Grüner Bericht 2017: Agraraußenhandel und Bio-Landwirtschaft wachsen, leichter Rückgang
des Agrarbudgets
Wien (pk) – Die Situation in der österreichischen Land- und Forstwirtschaft hat sich 2016 etwas entspannt.
Das ist dem Grünen Bericht 2017 und dem daran angeschlossenen Bericht über die Maßnahmen für
die Land- und Forstwirtschaft im Jahre 2018 zu entnehmen, die das Landwirtschaftsministerium vorgelegt hat. Die
Berichte zeigen wachsende landwirtschaftliche Einkommen, leichte Erholung am Milchmarkt, steigenden Außenhandel
und wachsende Bio-Landwirtschaft auf. Das gesamte Agrarbudget sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,6%.
Aufwärtstrend bei landwirtschaftlichen Einkommen
Nach den Rückgängen in den vergangenen Jahren konnten die Betriebe in der Land- und Forstwirtschaft auf
steigende Einkünfte im Jahr 2016 zurückblicken und weisen mit 14% hinter Rumänien das zweithöchste
Wachstum in der EU auf. Durchschnittlich erwirtschafteten Betriebe damit 28.042 € an Einkünften. Mit Ausnahme
der Forstbetriebe konnten alle Betriebsformen ihre Einkünfte steigern.
Das stärkste Wachstum bei den in der Landwirtschaft erwirtschafteten Einkommen verbuchen die Veredelungsbetriebe
mit 51%, die Marktfruchtbetriebe mit 34% und landwirtschaftliche Gemischtbetriebe mit 24% Einkommensplus im Vergleich
zum Vorjahr. Lediglich die Forstbetriebe verzeichneten aufgrund eines geringeren Holzschlags einen Rückgang
um gut 11%. Das Landwirtschaftsministerium führt die positive Entwicklung auf gestiegene Erntemengen beim
Ackerbau, Einsparungen von Betriebsmitteln sowie auf höhere Zahlungen öffentlicher Gelder zurück.
Negativ wirkten sich hingegen starke Frostschäden für den Obst- und Weinbau aus, aber auch die niedrigen
Getreidepreise und die gesunkenen Erlöse bei Milch drückten das Einkommen.
Leichte Erholung bei Milch erst Ende 2016
Angespannt blieb hingegen die Lage in der Milchproduktion. Die Talfahrt der Milchpreise hielt bis zur Jahresmitte
2016 an, stabilisierte sich auf niedrigem Niveau und erholte sich unter anderem durch die freiwillige Milchmengenreduktion
mit finanzieller Unterstützung durch die EU im Herbst. Dies hatte allerdings Einfluss auf die Rinderproduktion.
Die dadurch erhöhten Schlachtzahlen setzten die Preise in der EU unter Druck.
Aufgrund der guten klimatischen Bedingungen konnte bei Getreide eine der ertragreichsten Ernten verbucht werden.
Diese wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 17%, was allerdings einen Rückgang der Erzeugerpreise um 15,1% zur
Folge hatte. Unter dem Strich stieg damit der Produktionswert für Getreide um 1,3% auf 0,69 Mrd. €.
Landwirtschaftlicher Außenhandel steigt weiter
Der Agraraußenhandel stieg im Vergleich zum gesamten österreichischen Außenhandel stärker.
Die Agrarexporte setzten mit einem Anstieg um 3,3% auf 10,4 Mrd. € ihre positive Entwicklung des Vorjahres fort,
während die Importsteigerungen mit 2,5% auf 11,4 Mrd. € etwas geringer ausfielen. Das daraus resultierende
Handelsbilanzdefizit in der Landwirtschaft reduzierte sich damit wie im Vorjahr weiter und verbesserte die Deckungsquote
auf nunmehr 91,2%.
Bio-Landwirtschaft: Landwirtschaftsministerium rechnet 2017 mit kräftigem Anstieg
Ein Wachstum fand 2016 auch in der Bio-Landwirtschaft statt. Die landwirtschaftlich genutzten Bioflächen stiegen
gegenüber 2015 um 5% bzw. 26.500 ha und betragen mit 21,9% über ein Fünftel aller Agrarflächen.
Das stärkste Wachstum erfuhren dabei die Bio-Obstanlagen mit einem Plus von 28%. Die Zahl der Bio-Betriebe
stieg ebenfalls um 5% bzw. 1.060 Betriebe und trägt nun einen Anteil von 19,1% aller landwirtschaftlichen
Betriebe. Für 2017 rechnet das Landwirtschaftsministerium mit einem noch deutlicheren Anstieg. So soll es
ca. 1.500 neue Betriebe geben, die rund 36.000 ha Flächen nutzen. Die positive Entwicklung zu mehr Bio-LandwirtInnen
führt das Landwirtschaftsministerium auf die verlängerte Einstiegsmöglichkeit in das Programm für
die Entwicklung des ländlichen Raums zurück.
Agrarbudget um 1,5% gesunken
Die für die Landwirtschaft im Jahr 2016 ausgegebenen Mittel unterteilten sich in 61% EU-, 17% Bundes- und
22% Landesmittel. Der Betrag wird im Grünen Bericht mit 1,926 Mrd. € beziffert, was einen Rückgang von
1,6% gegenüber 2015 bedeutet. Für Marktordnung im Rahmen der 1. Säule der GAP wurden 732 Mio. €
bzw. 38% des Agrarbudgets für rund 109.000 landwirtschaftliche Betriebe und Agrargemeinschaften sowie 76 sonstige
FörderwerberInnen aufgewendet. Mit 94% ging der Großteil der Mittel an Direktzahlungen, wobei hier wiederum
die meisten Mittel als Basis- und Greening-Prämien ausgezahlt wurden. Aus dem Programm für die ländliche
Entwicklung (2. Säule der GAP) gingen 875 Mio. € bzw. 45% an 106.900 Betriebe und 555 sonstige FörderwerberInnen.
Davon wurden 407 Mio. € als Zahlungen im Rahmen des Agrarumweltprogramms ÖPUL sowie rund 261 Mio. € für
Ausgleichszulagen für benachteiligte Gebiete aufgewendet.
EU-Vorhaben: Landwirtschaftsministerium arbeitet weiter an GAP
Auch die Maßnahmen des BMLFUW in der Land- und Forstwirtschaft auf EU-Ebene konzentrieren sich auf die GAP.
Bei der 1. Säule werden die Direktzahlungen bis 2019 schrittweise auf ein Regionalmodell umgestellt und erfahren
unter anderem eine Implementierung von Greening-Anforderungen zur Anbaudiversifizierung, Dauergrünlanderhalt
und Ökologische Vorrangflächen. Daneben kommen auch klassische Marktordnungsinstrumente unter anderem
bei der Imkereiförderung, beim Wein- sowie beim Obst- und Gemüsebau zur Anwendung.
Die Vorhaben bei der 2. Säule der GAP stehen ganz im Zeichen der Fortführung des Programms für ländliche
Entwicklung 2014-20, in dessen Rahmen jährlich rund 1,1 Mrd. € zur Verfügung stehen. Das Agrarumweltprogramm
ÖPUL mit einem Anteil von 40,1% und die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete mit 22,9% stellen
hier die wesentlichen Instrumente dar.
Für die Gestaltung der GAP nach 2020 wurde auf EU-Ebene von Februar bis Mai 2017 eine Online-Konsultation
durchgeführt. Für eine weitere Gestaltung der GAP ist allerdings ein mehrjähriger Finanzrahmen der
EU erforderlich. Der dafür Ende 2017 angestrebte Termin ist aufgrund des EU-Austritts von Großbritannien
nicht gesichert
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