Bank Austria EinkaufsManagerIndex geht zu Jahresbeginn auf 48,5 Punkte leicht zurück –
Österreichs Industrie kann dem Aufwärtstrend der europäischen Industrie derzeit nicht folgen
Wien (bank austria) - Während sich in Europa die Industriekonjunktur langsam verbessert, ist die österreichische
Industrie zu Jahresbeginn 2015 noch nicht in Form. „Der Bank Austria EinkaufsManagerIndex ist im Jänner auf
48,5 Punkte gesunken. Er liegt damit nun bereits den fünften Monat in Folge unterhalb der Grenze, ab der Wachstum
in der heimischen Industrie angezeigt werden würde“, so Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Dagegen
hat sich die Lage in der Eurozone weiter verbessert. Der vorläufige Einkaufsmanagerindex für die Eurozone
ist im Jänner auf 51 Punkte gestiegen. Er hat damit den höchsten Wert seit einem halben Jahr erreicht
und zeigt seit Mitte 2013 ununterbrochen eine leichte Aufwärtsbewegung der Industrie an. „Die Erholung der
Industrie in der Eurozone kommt langsam voran. Die österreichische Industrie kommt dagegen derzeit nicht vom
Fleck. Gründe dafür sind einerseits die sehr zurückhaltende Nachfrage aus dem In- und Ausland sowie
die starken Handelsverflechtung mit dem osteuropäischen Raum aufgrund derer Österreichs Industrie die
Belastungen durch die EU-Sanktionen gegen Russland und die Folgen der Ukraine-Krise stärker spürt. Die
positiven Impulse aus den westlichen Nachbarländern, wie Deutschland, sind noch zu schwach, um die österreichische
Industrie auf Wachstumskurs zu bringen“, fasst Bruckbauer zusammen.
Eine der größten Herausforderungen für die österreichische Industrie ist die sehr zurückhaltende
Nachfrage. Im Jänner hat sich die Auftragslage sogar abermals verschlechtert. Sowohl aus dem In- als auch
Ausland sind weniger Neuaufträge eingelangt. „Angesichts der rückläufigen Nachfrage nach `Made in
Austria´ haben die österreichischen Industriebetriebe im Jänner die Produktionsleistung spürbar
zurückgefahren. Der Produktionsindex sank auf 48,6 Punkte“, so Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.
Die Anpassung der Produktionskapazitäten an die nachlassende Auftragsentwicklung erfolgte offenbar nicht rasch
genug, denn der Kapazitätsüberhang in der heimischen Industrie hat sich im Jänner weiter erhöht.
Die Auftragspolster sind zu Beginn des Jahres 2015 so stark zurückgegangen, wie letztmals vor 1 ¾ Jahren.
Der starke Preisverfall von Rohstoffen, vor allem von Öl, aber auch einer Reihe von Metallen, hat die durchschnittlichen
Einkaufspreise für die heimischen Industriebetriebe stark verringert. „Die Einkaufspreise sind im Jänner
so stark gefallen, wie seit der Finanzkrise Mitte 2009 nicht mehr. Aufgrund der geringeren Kosten für Vormaterialien
wurden im Jänner auch die Verkaufspreise zurückgenommen, allerdings in geringerem Ausmaß. Insgesamt
haben die Preistrends daher zu einer leichten Verbesserung der Ertragslage der heimischen Industriebetriebe im
Vergleich zum Vormonat geführt“, analysiert Pudschedl. Angesichts der schwachen Nachfrage und der Aussicht
auf weiter fallende Preise haben die österreichischen Betriebe im Jänner auch die Einkaufsmenge spürbar
reduziert. In der Folge kam es zu einem klaren Rückgang der Lagerbestände an Vormaterialien. Im Sinne
einer vorsichtigen Lagerhaltung wurden auch die Verkaufslager weiter reduziert. Die österreichischen Industriebetriebe
schätzen die Aussichten für die weitere Geschäftsentwicklung offenbar derzeit sehr zurückhaltend
ein.
Entgegen dem gesamteuropäischen Trend zeigt die österreichische Industrie zu Jahresbeginn 2015 keine
Signale einer Aufwärtsbewegung. Der aktuelle Bank Austria EinkaufsManagerIndex zeigt im Jänner wieder
eine rückläufige Tendenz. Angesichts des Rückgangs im Neugeschäft sind die unmittelbaren Aussichten
für die heimische Industrie gedämpft. Das Verhältnis zwischen Auftragseingängen und Lagerbeständen
zeigt im Vergleich zum Vormonat einen Rückgang und liegt nun im negativen Bereich. „Eine unmittelbar bevorstehende
Verbesserung der Industriekonjunktur in Österreich ist derzeit noch nicht in Sicht. Die Daten aus dem europäischen
Umfeld, wie etwa auch der jüngste IFO-Konjunkturindex, lassen jedoch erwarten, dass unterstützt durch
den schwächeren Euro und den niedrigen Ölpreis in den kommenden Monaten die österreichische Industrie
der leichten Aufwärtsentwicklung in Europa nachfolgen wird“, so Bruckbauer abschließend.
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