Betrug, Erpressung und Datenmissbrauch steigen
Wien (bmi) - Die Zahl der Fälle von betrügerischem Datenmissbrauch, digitaler Erpressung und Internetbetrug
ist laut aktuellem Cybercrime-Report 2015 gestiegen. Experten des Bundeskriminalamtes (BK) gehen davon aus, dass
Cyber-Delikte zukünftig immer stärker mit klassischen Delikten verschmelzen. Im vergangenen Jahr wurden
in Österreich 10.010 Fälle von Cyber-Kriminalität registriert, um elf Prozent mehr als 2014. Die
Aufklärungsquote betrug 41,5 Prozent und lag somit um 0,7 Prozentpunkte höher als 2014. Die Ursache der
Zunahme der Zahl an Cybercrime-Delikten liegt unter anderem in der zunehmenden Technisierung der Täter sowie
der Nutzung von Verschlüsselungs- und Anonymisierungstechniken. Das geht aus dem aktuellen Cybercrime-Report
2015 des Bundeskriminalamts hervor.
Die Bekämpfung von Cyber-Kriminalität werde künftig einen noch wichtigeren Stellenwert einnehmen,
sagte Innenminister Wolfgang Sobotka. "Die Kriminalität im Internet steigt kontinuierlich in Umfang,
Intensität und Schaden. Als zuständiger Minister ist es mein zentrales Anliegen, dass wir die Zeichen
der Zeit erkennen und vor allem im Bereich der Prävention Vorkehrungen treffen", sagte Sobotka. "Der
Cybercrime-Report 2015 zeigt, wo wir ansetzen müssen, um mit konsequenten Maßnahmen gegenzusteuern",
sagte der Innenminister.
Betrügerischer Datenmissbrauch und Erpressung
Die Zahl der "Cybercrime-Delikte im engeren Sinn" ist insgesamt um 3,3 Prozent gesunken. Dazu zählen
zum Beispiel Datenbeschädigung, Hacking oder DDoS-Attacken. In dieser Kategorie gestiegen ist hingegen die
Zahl der Fälle von betrügerischem Datenmissbrauch vor allem durch Schadsoftware. Sie erhöhte sich
um 60 Prozent auf 647 Anzeigen im Jahr 2015.
Angestiegen ist 2015 auch die Zahl der Fälle von digitaler Erpressung mit einer Schadsoftware, die Daten und
Systeme verschlüsselt. Für die Entschlüsselung verlangen die Täter Lösegeld (engl. Ransom),
meist in Form des virtuellen Zahlungsmittels Bitcoin oder durch Prepaid-Karten. Das Bundeskriminalamt hat bereits
darauf reagiert und eine eigene Sonderkommission eingerichtet. Aktuell sind mehr als 120 verschiedene Formen von
Ransomware bekannt. In den vergangenen Monaten trat die Ransomware "Cerber" im europäischen Raum
besonders häufig in Erscheinung.
Darknet, Kinderpornografie und Internetbetrug
In der Bekämpfung des Drogenhandels im Darknet arbeiten IT-Experten der Polizei und Drogenermittler zusammen.
Die Drogenermittler bringen ihr Fachwissen zu Suchtmittel und Täterverhalten ein. Die IT-Experten gewährleisten
eine professionelle Datensicherung zur Anklageerhebung und verfolgen die Flüsse virtuellen Geldes. In einem
Fall wurden innerhalb eines Jahres 14.000 Bestellungen und 6.000 Konsumenten registriert. Innerhalb von 16 Monaten
wurde ein Betrag von 4,4 Millionen Euro umgesetzt.
In der Meldestelle für Kinderpornografie und Kindersextourismus im Bundeskriminalamt gingen im vergangenen
Jahr 2.742 Hinweise ein, wobei 310 Meldungen einen Österreichbezug aufwiesen. Es gab zahlreiche erfolgreiche
Amtshandlungen, bei denen sexuelle Missbräuche an Kindern geklärt und umfangreiches Beweismaterial sichergestellt
werden konnte, darunter die internationale Operation "Pacifier".
Die Zahl der Anzeigen wegen Internetbetrugs ist um 12,6 Prozent von 6.635 (2014) auf 7.473 (2015) angestiegen.
