Freundlicheres Konjunkturumfeld und fiskalische Impulse sorgten 2016 in fast allen Bundesländern
für ein höheres Wachstumstempo
Wien (bank austria) - In Österreich festigte sich 2016 die wirtschaftliche Erholung. Der BIP-Anstieg
erhöhte sich von 1 Prozent 2015 auf 1,5 Prozent 2016. Die Belebung der österreichischen Wirtschaft war
ganz wesentlich auf die Tarifreform in der Lohn- und Einkommenssteuer zurückzuführen, die zu einer Stärkung
des privaten Konsums führte. Daneben sorgten auch die Investitionen wieder für Auftrieb, da sich der
bestehende Investitionsstau in einem verbesserten Stimmungsrahmen und anhaltend günstigen Finanzierungsbedingungen
lockerte. Mit der Belebung der internationalen Konjunktur gegen Jahresende verbesserte sich schließlich die
bis dahin träge Auslandsnachfrage.
„Das freundlichere Konjunkturumfeld insbesondere in der Eurozone und die Impulse durch die Steuerreform schlugen
sich in fast allen Bundesländern 2016 in höheren Wachstumsraten als im Jahr davor nieder. Unter diesen
Rahmenbedingungen war der Dienstleistungssektor die bestimmende Kraft. Während die Baukonjunktur kaum positiv
aufzeigen konnte, hat in einigen Bundesländern die Industrie trotz insgesamt schwacher Exportnachfrage erfolgreich
expandiert“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.
Vorarlberg und Burgenland teilen sich 2016 die Wachstumsspitze
Unter diesen Rahmenbedingungen konnten alle Bundesländer – ausgenommen Niederösterreich – 2016 ein höheres
Wirtschaftswachstum als im Jahr 2015 erzielen. „Das Wachstumstempo der Bundesländer war 2016 ausgeglichener
als in den Vorjahren, da der Dienstleistungssektor die bestimmenden Impulse setzte und die Dienstleistungshochburgen
im Vergleich zu den stärker industrieorientierten Bundesländern an Boden gutmachen konnten. Die Spitzenposition
im Dynamikranking in Österreich mit einem Plus von 2,4 Prozent haben 2016 mit Vorarlberg und dem Burgenland
zwei Bundesländer übernommen, die neben dynamischen Dienstleistungen auch eine gute Industrieentwicklung
vorweisen konnten“, so UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.
Auch Tirol, Salzburg, Oberösterreich und die Steiermark erreichten eine überdurchschnittlich starke Dynamik.
Das Schlusslicht im Bundesländerranking mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um immerhin 1,2 Prozent
bildet Niederösterreich, das einzige Bundesland, das das günstigere Konjunkturumfeld nicht zu einer Wachstumssteigerung
gegenüber 2015 nutzen konnte.
Solides Wachstum der Industrie
Die heimische Industrie konnte 2016 den moderaten Wachstumskurs der Vorjahre mit einem Anstieg der Bruttowertschöpfung
um real 1,1 Prozent fortsetzen, obwohl Unsicherheiten das globale Umfeld belasteten. Insbesondere in der zweiten
Jahreshälfte ergaben sich daraus für einige exportorientierte Branchen Herausforderungen, die in einem
internationalen Umfeld, das sich erst zum Jahreswechsel verbesserte, eine höhere Dynamik verhinderten.
„Die österreichische Industrie konnte 2016 nur unterdurchschnittlich zum Wachstum beitragen. In Vorarlberg,
Kärnten, Burgenland, Oberösterreich und in Salzburg sorgte jedoch eine günstige regionale Ausrichtung
der Exporte in Kombination mit der passenden Branchenstruktur für eine überdurchschnittlich starke Unterstützung
durch die Industrie“, meint Pudschedl. Nur in Niederösterreich und Wien dämpfte der Sektor spürbar
die regionale Konjunkturentwicklung.
