Die österreichisch-ungarische Kavallerie 1860–1914. Vom 10. Februar 2017 bis 21. Jänner
2018 im TIROL PANORAMA mit Kaiserjägermuseum am Bergisel
Innsbruck (tlm) - Die Geschichte der Kaiserjäger ist eng verbunden mit der Geschichte der österreichisch-ungarischen
Kavallerieregimenter. Die Reiter der Kavallerie – die böhmischen Dragoner, die Husaren aus Ungarn und die
galizischen Ulanen – waren teilweise in denselben Garnisonsstädten stationiert wie die Kaiserjäger. Selbst
in Wien und Budapest bildete die Kavallerie einen unübersehbaren Bestandteil des täglichen Lebens, bis
der Erste Weltkrieg ihr Ende einleitete. Die Ausstellung macht die gemeinsame Geschichte der Kaiserjäger und
der Reiter der österreichisch-ungarischen Kavallerie deutlich.
Das Leben der Soldaten thematisiert der Kurator der Schau, Dr. Clemens Hofmann, in Form von Bildern, Fotografien,
Ausrüstungsgegenständen und Karikaturen. Er hält fest: „Ich freue mich, meine private Sammlung,
die sich mit der österreichisch-ungarischen Kavallerie befasst, einem breiten Publikum zugänglich machen
zu können und die Geschichte der Reiter mit dieser Ausstellung zu erläutern.
Die Tradition der Kavallerieregimenter
Die Kavallerieregimenter Kaiser Franz Josephs blickten vielfach auf eine jahrhundertelange Tradition zurück.
Einzelne Einheiten wurden bereits während des Dreißigjährigen Krieges errichtet. Diese Tradition
spiegelte sich nicht nur im Selbstverständnis der Angehörigen der kaiserlichen Reiterregimenter, sondern
auch in ihren prächtigen Uniformen wider. Das Traditionsbewusstsein führte aber auch dazu, dass die österreichische
Armeeführung die Zeichen der Zeit nicht erkannte. Aus den Erfahrungen der militärischen Konflikte um
die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, etwa des Burenkrieges oder des russisch-japanischen Krieges, wurden keine
entsprechenden Schlussfolgerungen gezogen. Es wurde verabsäumt, die Kavallerie mit einer zeitgemäßen
Felduniform auszustatten, weshalb bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Dragoner, Husaren und Ulanen mit ihren
weithin sichtbaren blauen Rücken und roten Hosen gegen die bereits mit khakifarbenen Uniformen kämpfenden
Soldaten des russischen Zaren ins Feld geschickt wurden.
Der Alltag der Reiter
Die Sonderausstellung zeigt aber weniger eine Kriegsgeschichte der Kavallerie, sondern beleuchtet vielmehr das
Erscheinungsbild und das Alltagsleben der österreichisch-ungarischen Reiterei. Ihre Adjustierung, die Bewaffnung,
die Kasernen und die Ausbildungsstätten stehen im Mittelpunkt der Schau. Dabei sind es in erster Linie Fotografien,
mit denen ein authentisches Bild einer längst vergangenen Zeit vermittelt wird. Einer Zeit, in der nicht nur
das zivile Leben, sondern auch der militärische Dienst in vielfältiger Weise von der Kraft und Ausdauer
des Pferdes abhängig war. Daneben zeigen ausgewählte Einzelstücke, dass der „bunte Rock“, wie die
militärische Uniform vielfach bezeichnet wurde, damals außerordentlich farbenprächtig war, mit
den Erfordernissen des Dienstes aber immer weniger in Einklang stand. Ein Blick auf die französische Kavallerie
sowie die Kavallerieregimenter der preußischen, der bayerischen, der sächsischen und der württembergischen
Armee rundet die Ausstellung ab.
Karikaturen von Fritz Schönpflug
Eine Sammlung von Karikaturen des österreichischen Zeichners Fritz Schönpflug bildet den humoristischen
Teil der Schau. Schönpflug arbeitete als Karikaturist für verschiedene Zeitschriften und war ein exzellenter
Pferdezeichner. Als Ansichtskartenkünstler ist er heute noch für seine Darstellungen von Wiener Typen
und Karikaturen aus dem Leben der Armee bekannt. Mit spitzer Feder, gleichzeitig aber auch mit einem liebevollen
Augenzwinkern, hielt er die Eigenheiten der altösterreichischen Armee fest und regt die BetrachterInnen bis
heute vielfach zum Schmunzeln an.
Damenmode des 19. Jahrhunderts
Auch die Frauen der Soldaten bleiben in der Ausstellung nicht unerwähnt. Sie ließen sich in den renommierten
Fotoateliers von Wien, Budapest oder Prag, aber auch bei den Fotografen in den ländlichen Garnisonsorten,
wie etwa im böhmischen Pardubitz, an der Seite der Soldaten abbilden und sind somit in zahlreichen Fotografien
verewigt. Mit diesen Bildern findet die Damenmode jener Zeit ihren Platz in der Ausstellung.
Vom Schützenhaus zum Museum
Die Konzeption und Gestaltung der Ausstellung „Des Kaisers stolze Reiter. Die österreichisch-ungarische Kavallerie
1860–1914“ erfolgte durch ein Team von Ehrenamtlichen unter der Leitung von Dr. Clemens Hofmann und koordiniert
von Mag. Ing. Josef Ammann, seit 2008 ehrenamtlicher Kustos des Kaiserjägermuseum. Das Kaiserjägermuseum
wurde im Jahr 1880 gegründet und zählt zu den ältesten Militärmuseen in Österreich. Die
einstige mit Schießscheiben und Jägerstutzen bestückte Eingangshalle ins Kaiserjägermuseum
verdeutlicht die ursprüngliche Funktion des Gebäudes als „Schützenhaus“. Der Bergisel diente als
Schießübungsplatz des Regiments. Das Museum beleuchtet anhand von Gemälden, Landkarten, Uniformen
und Ausrüstungsgegenständen die Friedens- und Einsatzgeschichte sowie herausragende Persönlichkeiten
des Regiments.
Im Laufe seiner Geschichte erfuhr der für museale Zwecke adaptierte Bau mehrere Erweiterungen und Renovierungen.
Seit 2011 ist das Kaiserjägermuseum unterirdisch mit dem TIROL PANORAMA verbunden. Zu den Besonderheiten des
Museums zählt der historische Charakter der Schauräume im Stil des Biedermeiers. Das Kaiserjägermuseum
ist sozusagen ein Museum im Museum. Die dichte Hängung der Gemälde, die Gestaltung der Vitrinen sowie
die Platzierung von Fahnen, Landkarten, Uniformen und Ausrüstungsgegenständen geben eine Vorstellung
von einem typischen Regimentsmuseum der Jahrhundertwende.
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