Je mehr Computertechnik im Auto eingebaut ist, umso wichtiger werden Fragen der Softwaresicherheit.
An der TU Wien arbeitet man an Autos, die Manipulationen selbst erkennen.
Wien (tu) - Kein anderes Gerät in unserem Alltag ist so komplex wie ein Auto. Bis zu hundert Minicomputer
sind in modernen Fahrzeugen verbaut. Dadurch steigt allerdings auch die Gefahr, dass die Software manipuliert wird.
Mit recht einfachen Mitteln kann man heute über die Software Einfluss auf das Fahrverhalten des Autos nehmen.
Armin Wasicek von der TU Wien entwickelt Strategien, unberechtigte Manipulationen an der Fahrzeugsoftware zu erkennen
und zu verhindern. Durch die eigene Sensorik soll das Auto automatisch bemerken, wenn etwas nicht stimmt.
Das Computernetzwerk im Auto
Ungefähr hundert Millionen Zeilen Computercode sind in einem modernen Auto enthalten – und wenn sich bald
tatsächlich das selbstfahrende Auto durchsetzen sollte, wird diese Menge noch einmal drastisch anwachsen.
„Sensoren im Auto erfassen ständig Daten, die über ein Computernetzwerk an die Steuerung geleitet werden.
Die sorgt dafür, dass der Antrieb rund läuft“, erklärt Armin Wasicek.
Wenn man diese Steuerung gezielt manipuliert oder zusätzliche Recheneinheiten einbaut, lassen sich vielleicht
in manchen Fahrsituationen ein paar PS mehr Motorleistung herausholen. Man bezeichnet das als „Chip-Tuning“. Es
kann auch passieren, dass bei einer Reparatur ganz ohne Wissen des Fahrzeugbesitzers die Software durch den Einbau
gefälschter Komponenten verändert wird.
„Die Manipulation der Fahrzeugsoftware kann aber auch dazu führen, dass der Verschleiß mancher Bauteile
beschleunigt wird, oder einzelne Komponenten vielleicht sogar in wichtigen Verkehrssituationen ganz versagen“,
erklärt Armin Wasicek. Schon aus Sicherheits- und Gewährleistungsgründen ist es daher wichtig, die
Software zu schützen. Wasicek arbeitet am Institut für Technische Informatik der TU Wien, derzeit befindet
er sich auf einem Forschungsaufenthalt an der University of California in Berkeley.
Sicherheit durch Selbstdiagnose
„Wir verfolgen zwei Strategien, um Manipulationen an der Software von Fahrzeugen zu unterbinden“, erklärt
Armin Wasicek. „Zum einen entwickeln wir Authentifizierungssysteme, wie man sie auch in anderen Computersystemen
nutzt. Zusätzlich arbeiten wir aber auch an einem System, das ungewöhnliches Verhalten am Auto von selbst
erkennt.“
Das Intrusion-Detection-System untersucht nicht nur, ob im Computernetzwerk des Autos merkwürdige Dinge vor
sich gehen, es interpretiert auch das Fahrverhalten. Schon bei der Entwicklung des Autos lernt die Software, welches
Verhalten in welchen Situationen normal ist und später kann es die tatsächlich gemessenen Parameter damit
vergleichen. „Wir betrachten die Software und das physische Verhalten des Fahrzeuges gemeinsam, man spricht daher
von Cyber-Physical Systems“, sagt Wasicek. Ähnlich wie wir Menschen eine Muskelverspannung ganz automatisch
erkennen, weil wir uns nicht bewegen können wie sonst, soll in Zukunft auch ein Auto Probleme am eigenen physischen
Verhalten diagnostizieren.
Fahrzeughersteller haben auch ein Interesse daran, Daten verschiedener Fahrzeuge zu erheben und in großen
Rechenzentren zu vergleichen. „Vernetzte Autos werden einer der nächsten ganz großen Schritte in der
Fahrzeugtechnik sein“, ist Armin Wasicek überzeugt.
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