Welt aus der Perspektive eines in einen Spatz verwandelten Zimmermädchens
erleben. Dass diese für einen so kleinen Vogel nicht immer ganz sicher ist, versteht sich von selbst.
"Clouds of Sils Maria" (F 2014) ist das jüngste Filmwerk von Olivier Assayas. Sils Maria ist ein
Kurort in den Schweizer Alpen und Bühne eines außergewöhnlichen Naturschauspiels - die sich auf
der italienischen Seite ansammelnden und einen Wetterwechsel ankündigenden Wolkenmassen ziehen, einer Schlange
ähnlich, durch das Tal und bilden so die Maloja Schlange. Das gleichnamige Theaterstück des Regisseurs
Wilhelm Melchior verhalf Maria Enders vor 20 Jahren zu ihrem Durchbruch. Nun soll sie jedoch die Rolle der Helena
übernehmen, die sie als 19-jährige in der Rolle der Sigrid verführte. Das Problem liegt jedoch darin,
dass sich Maria immer noch als Sigrid fühlt. Dennoch entschließt sie sich dazu, die Herausforderung
anzunehmen und übt die Rolle in dem verlassenen Haus des kurz vor ihrer Ankunft verstorbenen Regisseurs mit
Unterstützung der jungen Assistentin Val ein. Welten und Zeiten überlappen sich und die Lösung kommt
am Ende von einer völlig unerwarteten Seite.
|