Das Schauspielhaus Graz gastiert 2017 mit „Judas“ exklusiv in 24 steirischen Kirchen.
Graz (diözese) - Die Katholische Kirche Steiermark und die Evangelische Kirche in der Steiermark freuen
sich, Sie zu einer ganz besonderen Kooperation mit dem Schauspielhaus Grazeinladen zu können: Von 27. Jänner
bis 9. Juni 2017 wird das Theaterstück „Judas“ von Lot Vekemans (*1965) exklusiv in 24 steirischen Kirchen
zu sehen sein.
Intendantin Iris Laufenbergund Dramaturgin Karla Mäderwaren von Beginn an „überrascht von der Offenheit“,
mit derdie Kirchenverantwortlichen ihnen begegnet sind, und vom großen Interesse, dieses Stück in kleinen
wie großen Kirchen in Stadt und Land zu zeigen. „Judas“ wurde mit Blick auf das Jahresthema des Schauspielhaus
Graz ausgewählt, das Revolutionen und den Beginn von Massenbewegungen in den Blick rückt. Stellt doch
auch das Christentum eine Massenbewegung dar, die mit einem Umbruch begann. Und einer, der wissen muss, wie es
am Anfang war, ist Judas.
„Dass nun dieser Judas, der Jesus verriet, mitten in der Kirche, mitten im Publikum steht und als einer von uns
seine Geschichte erzählt, wirft Fragen für jeden einzelnen auf – nicht zuletzt jene, ob nicht auch jeder
von uns ein Verräter werden könnte“, meint Gertraud Schaller-Pressler, Kooperationspartnerin seitens
der Katholischen Kirche Steiermark. Für sie sind Theater und Kirche wie „Schwestern“, die die Frage nach dem
Sinn des Lebens verbindet: „Beide, Kirche wie Theater, blicken zudem auf eine lange, teils gemeinsame Geschichte
zurück, man denke nur an das Jesuitendrama, das „Theatrum sacrum“ („Heiliges Theater“), das z.B. auf Kalvarienbergen
christliche Heilsgeschichte anhand steingewordener Figuren erzählt, oder an die Passionsspiele.“ Auch Liturgie
sei „geistliches Spiel“, bei dem sich die Akteure einer eigenen Kleidung und Sprache bedienen, um wie das Theater
„Spiegelbild der Wirklichkeit“ zu sein, so Schaller-Pressler: „Wie hinter jedem Theaterstück eine Aussage
über den Menschen, die Welt und die Gesellschaft getroffen wird, möchte jede liturgische Feier Glaubenswirklichkeiten
in die Gegenwart, ins Jetzt transferieren“. Helga Rachl von der Evangelischen Kirche in der Steiermark sieht den
Mehrwert dieser erstmals so engen Kooperation mit der Bühne auch darin, dass unterschiedliche Milieus angesprochen
werden und mit dem Theaterstück „Judas“ zudem ein theologischer Inhalt auf eine ganz persönliche Ebene,
auf eine existentielle Frage heruntergebrochen wird – was Menschen den Zugang zum Thema Schuld und Erlösung
erleichtere. Nach der Premiere im Mausoleum und der Aufführung in der Evangelischen Heilandskirche Graz wandert
das Stück als mobile Produktion durchs Land und macht etwa im Stift St. Lambrecht und in der evangelischen
Pfarrgemeinde Mürzzuschlag Station.
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