100 neue Bildungspfade der Wirtschaft ermöglichen von der Lehre bis zur Hochschulbildung
durchgängige Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in Bildungseinrichtungen der WKO
Wien (pwk) - „Die Wirtschaftskammer sind die beruflichen Chancenmanager am Standort Österreich, denn
Begabungen sind der wichtigste Rohstoff für das ganze Land. Die Wirtschaftskammern und die Betriebe haben
100.000 Lehrlinge in Ausbildung, 500.000 Österreicher nehmen pro Jahr Bildungsangebote der Wirtschaft in Anspruch.
Statistisch gesehen, wird jeder erwerbstätige Österreicher innerhalb von 10 Jahren auf seinem Aus- und
Weiterbildungsweg von den Wirtschaftskammern begleitet“, betonte der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich
(WKÖ), Christoph Leitl, am 29. November in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Präsidenten der
Landeskammern Oberösterreich, Steiermark, Tirol, Salzburg und Burgenland. Die Wirtschaftskammern haben jetzt
ein neues Bildungsangebot mit 100 Bildungspfaden der Wirtschaft erstellt. Derzeit liegen bereits 25 ausformuliert
vor, die 75 fehlenden werden im kommenden Jahr ergänzt. Diese sind ein durchlässiges Angebot von der
Lehre bis zur Hochschulbildung und bieten durchgängige, auf bestimmte Berufsbilder abgestimmte Bildungsmöglichkeiten
in den 46 österreichweiten Bildungseinrichtungen der Wirtschaft, aber auch in FH´s und Universitäten.
„Wir wissen, dass zwei Drittel der heimischen Unternehmen händeringend Fachkräfte suchen. Mit dem Angebot
der Bildungspfade geben wir Zukunftschancen, wenn es um die Verknüpfung von schulischer Bildung und hoch spezialisierter
beruflicher Ausbildung geht. Wir agieren damit abseits eingefahrener Pfade, denn die Lehre ist keine Sackgasse
sondern steckt voller Chancen“, so Leitl. Damit werden vom Talentecheck vor Beginn der Lehre bis zum Abschluss
als Master of Science eine bedarfsorientierte durchlässige Qualifizierung angeboten. Wesentlich ist, dass
der Staat dafür garantiert, dass Schulabsolventen zumindest die wichtigsten Grundqualifikationen in Schreiben,
Lesen und Rechnen erhalten. Die Arbeit der Wirtschaftskammern baue auf dem schulischen System auf, deshalb habe
man die Verantwortung, seinen Beitrag zur Weiterentwicklung zu leisten.
Auf der anderen Seite agiere die Wirtschaft mit der integrativen Berufsausbildung auch an der Schnittstelle aus
Bildungs- und Sozialpolitik. Denn bis zu 20 Prozent der Jugendlichen eines Jahrgangs haben Defizite im Lernen und
damit Schwierigkeiten in ihrer weiteren Ausbildung. „Wir müssen jeden nach seinen Fähigkeiten bestmöglich
fördern und ausbilden, damit er seine Zukunftschancen bestmöglich nutzen kann“, so Leitl.
Hummer: Bildungspfad Mechatronik sichert Zukunftskompetenzen der Industrie
„Oberösterreich ist nicht nur das Industrie- und Exportbundesland Nummer eins, sondern auch jenes mit
den meisten Lehrlingen. Ein durchgängiges Berufsausbildungssystem ist unser wichtigstes Asset. Vor diesem
Hintergrund sichert der Bildungspfad Mechatronik die Zukunftskompetenzen der heimischen Industrie, denn die Verknüpfung
von technischen Fertigkeiten mit Industrie 4.0. müssen wir noch viel stärker forcieren um uns in der
Produktivität weiter zu verbessern“, betonte Doris Hummer, Präsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich.
Es sei wichtig hier die Rückkoppelung aus der dualen Ausbildung an die schulischen Einrichtungen voranzutreiben
um Kompetenzen auszubauen. Die von WKOÖ gemeinsam mit dem WIFO erstellte Studie zeige, dass einer der fünf
Schwerpunkte eines Standort-Masterplans der Bereich Fachkräfte und Bildung ist und deshalb sei es „Verantwortung
der Wirtschaftskammern hier zur Entwicklung von Lösungsangeboten“ beizutragen, so Hummer.
Bodenseer: Bildungspfad Unternehmertum als umfassendes Angebot für Selbständige
„Gerade das Unternehmertum an sich benötigt einen eigenen Bildungspfad, der die geforderten unternehmerischen
Skills umfassend abbildet“, betonte Jürgen Bodenseer, Präsident der Wirtschaftskammer Tirol. Bei durchschnittlich
12 neu gegründeten Unternehmen pro Tag – rund 40.000 pro Jahr – bestehe große Nachfrage an Bildungsmaßnahmen,
die jeden Bereich des künftigen Unternehmertums abbilde. Vom ersten Meilenstein, der Lehrabschlussprüfung,
über die Meisterprüfung bis hin zum Master-Abschluss biete dieser Bildungspfad alle Möglichkeiten.
