„Ein überzeugter Europäer und glühender Antifaschist wird 80“ „Ein überzeugter
Europäer und glühender Antifaschist wird 80“ – Ehrenbürger der Stadt Wien
Wien (sk/rk) - Bundeskanzler Christian Kern gratuliert Bundeskanzler a.D. Franz Vranitzky ganz herzlich
zu seinem 80. Geburtstag. Vranitzky hat sich mehr als ein Jahrzehnt als Bundeskanzler der Republik Österreich
und zuvor als Finanzminister zum größten Wohle des Landes verdient gemacht. Kern würdigt das Engagement
des „glühenden Sozialdemokraten und großen Europäers“ und betont: „Vranitzky hat Österreich
in die Europäische Union und damit in eine neue Ära geführt.“
Vranitzky war außerdem entscheidend für eine Neubestimmung des Verhältnisses zwischen Österreich
und Israel verantwortlich. „Mit seiner historischen Rede zu Österreichs NS-Vergangenheit hat Vranitzky ein
neues Kapitel in den österreichisch-israelischen Beziehungen aufgeschlagen. Seine klare Haltung gegen Antisemitismus,
Rechtsextremismus und Hetze hat auch über die Grenzen Österreichs hinweg Beachtung gefunden.“ Vranitzkys
Verdienste um die Republik seien „wichtiger Bestandteil der österreichischen Zeitgeschichte“, so Kern. „Ich
danke Franz Vranitzky im Namen der Republik Österreich und im Namen der Sozialdemokratie von ganzem Herzen
für seine unschätzbaren politischen und gesellschaftlichen Leistungen und wünsche ihm alles Gute
und beste Gesundheit.“
Franz Vranitzky wurde Ehrenbürger der Stadt Wien
Wien (rk) - Bürgermeister Michael Häupl überreichte am Nachmittag des 04.10. Bundeskanzler
a.D. Franz Vranitzky die Ehrenbürgerurkunde der Stadt Wien. Die Laudatio hielt Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny.
Bei der Feierstunde war eine große Anzahl an prominenten Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur
und Wissenschaft vertreten, wie Bundespräsident a.D. Heinz Fischer, die Bundesminister Drozda und Doskozil,
Bundesministerin Rendi-Wagner, Gouverneur Ewald Nowotny, die Präsidenten Foglar und Kaske, weiters Rudolf
Buchbinder, Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann, Elisabeth Orth und Klaus Maria Brandauer.
Bürgermeister Michael Häupl würdigte in seiner Begrüßung die politischen Leistungen Franz
Vranitzkys für Österreich und Europa und sprach ihm seinen persönlichen Dank aus. Dass die Ehrung
mit dessen heutigen Geburtstag zusammenfalle, sei durchaus geplant gewesen.
Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny begann seine Laudatio mit einem Hinweis auf das jüngst erschienene Buch von
Franz Vranitzky mit dem Titel „Zurück zum Respekt“. Dieser Respekt gegenüber anderen Menschen und Einstellungen
sei immer ein Leitmotiv von Vranitzky gewesen. Er sei ein typischer Wiener mit Grandezza und Schmäh, zugleich
ein Weltbürger mit Interesse an internationalen Netzwerken, zutiefst Sozialdemokrat und Antifaschist. Als
politische Meilensteine erwähnte Mailath-Pokorny Vranitzkys offenes Bekenntnis gegen den Nationalsozialismus
und den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union. Außerdem habe er es im Basketball zur Meisterschaft
gebracht, schloss Mailath-Pokorny.
Bundeskanzler a.D. Franz Vranitzky nahm in seiner Dankesrede Bezug auf seine Wiener Wurzeln und seine antifaschistische
Einstellung, die von Jugend an familiär geprägt worden sei. Er dankte für die hohe Auszeichnung
und stellte mit besonderem Nachdruck fest, dass für ihn Kultur ein wesentlicher Teil des Lebens in der Stadt
sei. Ohne die Wertschätzung und Erkenntnisse aus der Kultur seien das Verständnis und die umfassende
Sicht auf alle anderen Bereiche des gemeinschaftlichen Lebens, sei es Erziehung und Bildung, Wissenschaft oder
Ökonomie, nicht möglich. Franz Vranitzky schloss mit den Worten: „Ich bin ein Wiener aus Geburt und Überzeugung.“
Lebenslauf Franz Vranitzky
Dipl.Kfm. Dr.rer.comm.DDDr.h.c. Franz Vranitzky, Bundeskanzler a.D., wurde 1937 in Wien geboren. Er studierte
an der Hochschule für Welthandel Betriebswirtschaft und beendete 1960 das Studium als Diplomkaufmann, 1969
erfolgte die Promotion zum Doktor der Handelswissenschaften. Seine ersten beruflichen Wege führten ihn in
die Siemens-Schuckert-Werke, er war aber nach einigen Jahren bereits in führenden Positionen in verschiedenen
Banken tätig. 1970 wurde er Berater des damaligen Finanzministers Hannes Androsch. 1984 wurde er Finanzminister,
1986 Bundeskanzler. 1997 trat er sowohl vom Amt des Bundeskanzlers als auch als Parteivorsitzender der SPÖ
zurück. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik war und ist Vranitzky in internationalen Gremien wie dem InterActionCouncil,
einer „Denkfabrik“ früherer Staats- und Regierungschefs tätig. Franz Vranitzky erhielt mehrere Ehrendoktorate
und renommierte Auszeichnungen wie den „Internationalen Karlspreis“.
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