Bauwirtschaft nur in drei Bundesländern eine spürbare Wachstumsstütze
Die Baukonjunktur entwickelte sich 2016 in Österreich abermals nur zurückhaltend, kam in der zweiten
Jahreshälfte jedoch etwas in Schwung. Die Bruttowertschöpfung legte erstmals seit 2007 leicht zu, da
der Hochbau unter anderem von Initiativen im Wohnbau profitierte. Allerdings leistete die Bauwirtschaft nur in
Tirol, in der Steiermark und in Kärnten einen spürbar positiven Beitrag zum Gesamtwachstum. Im Burgenland,
das den relativ größten Bausektor aller österreichischen Bundesländer hat, begrenzte die Entwicklung
am Bau die Wirtschaftsdynamik dagegen am stärksten.
Dienstleistungssektor stützte 2016 alle Bundesländer
Nach der zurückhaltenden Aufwärtsbewegung in den vergangenen Jahren hat der Dienstleistungssektor 2016
deutlich zulegen können. Die Bruttowertschöpfung weist österreichweit ein Plus um 1,5 Prozent real
auf. Angesichts eines Anteils an der gesamten Wertschöpfung in Österreich von fast 70 Prozent lieferte
der Sektor auch den wichtigsten Wachstumsbeitrag. Insgesamt sorgten die Dienstleistungen im Österreichdurchschnitt
für fast drei Viertel des Wirtschaftswachstums. „Der Dienstleistungssektor steht als Hauptprofiteur der Steuerreform
maßgeblich hinter dem Aufschwung in Österreich. In allen Bundesländern sorgten die Dienstleistungen
für mehr Schwung, insbesondere im Osten Österreichs“, meint Pudschedl.
Aufschwung in den Bundesländern setzt sich 2017 fort
Die internationale Konjunktur gewinnt seit Ende 2016 an Schwung. Die Konjunkturlage in vielen Wachstumsmärkten
verbessert sich und die europäische Wirtschaft befindet sich in einer robusten Aufschwungsphase. Die etwas
stärkere globale Nachfrage wird der heimischen Exportwirtschaft mehr Unterstützung als im Vorjahr bieten
und den langsam nachlassenden Rückenwind durch Konsum und Investitionen kompensieren.
Das Wirtschaftswachstum in Österreich wird sich 2017 auf 1,8 Prozent erhöhen. Während sich die Wachstumsimpulse
durch die Auslandsnachfrage, die vor allem auf die starken Industrieländer wirken, klar verstärken werden,
vermindern sich die positiven Akzente für den Dienstleistungsbereich aufgrund des langsamen Auslaufens der
Steuerreform. Die Bauwirtschaft sollte 2017 besser in Schwung kommen, gestärkt vor allem von Initiativen im
Wohnbau.
Die Wachstumschancen für die stärker industrieorientierten Bundesländer und die Dienstleistungshochburgen
werden aufgrund der angenommenen Rahmenbedingungen recht ausgeglichen sein, wenn auch mit zunehmenden Vorteilen
für die Industrieschwergewichte.
„Fast alle Bundesländer werden in diesem günstigen Konjunkturumfeld 2017 ihr Wachstumstempo steigern
können. Im Westen erwarten wir für Vorarlberg und Tirol das stärkste Wirtschaftswachstum von 2,4
Prozent. Doch auch die Schlusslichter Wien und Niederösterreich werden mit erwarteten BIP-Anstiegen um 1,5
Prozent zulegen können“, meint Bruckbauer.
Stark unterschiedliche Belastung durch Brexit und US-Handelsbeschränkungen
Potenzielle Konjunkturrisiken durch den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs oder durch Handelsbeschränkungen
der USA würden die österreichischen Bundesländer, abhängig von ihrer Exportorientierung und
ihrer bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, sehr unterschiedlich treffen. Die Nachfrage aus den USA sorgt für
rund 2 ½ Prozent der österreichischen Wertschöpfung, jene aus dem Vereinigten Königreich
für rund die Hälfte davon.
