Messgerät zur raschen Risikobestimmung als Forschungsziel
Gent/Graz (meduni) - Statistiken besagen, dass bereits rund 700.000 Menschen in Österreich an Osteoporose
erkrankt sind bzw. ein hohes Risiko in sich tragen, zu erkranken. Vor allem für ältere Menschen, die
überwiegend betroffen sind, stellen drohende Knochenbrüche ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar.
In Anbetracht der demografischen Entwicklung hin zu einer alternden Gesellschaft kommt der Früherkennung der
Osteoporose große Bedeutung zu. Im Rahmen eines von der Europäischen Union unterstützten Forschungsprojekts
entwickeln WissenschafterInnen ein Messgerät zur Früherkennung bzw. zur Identifizierung von Personen
mit hohem Risiko an Osteoporose zu erkranken.
Volkskrankheit Osteoporose: Herausforderung für das Gesundheitssystem
Osteoporose betrifft überwiegend ältere Menschen, rund zwei Drittel aller Frauen über 80 Jahre in
Österreich sind an Osteoporose erkrankt. Männer sind verhältnismäßig weniger vom Knochenschwund
betroffen. Univ.-Prof. Dr. Hans Peter Dimai, Experte für Osteoporose an der Med Uni Graz, erklärt: "Bei
der Osteoporose herrscht ein Ungleichgewicht zwischen Auf- und Abbau von Knochengewebe vor. Durch den überwiegenden
Abbau schwindet die Knochensubstanz, wodurch letztlich das Risiko für Knochenbrüche steigt." Typischerweise
sind folgende Knochen von durch Osteoporose bedingte Frakturen am Häufigsten betroffen: Wirbelkörper,
Oberschenkelknochen nahe der Hüfte, Unterarmknochen nahe des Handgelenks, Oberarmkopf und das Becken. "Die
erhöhte Frakturanfälligkeit kann jedoch das gesamte Skelett betreffen", ergänzt Hans Peter
Dimai.
Als Folge der alternden Bevölkerung ist die Osteoporose zu einem gesundheitspolitisch bedeutenden Thema geworden.
"Durch die von Knochenschwund bedingten Frakturen sinkt nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen,
die Krankheit geht auch mit weiterreichenden Folgen einher. Vor allem Brüche des Oberschenkelhalses sind im
höheren Alter mit einer deutlich erhöhten Sterblichkeit verbunden", nennt Hans Peter Dimai die Folgen
der Erkrankung. Obwohl in den letzten Jahren eine Reihe von durchaus aussagekräftigen nicht-invasiven Methoden
zur Bestimmung des Osteoporoserisikos bzw. zur Osteoporosediagnostik entwickelt wurden, fehlt es abseits von hochspezialisierten
Forschungseinrichtungen und Zentren an einem aussagekräftigen Biomarker bzw. einfach zu bedienenden Messgeräten,
die während des Arztbesuches über das individuelle Osteoporoserisiko Auskunft geben könnten. Hier
setzt das von der Europäischen Union mit einem Gesamtvolumen von EUR 4.000.000,00 unterstützte und der
Universität Gent koordinierte Forschungsprojekt "PoCOsteo - Point-of-care in-office device for identifying
individuals at high risk of osteoporosis and osteoporotic fracture" an. Das Projekt ist eines von drei, welches
aus 64 Anträgen im Call " Nanotechnologies, Advanced Materials, Biotechnology and Advanced Manufacturing
and Processing" eine Förderung erhalten hat. Der Med Uni Graz Anteil - Projektleitung Hans Peter Dimai
- am Gesamtprojektvolumen beträgt rund EUR 350.000,00. Die Projektlaufzeit beträgt vier Jahre.
Internationale Forschung: Künftig soll Messgerät Osteoporoserisiko sofort anzeigen
Im Projekt PoCOsteo bündelt sich unter der Leitung der Universität Gent die Kompetenz internationaler
ProjektpartnerInnen im Kampf gegen die Osteoporose. Das Forschungsziel liegt in der Entwicklung eines einfach anzuwendenden
Werkzeuges zur Früherkennung der Osteoporose bzw. einer drohenden Fraktur. Dabei verfolgen die WissenschafterInnen
die Kombination verschiedener Zugänge wie beispielsweise die Messung unterschiedlicher, im Blut nachweisbarer,
proteomischer und genomischer Faktoren. "Unser Ziel liegt in der Entwicklung eines Vollblut-Point-of-Care-Messgerätes,
welches auch abseits hoch spezialisierter Zentren im Kampf gegen die Osteoporose eingesetzt werden kann",
beschreibt Hans Peter Dimai das Forschungsziel. Dies soll über den Einsatz mikrofluidischer Kartuschen erreicht
werden, welche mit speziellen, an der Universität Gent sowie an der Universität Rovira I Virgili, Spanien,
entwickelten elektrochemischen Sensoren bestückt sind. Aufbauend auf diese Entwicklung wird ein umfassendes
Frakturrisikobewertungsmodell aufgestellt, welches wichtige weitere Daten liefern wird. Die Untersuchungen dafür
werden unter anderem an der Medizinischen Universität Graz durchgeführt. "Der große Vorteil
des neuen Verfahrens zur Bewertung des individuellen Osteoporoserisikos wird nicht nur in der einfachen Anwendung
liegen, sondern vor allem auch darin, dass der Test kostengünstig und in Echtzeit während des Arztbesuchs
durchgeführt werden kann", blickt Hans Peter Dimai in die Zukunft.
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