Wiener Erzbischof gegenüber ukrainischen Journalisten: Besuch gilt allen Menschen in der
Ukraine - Sondergesandter des Papstes appelliert in Rede für Zusammenhalt der Kirchen, um Frieden im Land
wieder herzustellen
Kiew/Wien (kap) - Kardinal Christoph Schönborn ist am Abend des 09.12. in Kiew eingetroffen. Seine
Reise in die Ukraine als Sondergesandter von Papst Franziskus gelte allen Menschen in dem von einem Konflikt betroffenen
Land, sagte er zu Beginn seines Besuchs in Kiew gegenüber ukrainischen Journalisten und "Kathpress".
Schönborn unterstrich bei seiner Ankunft die Verbundenheit des Papstes mit allen Menschen in der Ukraine,
besonders jenen, die unter den derzeitigen kriegerischen Auseinandersetzungen im Land besonders litten.
Als päpstlicher Sondergesandter nahm der Wiener Erzbischof am Abend des 10.12. an den Feiern zum 25. Jahrestag
der offiziellen Wiedererrichtung der mit Rom verbundenen griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine teil. Zuvor
traf der Kardinal in Kiew mit dem "Ukrainischen Rat aller Kirchen und religiösen Organisationen"
zusammen. In dem Rat sind alle in der Ukraine anerkannten christlichen Kirchen sowie die jüdische Gemeinschaft
und die islamische Gemeinschaft zusammengeschlossen. Turnusmäßiger Präsident ist Patriarch Filaret
von Kiew.
In seiner Rede vor dem Rat appellierte der Wiener Erzbischof an die Kirchen und Religionen, sich gemeinsam für
den Frieden im Land und für eine gerechte demokratische Gesellschaft einzusetzen. Schönborn überbrachte
die Segenswünsche von Papst Franziskus, zugleich aber auch dessen Sorge über den Kriegszustand, der derzeit
in der Ostukraine besteht.
Ausdrücklich hob der Kardinal die Bedeutung des ökumenischen und interreligiösen Dialog bzw. der
Zusammenarbeit hervor: "Es ist für die Menschen ein Zeichen der Hoffnung und der Ermutigung, dass die
Religionen zusammenstehen, um am Aufbau eines gerechten, freien und friedlichen Landes mitzuwirken. Dieses Zusammenwirken
ist nicht nur wünschenswert, sondern notwendig, um die Wunden der Vergangenheit und der Gegenwart zu heilen."
Von besonderer Bedeutung sei der Beitrag der Religionen zum Aufbau und zur Stärkung der Zivilgesellschaft.
Die langen Jahre der kommunistischen Diktatur und des aufgezwungenen Staatsatheismus hätten wesentliche Werte
des Zusammenlebens verkommen lassen. Umso notwendiger seien die Kirchen und Religionen, die in der Ukraine "wirkliche
moralische und gesellschaftliche Wiederaufbauarbeit" leisteten.
Schönborn erinnerte an die Leiden und Toten in der Ukraine, angefangen von der von den Kommunisten bewusst
herbeigeführten Hungerkatastrophe in den 1930er-Jahren ("Holodomor"), über die Shoa, bis hin
zu den vielen weiteren Opfer unter dem stalinistischen Terror. "Mit tiefem Respekt vor all diesem Leid kann
ich nur die Hoffnung verbinden, dass die gegenwärtigen Leiden nicht eine weitere große Leidensperiode
für das vielgeprüfte ukrainische Volk bedeuten, sondern bald zu einem gerechten Frieden und einem guten
Miteinander führen werden."
"Auferstehung" der griechisch-katholischen Kirche
Alle Kirchen und Religionen hätten schwer unter dem Staatsatheismus gelitten. Mit besonderer Dankbarkeit gedenke
Papst Franziskus aber in diesen Tagen der "Auferstehung" der griechisch-katholischen Kirche, die seit
der zwangsweisen Auflösung durch Stalin viel gelitten hatte. Schönborn: "Vor 25 Jahren durfte die
griechisch-katholische Kirche aus den Katakomben hervorkommen und ihr Leben neu gestalten. Dieses dankbare Gedenken
ist Papst Franziskus ein besonderes Anliegen."
Schönborn kam dann in seiner Rede vor dem Rat, dem auch die drei in der Ukraine vertretenen orthodoxen Kirchen
angehören, auf die besondere Herausforderung der mit Rom verbundenen katholischen Ostkirchen zu sprechen.
Diese auch als "Unierte" bezeichneten Kirchen würden von vielen Orthodoxen als einer der massivsten
Stolpersteine auf dem Weg zu mehr Einheit zwischen katholischer und orthodoxer Kirche bezeichnet. Dieses Konfliktthema
des "Uniatismus" sei ihm bestens vertraut, so Schönborn. Die katholische Kirche bekenne zwar, "dass
sie den Weg des 'Uniatismus' nicht mehr als den für heute geeigneten erachtet", dennoch verwehre sie
sich entschieden dagegen, die griechisch-katholischen Kirchen als Hindernisse für die Ökumene zu betrachten.
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