Brauner plädiert für „Fortschritt für alle“ – Innovation in großen Organisationen
als Leitthema der diesjährigen Fachkonferenz – gesellschaftliche Auswirkungen von Innovationen wurden breit
diskutiert
Wien (rk) - Die zweite Wiener Innovationskonferenz, die als Teil der 2015 vom Gemeinderat beschlossenen
Strategie „Innovatives Wien 2020“ (IW 2020) abgehalten wurde, war dem Thema „Innovation in großen Organisationen“
gewidmet. Im Mittelpunkt standen Innovationen im größten „Betrieb“ Wiens, der Wiener Stadtverwaltung.
Mit über 65.000 Bediensteten verfügt die Stadt über ein riesiges Potenzial an klugen Köpfen,
das es auszuschöpfen gilt. Eine erste Initiative war der von Bürgermeister Michael Häupl und Magistratsdirektor
Erich Hechtner im vergangenen Jahr ausgerufene Wettbewerb „Goldenes Staffelholz für Innovation“, bei dem 163
Projekte aus den unterschiedlichsten Bereichen eingereicht wurden.
Brauner: „Innovation in wachsender Stadt unerlässlich“
In ihrer Eröffnungsrede betonte Stadträtin Renate Brauner die Notwendigkeit, den Innovationsbegriff
breit zu definieren, so wie das in der IW 2020-Strategie erfolgt sei: „Innovation kann nicht nur aus der technischen
Perspektive begriffen werden. Wien hat sich zum Ziel gesetzt, dass alle Wienerinnen und Wiener vom Fortschritt
profitieren sollen, was in der wachsenden Stadt eine besondere Herausforderung darstellt. Wir werden uns dem Thema
jedenfalls mit diesem Anspruch widmen. Beeindruckend ist jetzt schon die Vielzahl an unterschiedlichen Institutionen
und Abteilungen, die 2016 an der Verwirklichung der Strategie mitgearbeitet haben. Innovation entsteht ja vor allem
dann, wenn verschiedene Akteurinnen und Akteure zusammenkommen.“
Klemens Himpele, Leiter der MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik, stellte in seiner Begrüßung fest,
dass eine prinzipielle Angst vor Neuerungen nicht gerechtfertigt sei: „Als Wiener Stadtverwaltung setzen wir uns
seit Jahren stark dafür ein, Innovation in der Stadt – sowohl im privaten, als auch öffentlichen Bereich
- voranzutreiben. Damit dies den Bürgerinnen und Bürgern zugute kommt, müssen wir aber gleichzeitig
auch dafür sorgen, dass die Regeln von allen eingehalten werden.“
Hochkarätig besetzte Podien mit Persönlichkeiten aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft
Auf den Podien vertreten waren Magistratsdirektor Erich Hechtner (Stadt Wien), Magistratsdirektor Martin Haidvogl
(Stadt Graz), Magistratsdirektor-Stellvertreter Wolfgang Müller (Stadt Wien), die Wiener Landtagsabgeordnete
Sybille Straubinger, Präsident Richard Straub (Peter Drucker Society Europe), die Humanökologin Ulrike
Bechtold (Österreichische Akademie der Wissenschaften), die Innovationsinformatikerin Birgit Hofreiter (TU
Wien), Mario Weiss (Trigon Entwicklungsberatung), Eva Czernohorszky (Wirtschaftsagentur Wien) und Ali Mahlodji
(Berufsorientierungsplattform Whatchado).
Diskutiert wurde u.a. die Frage, welche Auswirkungen der rasante Wandel in Wirtschaft und Arbeitswelt - angetrieben
durch Innovationen – auf die Menschen haben wird. Richard Straub: „Wie kann man - jenseits von ‚Verhypung‘ – wirksame
Prozesse und eine offene Unternehmenskultur schaffen, die nachhaltig Wertschöpfung und Innovation fördern?
Und was können Städte und Regionen dazu beitragen? Was sind die Schlüssel, um dies alles menschengerecht
umzusetzen? Das ist die große Herausforderung unserer Zeit!“
Ulrike Bechtold appellierte an Politik und Gesellschaft, vorausschauend zu denken: „Technologische Entwicklungen
haben auch immer soziale Implikationen. Das Älterwerden, zum Beispiel, wird sich durch den technischen Fortschritt
verändern. Die entscheidende Frage ist, ob die Gesellschaft in der Lage sein wird, diesen Wandel für
die Betroffenen positiv im Sinne höherer Lebensqualität, abseits von rein ökonomischen Faktoren,
zu gestalten.“
Programm für 2017: Innovationen im öffentlichen und privatwirtschaftlichen Sektor
Das Arbeitsprogramm 2017, das im Laufe der Konferenz vorgestellt wurde, gliedert sich wie die IW 2020-Strategie
in drei Abschnitte: Wien als Stadt der Chancen, innovative Stadtverwaltung und Wien als Ort der Begegnung. Einen
Schwerpunkt im neuen Jahr bildet u.a. eine Start-up Initiative der Wirtschaftsagentur Wien, die auch im Bereich
Shared Infrastructure neue Impulse geben wird. Ein „Co-Creation Lab“ wird auf die Förderung von Cross-Industry-Projekten
in Wien abzielen. Die Verankerung von innovationsfördernder öffentlicher Beschaffung in den verschiedenen
Organisationseinheiten der Stadt Wien, die 2016 begonnen wurde, soll weiter vorangetrieben werden. Ali Mahlodji:
„Wann können gute Ideen erfolgreich sein? Wenn man beginnt, sie an die üblichen Schemata anzupassen,
ist es meistens schon zu spät. Gerade in großen Organisationen sollte es daher für kreative Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter Freiräume geben, um in einem offenen Umfeld an neuartigen Problemlösungen zu arbeiten.“
Magistratsdirektor Erich Hechtner betonte, dass es für die Stadt Wien von großer Bedeutung sei ihre
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ermutigen, „out of the box“ zu denken. „Es kann schon sein, dass man dabei
manchmal Ideen verfolgt, die sich als nicht umsetzbar herausstellen. Das schreckt mich aber nicht – im Gegenteil.
Das gehört zu unserer Fehlerkultur, weshalb es beim ‚Staffelholz‘-Wettbewerb letztes Jahr auch einen Sonderpreis
für ein gescheitertes Projekt gab“, so Hechtner.
Abschlussbericht 2016: Viele AkteurInnen, innovative Stadtverwaltung im Fokus
2016 wurde mit dem „Goldenen Staffelholz für Innovation“ die Innovationskraft der Wiener Stadtverwaltung ins
Blickfeld genommen und innovative Projekte vor den Vorhang geholt. Von den 163 Einreichungen wurden 11 im Jahr
2016 feierlich als Sieger gekürt. Darunter fanden sich Projekte wie die Erzeugung von Strom aus Klärschlamm,
die Steuerung von Ampelphasen an Fußgängerübergängen durch elektronische Detektoren, Vorführungen
von Wiener Musikschülerinnen und Musikschülern für Wachkomapatienten und -patientinnen oder die
Etablierung eines ganzheitlichen Innovationsmanagements in den Wiener Stadtwerken.
„Der Staffelholz-Wettbewerb hat auf beeindruckende Weise verdeutlicht, wie viel innovatives Potenzial in der Stadtverwaltung
steckt. In der wachsenden Stadt braucht es neue Lösungen – und das geht nur mit den besten Ideen. Gleichzeitig
müssen wir dafür sorgen, dass Fortschritt zu einem besseren Leben für alle Menschen führt“,
so Brauner.
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