Ein Schwerpunkt der Ermittlungen gegen ein Netzwerk an Internetbetrüger konzentrierte sich in der Sonderkommission
"Mozart", bei der es Ermittlern gelang, eine vorwiegend russischsprachige Gruppierung auszuforschen,
die seit 2011 Online-Banking-Nutzer in Österreich geschädigt hatte. Die österreichischen Ermittler
konnten sowohl die Struktur als auch den Kopf der Gruppierung identifizieren.
Über Rechtshilfe wurden Mitte Juni 2015 in fünf verschiedenen Städten der Ukraine neun Hausdurchsuchungen
gegen sieben Personen durchgeführt. Es konnten mehr als 13 Terabyte Datenmaterial sichergestellt und ausgewertet
werden. Die verdächtigen Personen zeigten sich geständig. Der Schaden, den diese Gruppe weltweit angerichtet
hatte, wird auf ca. 50 Millionen Euro geschätzt.
Das Cybercrime-Competence-Center (C4)
Das Cybercrime-Competence-Center (C4) im) Bundeskriminalamt ist die nationale Zentralstelle zur Bekämpfung
von Cyber-Kriminalität in Österreich. In den Landeskriminalämtern gibt es ebenfalls Experten auf
dem Gebiet der IT-Forensik und der Bekämpfung von Cybercrime.
Das C4 beschäftigt 37 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Verwaltung, Polizei und Technik. Die Techniker
des C4 leisteten in etwa 20 komplexen Fällen technische Unterstützung bei Auswertungen und Ermittlungen.
Im Bereich der IT-Beweissicherung wurden 2015 über 136 Terabyte (TB) an elektronischen Beweisen gesichert.
Im Fachbereich "Mobile Forensik" wurden 1.200 mobile Geräte sowie die Fahrzeugelektronik und Datenspeicher
von mehr als 100 Kraftfahrzeugen ausgewertet. Die Mitarbeiter der Cybercrime-Meldestelle bearbeiteten 10.000 Mitteilungen
aus der Bevölkerung sowie von in- und ausländischen Dienststellen.
In dringenden Fällen, etwa bei Suizidankündigungen über das Internet, kann durch den C4-Journaldienst
die Einleitung von Maßnahmen zur technischen Unterstützung anderer Dienststellen veranlasst werden –
wie beispielsweise Datensicherung, Handy und Navigationssystemauswertung. Smartphones und Tablets sowie Smart-Watches
oder Minicomputer wie Raspberry Pi gewinnen immer mehr an Bedeutung für kriminalpolizeiliche Ermittlungen.
Die Geräte werden immer kleiner, ihre Kapazität hingegen steigt. 2015 wurden Datenmengen im dreistelligen
Terrabyte-Bereich sichergestellt und ausgewertet. Es wurde auf die Sicherung und Auswertung von Audio-, Video-
und Bildmaterial sowie von Fahrzeugen Augenmerk gelegt.
Ausblick
Cyber-Delikte werden zukünftig immer stärker mit klassischen Delikten verschmelzen und als Mittel für
unterschiedlichste Straftaten wie beispielsweise Erpressung, Betrug, Mobbing usw. verwendet werden. Dies ergibt
sich unter anderem aus dem nahezu grenzenlosen Betätigungsfeld der Cyber-Kriminellen, da sie ihre Aktivitäten
unabhängig sowohl von der eigenen Örtlichkeit als auch der des potenziellen Opfers starten können.
Die erforderliche technische Unterstützung wird dabei häufig von kriminellen Dienstleistern, "Cybercrime
as a Service", zum Beispiel im Darknet angeboten. Cyber-Kriminalität wird dadurch auch in den nächsten
Jahren ein boomendes Kriminalitätsfeld bleiben.
Kontakt zur Polizei
Verdächtige Sachverhalte im Internet können rund um die Uhr der Internetmeldestelle im Bundeskriminalamt
against-cybercrime@bmi.gv.at gemeldet werden. Information sind in jeder Polizeiinspektion sowie auf der Homepage
http://www.bmi.gv.at/praevention und im Polizei-App
erhältlich. Die Spezialisten der Kriminalprävention stehen kostenlos und österreichweit unter der
Telefonnummer 059 133 zur Verfügung.
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