Wie wichtig die Vermittlung der unternehmerischen Inhalte insbesondere für die duale Ausbildung ist, sei daran
ersichtlich, dass sich rund 50 Prozent aller Meister in Tirol selbständig machen. „Unternehmertum bedeutet
auch lebenslanges Lernen, deshalb sind wir im Rahmen dieses Bildungspfades gefordert, die Angebote ständig
zu adaptieren“, so Bodenseer.
Herk: Bildungspfad Digital Business bietet beste Berufsaussichten
„Digital Business durchdringt alle Wirtschaftsbereiche, Unternehmen sind daher gefordert in ihren Arbeitsweisen
aber auch in den Schulungen ihrer Mitarbeiter umzudenken. Die Steiermark ist mit einer F+E-Quote von 5,16 Prozent
in einer absoluten Führungsposition. Die Verschränkung von beruflicher und schulischer Ausbildung ist
daher ganz besonders wichtig“, betonte Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark, der darauf
verwies, dass in der Steiermark ein Austausch von Meister-Schülern und jene von Studenten an der Technischen
Universität bestens funktioniere. Der Bildungspfad Digital Business biete jedenfalls beste Berufsaussichten,
über das Absolvieren einer Fachakademie könne ohne Umwege in eine Hochschulbildung gestartet werden.
In Hinblick auf die Austragung der EuroSkills 2020 in Graz betonte Herk, dass die duale Ausbildung nun verstärkt
in den Fokus rücken werde. „Beginnend vom Talentecheck bilden wir genau jene Fachkräfte aus, die wir
brauchen. Die Bildungspfade gestalten die berufliche Ausbildung nun vollkommen durchlässig“, so Herk.
Nemeth: Bildungspfad e-commerce bildet Anforderungen des modernen Handels ab
„Der Bildungspfad e-commerce zeigt, welche Chancen in einem neuen Berufsfeld liegen. Hier gilt es, die Jugendlichen
aufmerksam zu machen. Denn 17.000 Lehrlinge werden im Einzelhandel in 4.500 Unternehmen ausgebildet, rund 35 Prozent
des diesjährigen Weihnachtsgeschäfts wird online abgewickelt werden. Das Potential ist also riesig“,
unterstrich Peter Nemeth, Präsident der Wirtschaftskammer Burgenland. Der Online-Handel sei also Teil einer
großen Revolution und der Bildungspfad e-commerce bildet die Anforderungen des modernen, globalen Handels
ab. Der Lehrberuf zum E-commerce-Kaufmann, der ab Sommer 2018 angeboten wird, lege hier die fundierte Basis für
den stark zunehmenden Fachkräfte-Bedarf in diesem Bereich. Denn etwa 86 Prozent der Unternehmen seien bereits
im Internet vertreten, aber nur 26 Prozent aller Betriebe bieten regelmäßig Produkte und Dienstleistungen
online an.
Steindl: Bildungspfad Food&Beverage-Manager Teil umfassender Weiterbildung im Tourismus
„Urlaub in Österreich ist hoch im Kurs. Und Salzburg hat seit je her - durch die bestehenden Tourismusschulen
– eine starke Tradition in der Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte im Tourismus. Bereits jetzt absolvieren
rund 80 Prozent der Schüler an den Tourismusschulen diese mit Matura. Gemeinsam mit der FH in Salzburg ist
diese Ausbildung daher eine Erfolgsgeschichte“, so Konrad Steindl, Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg.
Der Bildungspfad Food&Beverage-Manager sei daher als Teil einer umfassenden Aus- und Weiterbildung im Tourismus
zu verstehen, weil wichtige Trends in der Hotellerie und Gastronomie abgebildet werden. Mehrere Lehrberufe bieten
sich zum Einstieg an: Restaurantfachfrau/-mann, (System)Gastronomiefachfrau/-mann oder Hotel- und Gastgewerbeassistentin/-assistent,
der Abschluss einer dreijährigen Tourismusschule oder der Besuch des Basis-Lehrgangs Gastronomiemanagement
der WIFIs.
Leitl: Wirtschaftskammern übernehmen grundlegende Aufgaben in der Aus- und Weiterbildung
„Die Wirtschaftskammern haben im Bereich der Aus- und Weiterbildung mehr zusammengebracht, als andere öffentlichen
Körperschaften und übernehmen damit grundlegende Aufgaben in der Aus- und Weiterbildung. Wir definieren
uns über die Leistungen für das Mitglied und bemühen uns um das bestmögliche Angebot“, so Leitl.
In Hinblick auf die Pflichtmitgliedschafts-Diskussion betonte der WKÖ-Präsident, dass Änderungen
des Leistungskatalogs mit klaren Ansagen einhergehen müssen, wer diese Leistungen künftig übernehme.
„Innovation fußt auf Qualifikation und als kleines Land ist die Verbindung aus Qualität und Qualifikation
unverzichtbar. Deshalb ist die nun von den beiden künftigen Koalitionspartnern avisierten Bildungsreform –
Verpflichtende Sprachkenntnisse, eine Bildungspflicht und das zweite Kindergartenjahr – positiv zu werten, denn
damit wird sich die Basisqualifikation der Jugendlichen deutlich verbessern“, so Leitl abschließend.
|