Jedes Jahr erwirtschaften 158.000 Beschäftigte 6,65 Milliarden Euro in und um die Kirche.
Wien (öaw) - Was macht die Kirche mit ihrem Geld? Wie hoch ist die Wirtschaftsleistung der Kirche,
wie viel Steuern zahlt die Kirche? Woher kommen die Einnahmen? Wie hoch sind die Ausgaben für die Gesellschaft,
für Bildung, für Pflege? Die Liste der Fragen ist lang, die Leistungen der römisch-katholischen
Kirche in Österreich waren bis dato aber nur schwer quantifizierbar.
Im Auftrag der Finanzkammerdirektoren der (Erz-)Diözesen und der Superiorenkonferenz haben die JOANNEUM RESEARCH
Forschungsgesellschaft in Graz und Wien sowie das Institut für Höhere Studien, IHS in Wien mit den Methoden
der Multiregionalen Input-Output-Analyse, der Kosten-Nutzen-Analyse und zweier österreichweit repräsentativer
Befragungen der Pfarren und Ordensgemeinschaften eine umfangreiche, detailgenaue Studie erstellt. Diese wurde am
25. Juni 2015 an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) präsentiert. Anwesend waren
neben der Studienautoren Franz Prettenthaler (JOANNEUM RESEARCH) und Alexander Schnabel (IHS) auch Markus Rubasch,
Vorsitzender des Wirtschaftsauschusses der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs,
Herbert Beiglböck, Wirtschaftsdirektor der Diözese Graz-Seckau und Herwig Stöger vom Verlag der
ÖAW.
2,36 Prozent – das ist der Anteil der römisch-katholischen Kirche an der gesamten Wirtschaftsleistung Österreichs.
Die direkte, indirekte und induzierte Wertschöpfung beträgt 6,65 Mrd. €.
3,75 Prozent der Arbeitsplätze in Österreich stehen in Zusammenhang mit der römisch-katholischen
Kirche. Das sind 158.000 beschäftigte Personen bzw. 123.000 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze (3,37
Prozent aller VZÄ).
Aus wirtschaftlicher Sicht ist die röm.-kath. Kirche keine einheitliche Organisation mit einem konsolidierten
Konzernabschluss, sondern in mehrere Tausend, teilweise miteinander verflochtenen, Rechtsträger gegliedert.
Das sind u.a. zwei Erzdiözesen und 7 Diözesen, ein Militärordinariat, 3.053 Pfarren, 200 Frauen-
und Männerorden sowie eine Vielzahl an größeren und kleineren weitgehend selbstständigen Organisationen
wie etwa die Caritas oder die Ordenskrankenhäuser.
Zu den am meisten vom Geld der Kirche profitierenden Wirtschaftssektoren zählen Alters- und Pflegeheime, das
Gesundheitswesen, der Bereich Erziehung und Unterricht, Interessenvertretungen sowie kirchliche und sonstige religiöse
Vereinigungen, Beherbergung und Gastronomie sowie Einzelhandel und Großhandel.
In ganz Österreich engagieren sich Katholiken und Katholikinnen auf Pfarrgemeindeebene in den verschiedensten
Tätigkeitsfeldern ehrenamtlich im Ausmaß eines wöchentlichen Arbeitsvolumens von über 570.000
Stunden. Auf Pfarr- und Ordensebene entspricht das ehrenamtliche Engagement 14.000 Vollzeitbeschäftigten und
einem Wert von 578 Mio. €.
Aus Sicht des Steuerzahlers zeigt sich, dass zwar 3,48 Milliarden Euro an staatlichen Leistungskäufen (etwa
im Gesundheits-, Sozial- und Flüchtlingsbereich bzw. für Lehrergehälter) und Subventionen anfallen,
gleichzeitig aber 3,35 Milliarden Euro in Form von Steuern und Sozialabgaben wieder in den öffentlichen Haushalt
rückfließen.
Insgesamt ergibt sich ein monetär bewerteter Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft von 8,49 Milliarden
Euro. Im Vergleich werden 5,91 Milliarden an Kosten für diese Leistungen aufgewendet. Allein der monetär
bewertete Nutzen übersteigt die Kosten der Leistungen somit deutlich.
Die Studie ist über den Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften erhältlich:
Franz Prettenthaler/ Alexander Schnabl (Hg.)
Wirtschaftsfaktor Kirche
Die Leistungen der katholischen Kirche für das Gemeinwesen in Österreich und ihre ökonomischen
Effekte
2015, 190 Seiten, zahlr. Farb- und SW-Abb.,
27x19cm, broschiert,
ISBN 978-3-7001-7834-7,
EUR 29,--,
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
http://verlag.oeaw.ac.at
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