„Salzburg und Oberösterreich wären von US-Handelsbeschränkungen durch die Trump-Administration von
allen Bundesländern am stärksten betroffen, während der Brexit die Steiermark besonders belasten
dürfte. Für das Burgenland errechnet sich in beiden Fällen das geringste Konjunkturrisiko Österreichs“,
erwartet Bruckbauer.
Regionale Unterschiede am Arbeitsmarkt durch Konjunktur und steigendes Angebot
„Die Konjunkturbelebung im Jahr 2016 hat sich positiv am Arbeitsmarkt niedergeschlagen. Erstmals seit 2011
ist die Arbeitslosenquote in Österreich dank einer starken Beschäftigungszunahme nicht weiter gestiegen,
sondern unverändert bei 9,1 Prozent geblieben. Dabei ist in insgesamt sieben Bundesländern eine zum Teil
sogar deutliche Entspannung erkennbar, nur in Niederösterreich und vor allem in Wien ist die Arbeitslosenquote
2016 weiter gestiegen“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Robert Schwarz.
Die Analyse der Ökonomen der UniCredit Bank Austria zeigt, dass die regionalen Unterschiede am österreichischen
Arbeitsmarkt in den vergangenen fünf Jahren sowohl auf konjunkturelle als auch strukturelle Gründe zurückzuführen
sind. Die Arbeitslosenquote ist in Österreich zwischen 2011 und 2016 von 6,7 auf durchschnittlich 9,1 Prozent
gestiegen. Bundesländer mit schwächerer Konjunkturentwicklung weisen im Regelfall auch eine höhere
Zunahme der Arbeitslosenquote auf. Innerhalb Österreichs zeigt sich dabei ein ausgeprägtes Ost-West-Gefälle.
In den meisten Bundesländern ist die Arbeitslosenquote jedoch stärker als konjunkturell bedingt gestiegen.
Insbesondere in Wien hat der Anstieg der Arbeitslosenquote zwischen 2011 und 2016 eine hohe strukturelle Komponente
aufgrund des besonders stark wachsenden Arbeitskräfteangebots. So ist in Wien zwischen 2011 und 2016 die Arbeitslosenquote
um 4,4 Prozentpunkte gestiegen (von 9,2 auf 13,6 Prozent), davon sind 2,8 Prozentpunkte auf die schwache Konjunktur
in diesem Zeitraum zurückzuführen.
Im Österreichschnitt verteilt sich der Anstieg der Arbeitslosenquote um 2,4 Prozentpunkte in den vergangenen
fünf Jahren je zur Hälfte auf In- und Ausländer. Bei Inländern ist der Anstieg der Arbeitslosenquote
fast ausschließlich konjunkturell bedingt, eine Verdrängung am Arbeitsmarkt hat kaum stattgefunden.
Ganz anders ist die Lage bei ausländischen Arbeitskräften. Die konjunkturelle Komponente erklärt
nur rund ¾ des Anstiegs. ¼ ist auf den Anstieg des Arbeitskräfteangebots zurückzuführen.
„Am Wiener Arbeitsmarkt hat das steigende Arbeitskräfteangebot die stärksten Auswirkungen bei ausländischen
Arbeitnehmern. Fast 40 Prozent des Anstiegs der Arbeitslosenquote ist hier darauf zurückzuführen“, meint
Schwarz.
Die Konjunkturerholung ist seit einigen Monaten so stark, dass in allen Bundesländern trotz steigendem Arbeitskräfteangebot
die Arbeitslosenquoten sinken. Im Jahresdurchschnitt ist eine Verringerung der Arbeitslosenquote auf 8,7 Prozent
im Österreichschnitt, nach 9,1 Prozent im Vorjahr, in Sicht.
„Erstmals wird 2017 in allen Bundesländern die Arbeitslosenquote sinken. Eine besonders günstige Entwicklung
erwarten wir für die Steiermark, Kärnten und das Burgenland. Mit 5,4 Prozent wird Salzburg aber weiterhin
die niedrigste Arbeitslosenquote Österreichs ausweisen und Wien mit 13,3 Prozent die höchste“, so Schwarz
abschließend.
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