Bischof Michael Bünker:
 „Wir brauchen mehr Menschlichkeit“

 

erstellt am
02. 01. 17
13:00 MEZ

Neujahrsansprache des evangelisch-lutherischen Bischofs
Wien (epdÖ) - In seiner Neujahrsansprache hat der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker zu mehr Menschlichkeit aufgerufen. „Wir brauchen mehr an Humanität, wir brauchen Herzenswärme und Mitgefühl. Das sind Haltungen, die uns helfen können, dass Menschenrechte und die Menschenwürde gewahrt bleiben“, sagte der Bischof, der in seiner Ansprache an das dreifache Gedenken des Jahres 2018 - hundert Jahre Republik, achtzig Jahre Anschluss und siebzig Jahre Menschenrechte - erinnerte.

Menschenrechte sind eine Konsequenz der Menschenwürde, hält Bünker fest. „Für mich als Christen ist die Würde des Menschen im Glauben begründet. Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, heißt es im biblischen Schöpfungsbericht.“ Diese Würde komme jedem und jeder zu, unabhängig von Herkunft, Einkommen, Sprache, Religion oder sexueller Orientierung. 70 Jahre nach der Erklärung der Menschenrechte sei es wichtig zu fragen, was uns heute an Humanität und Menschlichkeit miteinander verbinde. Denn die Menschenrechte, so Bünker, seien eine Konsequenz der tiefen Verletzung der Menschenwürde, die die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts bestimmt haben.

Nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs wurde vor hundert Jahren die „demokratische Republik“ Österreich gegründet, der bald die Diktatur des Ständestaates folgte. Vor 80 Jahren erfolgte dann der sogenannte Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland mit Terror und Gewalt vor allem gegen die jüdische Bevölkerung. „Von den brennenden Synagogen im November 1938 führt der Weg direkt bis nach Auschwitz.“ So sei die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts gekennzeichnet, dass Menschenleben wertlos sind und dass die Menschenwürde mit Füßen getreten wurde.

„Wie können wir heute menschlich leben als Menschen?“, fragt der Bischof. Für den christlichen Glauben beginne es damit, „dass wir jedes Leben bejahen und annehmen. Dass wir die Augen nicht vor der Not derer verschließen, die unsere Hilfe brauchen. Dass wir nicht zulassen, wenn ganze Gruppen von Menschen ausgegrenzt werden, wenn man ihnen mit Hass und Ablehnung begegnet.“ Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, die Ablehnung von Flüchtlingen aber auch besonders der Antisemitismus seien zutiefst unmenschliche Haltungen. Unmenschlich sei auch der Hass in manchen Internetforen.

Für ein menschliches Leben brauche es Anerkennung und die Möglichkeit die eigenen Begabungen im gemeinsamen Leben einbringen zu können, unterstreicht Bünker. Das geschehe durch Bildung für alle, durch Wertschätzung und Akzeptanz in der gemeinsamen Gestaltung des Lebens, durch ein Interesse aneinander, durch gute Nachbarschaft, „unabhängig von der Religion, unabhängig davon, ob wir die gleiche politische Meinung teilen oder die gleiche Sprache sprechen“.

Jesus von Nazareth habe ein solches „Leben in Fülle“ vorgelebt und gezeigt, „wie wir die Nächstenliebe im Alltag umsetzen können. Er macht uns Mut, dass wir unsere Ängste und Sorgen überwinden, dass wir die Güte der Menschen stärken und immer auf das Gute vertrauen“, sagte der Bischof in seiner Neujahrsansprache, die am Abend des 1. Jänner 2018 auf ORF 2 ausgestrahlt wurde.

 

 

 

Allgemeine Informationen:
http://www.evang.at

 

 

 

 

 

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